Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Modehändler Berliner Datenschutzbehörde fordert Zalando auf, Mitarbeiter-Software auszusetzen

Die Berliner Datenschutzbehörde prüft die als „Stasi-Methode“ kritisierte Software, die Zalando zu Bewertung seiner Mitarbeiter nutzt. Sie muss nun entscheiden, ob Zonar gesetzeskonform ist.
Update: 26.11.2019 - 20:39 Uhr Kommentieren
Nach Unternehmensangaben nutzen 5000 der 14.000 Zalando-Beschäftigten die Software. Quelle: Reuters
Modehändler Zalando

Nach Unternehmensangaben nutzen 5000 der 14.000 Zalando-Beschäftigten die Software.

(Foto: Reuters)

Berlin Die Berliner Datenschutzbehörde prüft eine Software des Modehändlers Zalando zur Beurteilung der eigenen Mitarbeiter. Die Behörde hat Zalando der „Süddeutscher Zeitung“ zufolge empfohlen, bis zum Abschluss der Prüfung auf den Einsatz des Programms zu verzichten. Das Unternehmen habe die Behörde in der vergangenen Woche selbst auf das Zonar genannte Programm hingewiesen, sagte ein Sprecher von Zalando.

Bei Zonar handelt es sich laut Unternehmen um eine Form des sogenannten 360-Grad-Feedbacks, bei dem über eine Software zur Beurteilung der insgesamt 500 Mitarbeiter auch Stimmen der Kollegen eingeholt würden. Zalando ruft dabei seine Mitarbeiter auf, andere Kollegen zu bewerten. Dies sei in vielen Branchen und Unternehmen ein längst übliches Vorgehen, um beispielsweise über Beförderungen zu entscheiden, sagte eine Sprecherin. Laut „Süddeutscher Zeitung“ spricht Zalando von einem „berechtigten Interesse an Leistungskontrolle“.

In der vorigen Woche hatte die Gewerkschaft Verdi die Software öffentlich als arbeitnehmerfeindlich und datenschutzrechtlich problematisch kritisiert. Zonar belaste das Betriebsklima und führe dazu, dass Leistung permanent kontrolliert und Löhne willkürlich festgelegt würden, hieß es.

Bei der Kritik berief sich Verdi auf eine Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, über die die „Süddeutsche Zeitung“ zunächst berichtet hatte. Die wissenschaftliche Untersuchung basiert vor allem auf anonymisierten Gesprächen mit Zalando-Mitarbeitern.

Sie kommt zu einem vernichtenden Schluss: „Das System ist mit hohem Aufwand verbunden und erzeugt zahlreiche nicht intendierte Effekte wie eine Verschlechterung des Betriebsklimas, Stress und psychologische Belastungen auf Seiten der Beschäftigten, Bummelstreiks und andere Praktiken des verdeckten Widerstandes sowie das willentliche Ausscheiden einzelner Arbeitnehmer_innen aus dem Unternehmen.“

All das seien letztlich Faktoren, die der Produktivität der Mitarbeiter schaden: „Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass Zonar einen nicht zu vernachlässigenden Teil ihrer Arbeitszeit verschlingt und sich dagegen die daraus resultierenden Erträge des Systems, im Sinne von Effizienzgewinnen, kaum messen lassen“, heißt es in der Untersuchung.

Auch die zitierten Auszüge aus den Mitarbeiter-Gesprächen sind meist negativ. Demnach empfinden einige das Vorgehen als „Stasi-Methode“. Mildere Kritik ist beispielsweise der Punkt, das System sei anfällig für Seilschaften und erzeuge gezielt mittelmäßige bis schlechte Beurteilungen.

Zalando wies die dort präsentierten Ergebnisse zurück. Die Studie sei nicht repräsentativ und enthalte Fehler. Nach Unternehmensangaben nutzen 5000 der 14.000 Beschäftigten Zonar. Datenschutzrechtliche Anforderungen würden dabei eingehalten. Zonar entspreche den gesetzlichen Anforderungen gemäß der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Zudem würden zwei Drittel der Beschäftigten die Firma als guten Arbeitgeber weiterempfehlen.

Bei der Prüfung der Software stehe die Datenschutzbehörde nun ganz am Anfang, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Es müsse noch entschieden werden, ob sich Mitarbeiter auch vor Ort ein eigenes Bild machen werden. Sollten die Berliner Datenschützer zu dem Schluss kommen, dass das Programm nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht, können sie den Einsatz verbieten. Wie lange die Untersuchung andauern wird, war zunächst offen.

Mehr: Der Modehändler Zalando ruft seine Mitarbeiter dazu auf, sich gegenseitig zu bewerten. Diese Einstufungen bringen laut einer Untersuchung viel Aufwand – und sorgen für Frust.

Der Handelsblatt Expertencall
  • dpa
  • cuk
  • ll
Startseite

Mehr zu: Modehändler - Berliner Datenschutzbehörde fordert Zalando auf, Mitarbeiter-Software auszusetzen

0 Kommentare zu "Modehändler: Berliner Datenschutzbehörde fordert Zalando auf, Mitarbeiter-Software auszusetzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.