Ermenegildo Zegna

Der Unternehmer will zeigen, dass er aus eigener Kraft wachsen kann.

(Foto: imago/Hartenfelser)

Modefusion Italienische Eleganz trifft Schrumpf-Look – Zegna übernimmt Thom Browne

Der italienische Schneider Ermenegildo Zegna verjüngt sich mit dem US-Designerlabel Thom Browne – und übernimmt eine ganz spezielle Kundin.
Kommentieren

New York, DüsseldorfErmenegildo Zegna ist ein Exempel für klassische italienische Eleganz: Der Vorstandsvorsitzende des gleichnamigen italienischen Familienunternehmens ist stets perfekt gekleidet. Die Anzüge aus feinstem Tuch sitzen auf den Millimeter genau am Handgelenk, so dass die Hemd-Manschette exakt einen Zentimenter hervorschaut. Auch im Freizeitlook ohne Krawatte ist bei dem 62-jährigen „Gildo“ stets alles perfekt aufeinander abgestimmt.

Thom Browne ist mindestens genauso penibel wie Zegna. Allerdings sehen bei ihm die Anzugsjacken und Hosen meist so aus, als wären sie in der Wäsche eingegangen. Seine Besucher empfängt der 53-Jährige gerne in kurzer Hose – seinem Markenzeichen. Browne liebt Uniformen, die er dann aber ironisch verändert. Mit seinem speziellen Büro-Uniform-Look hat das nach ihm benannte Modelabel eine große, meist junge Fangemeinde erschlossen, die ihm fast sektenartig folgt.

Diese beiden Welten kommen nun zusammen: Ermenegildo Zegna übernimmt 85 Prozent von Thom Browne. Dabei hat Zegna das amerikanische Label mit 500 Millionen Dollar bewertet, also rund 430 Millionen Euro. Für den italienischen Firmenchef, der schon seit Längerem auf der Suche nach Zukäufen war, ist der Einstieg bei Thom Browne die Chance, sein Traditionshaus zu verjüngen. Die US-Marke komme gut bei Menschen „mit einer Millennial-Einstellung“ an, sagte Zegna. Also nicht nur die Jungen, sondern all jene, die ähnlich denken.

Wie andere Modehäuser in Familienhand muss auch Zegna die Weichen für die Zukunft stellen. Um auf den vielen verschiedenen Märkten in der Welt präsent zu sein, braucht es Größe und Kapital. Viele Marken schlüpfen deshalb unter das Dach von Luxus-Holdings wie LVMH oder Kering. Andere holen sich Finanzinvestoren an Bord.

In einem Interview mit dem Handelsblatt hatte Zegna auf die Frage, ob er selbst unter das Dach einer der großen Luxusgruppen schlüpfen will, kurz und bündig geantwortet: „Für uns ist das keine Option.“ Sein Unternehmen sei „stark genug, um weiter aus eigener Kraft zu wachsen“. Mit Thom Browne tritt er nun den Beweis an.

Zegna hat bereits vor zwei Jahren begonnen, den 1912 gegründeten, ursprünglich reinen Stoffhersteller aus dem norditalienischen Trivero umzubauen. Ihm ist es auch wichtig klarzumachen, dass Zegna kein reines Anzuglabel mehr ist, sondern eine Lifestyle-Marke. Dazu hat er seinerzeit die junge Linie ZZegna gegründet. Und das will er auch mit der Akquisition von Thom Browne erreichen.

Armando Branchini, Präsident der Mailänder Luxusberatung Inter-Corporate ist überzeugt, dass beide Seiten von dem Zusammenschluss profitieren. „Thom Browne kann damit sein Geschäft robuster aufstellen mit einer industriellen Struktur und einem Vertrieb, in dem Zegna ein Meister ist.“ Außerdem könne Browne, der bisher vor allem auf dem US-Markt präsent ist, dank Zegna weltweit schneller wachsen.

Neue Multi-Marken-Gruppe

Zegna dagegen könnte seine Stellung in der „zeitgenössischen Herrenmode“ stärken und seinen Marktanteil in den USA ausbauen, betont Branchini. „Für Zegna ist das auch die Möglichkeit, den Grundstein für eine in‧dustriebasierte Multimarken-Herrenmode-Gruppe zu legen“ – also eine Markengruppe, die nicht wie etwa LVMH hauptsächlich auf einer finanziellen Logik basiere. „Zegna hat eine zutiefst industriebasierte DNA“, sagt Branchini.

Tatsächlich ist Zegna als Stoffhersteller im norditalienischen Biella entstanden und nicht als Label um das Genie eines Designers. Noch heute kontrolliert Zegna fast die gesamte Wertschöpfungskette – bis hin zu den Schafen in Australien.

Die Kreativität holt sich Zegna stets von außen. Der vor zwei Jahren geholte Kreativdirektor Alessandro Sartori sorgte zuletzt für ein jüngeres Image der Kollektion und gibt Freizeitkleidung wie etwa Blousons oder Sneakern mehr Raum. Außerdem kümmert er sich um eine neue Optik der Läden und eine modernere Imagekampagne.

Mit der Übernahme von Thom Browne will Gildo Zegna, der das Unternehmen zusammen mit seinem Cousin Paolo Zegna als Chairman führt, weiter wachsen. So wollen die beiden die Zukunft eines der wenigen größeren Familienunternehmen Italiens für Herren-Luxusmode in der dritten Generation sichern.

Gildo Zegna startete seine Karriere gleich nach seinem Abschluss in Wirtschaft an der Universität London und seinem Studium an der Harvard Business School 1982 in der Zegna-Gruppe. Nach verschiedenen Managementfunktionen rückte er bereits 1997 als CEO an die Spitze des Unternehmens, das zuletzt mit 7000 Mitarbeitern und 530 Boutiquen in mehr als 100 Ländern einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro erzielte. Hinzu kommt nun noch der Umsatz von mehr als 120 Millionen Dollar von Thom Browne und dessen 31 Boutiquen.

„Mein Ziel ist es, Thom Browne unabhängig zu lassen“, sagte Zegna. „Es ist ein gutes Unternehmen, eine gute Organisation, ein gutes Geschäft und profitabel.“ Die Italiener werden nur helfen und unterstützen, machte Zegna klar.

Michelle Obama ist Kundin

Thom Browne, dessen Mantel die ehemalige First Lady Michelle Obama bei der Amtseinführung des US-Präsidenten trug, bleibt als Kreativdirektor an Bord. Auch der CEO Rodrigo Bazan, den Browne vor zwei Jahren von Alexander Wang holte, soll bleiben.

Der ehemalige Leistungsschwimmer Browne hat wie Zegna Wirtschaft studiert. Nach einem kurzen Versuch als Schauspieler ist er einst über einen Verkäuferjob bei Armani in die Modewelt gekommen. „Ich mag es, etwas Alltägliches, augenscheinlich Uninteressantes zu nehmen und daraus etwas Interessantes zu machen“, erklärte er in einem Handelsblatt-Interview seine Philosophie. Privat ist Browne mit dem Kurator des Metropolitan Museums, Andrew Bolton, liiert und hat großen Respekt vor der Kunstwelt.

Zuletzt hatte sich Browne den Finanzinvestor Sandbridge Capital als Mehrheitseigner an Bord geholt, um sein Wachstum zu finanzieren. Der verkauft nun alle Anteile an Zegna. Damit hat Browne nun einen Eigentümer vom Fach, der nicht zwangsläufig eine Exit-Strategie in ein paar Jahren sucht, sondern eine Zusammenarbeit für beide Seiten.

Wie Zegna ist auch Browne ein Fanatiker hoher handwerklicher Qualität. Deshalb lässt er schon heute den Großteil seiner Kollektionen in Europa fertigen. Mit Zegna sitzt er nun direkt an der Quelle.

Die Integration der Marke Thom Browne bringt für den CEO Gildo Zegna viel zusätzliche Arbeit. Aber das wird ihn nicht davon abhalten, sich weiter für andere Themen zu engagieren, die ihm und seiner Familie wichtig sind – wie Natur und Umwelt. Mit dem Engagement hatte schon der Großvater begonnen. In den 1990er-Jahren legte der Enkel dann den Naturpark Oasi Zegna an, „obwohl er finanziell gesehen ein Verlustgeschäft für uns ist“, wie der CEO einmal einräumte.

Ein Verlustgeschäft darf die neue US-Marke allerdings nicht werden. Bisher sieht es nicht danach aus.

Startseite

Mehr zu: Modefusion - Italienische Eleganz trifft Schrumpf-Look – Zegna übernimmt Thom Browne

0 Kommentare zu "Modefusion: Italienische Eleganz trifft Schrumpf-Look – Zegna übernimmt Thom Browne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%