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Modehändler Der Wandel zum grünen Modehändler wird für Zalando schwierig

Die Modeplattform steigert ihren Umsatz im dritten Quartal kräftig. Die angekündigte Wende zu einem nachhaltigen Unternehmen birgt aber Risiken.
Update: 31.10.2019 - 09:36 Uhr Kommentieren
Das Unternehmen will das sogenannte Bruttowarenvolumen, also alle die auf der Plattform abgewickelten Einkäufe, bis 2023/24 von 6,6 auf 20 Milliarden Euro steigern. Quelle: Reuters
Zalando-Pakete

Das Unternehmen will das sogenannte Bruttowarenvolumen, also alle die auf der Plattform abgewickelten Einkäufe, bis 2023/24 von 6,6 auf 20 Milliarden Euro steigern.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Finanzchef David Schröder ist vor dem Jahresendspurt mit „Cyber Week“ und Weihnachtsgeschäft froh über die Zahlen des dritten Quartals: Zalando hat sein Geschäft deutlich gesteigert. Der Bruttoumsatz aller über die Berliner Plattform verkauften Schuhe, T-Shirts, Accessoires und Beautyprodukte stieg gegenüber dem Vorjahr um 24,6 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Er liegt damit am oberen Rand des für dieses Jahr angekündigten Wachstumskorridors von 20 bis 25 Prozent.

Auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich deutlich von minus 38,9 auf plus 6,3 Millionen Euro, wie Zalando am Donnerstag bekanntgab. Allerdings stand unter dem Strich ein Nettoverlust von 13,6 Millionen Euro.

Die inzwischen 29,5 Millionen Kunden kaufen auch etwas häufiger bei Zalando ein. Erstmals in seiner Geschichte verzeichnete das Unternehmen zudem mehr als eine Milliarde Seitenbesuche, ein Plus von 37,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber der Wert der durchschnittlichen Bestellung ist im dritten Quartal erneut gesunken: von 57,7 auf nur noch 56,6 Euro.

Finanzvorstand David Schröder zeigt sich am Donnerstag dennoch mit den Quartalszahlen insgesamt zufrieden. „Das Jahr ist bisher sehr erfolgreich verlaufen. Unser Geschäft wächst in allen Regionen stark. Diesen Schwung wollen wir mit ins vierte Quartal nehmen.“

Damit liegt Zalando zunächst weiter im Plan, um seine Langfristziele zu erreichen. So will Zalando das sogenannte Bruttowarenvolumen, also alle die auf der Plattform abgewickelten Einkäufe, bis 2023/24 von 6,6 auf 20 Milliarden Euro steigern. Dieses Vorhaben wird aber noch anspruchsvoller als bisher gedacht. Denn CO-Vorstandschef Rubin Ritter hat an diesem Mittwoch in der Firmenzentrale in Berlin die neue Nachhaltigkeitsstrategie bekanntgegeben. Und die ist anspruchsvoll.

Dazu gehört es auch, bis 2023 mehr nachhaltigere Kleidung zu verkaufen. „Wir wollen 20 Prozent unseres Bruttowarenvolumens mit nachhaltigen Produkten erzielen“, sagte er auf einer Veranstaltung, auf der er und seine Kollegen die neue Strategie vorstellten. Das wäre dann ein Umsatz von vier Milliarden Euro. Heute sind es erst 260 Millionen Euro. Er geht davon aus, dass er trotz der neuen Strategie seine Langfristziele halten kann.

Den Strategieschwenk zu mehr nachhaltiger Kleidung, Müllvermeidung und der CO2-Neutralität begründete Ritter mit einem persönlichen Erlebnis an den Weihnachtstagen im vergangenen Jahr. „Ich habe einen Test gemacht, wie viel CO2 ich im Jahr produziere und kam auf 40 Tonnen. Das ist deutlich mehr als die zwölf Tonnen, die ein durchschnittlicher Europäer hinterlässt“, erzählte Ritter offen der versammelten Presse. „Ich sah, dass ich mein Leben grundsätzlich ändern muss.“

André Reichel, Professor für Nachhaltigkeit an der ISM in Stuttgart, macht aber klar, dass es mit etwas grüner Kosmetik nicht getan ist. „Wir müssen das ganze System der Modebranche ändern. Da geht es nicht mehr nur darum, dass die Unternehmen wirtschaftliche Ziele erreichen, sondern auch ökologische und soziale.“

Zalando kann es nicht alleine schaffen

Der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit werde einen gewaltigen Umbruch der Industrie bedeuten. „Wenn viele Kunden künftig weniger Kleidung kaufen, können die Unternehmen das zum Beispiel durch den Verkauf von teurerer Kleidung ausgleichen.“ Er kann sich auch vorstellen, dass Modeunternehmen künftig mehr Geld mit Dienstleistungen verdienen.

Kate Heiny, Direktorin für Nachhaltigkeit bei Zalando, machte sich dafür stark, den Wandel mit Augenmaß zu betreiben. „Wir müssen trotzdem die Wünsche unserer Kunden treffen.“ Das heiße zum Beispiel: Nicht alle Kunden wollen und können teurere nachhaltige Kleidung kaufen. Zalando könne mehr Nachhaltigkeit auch nicht alleine schaffen. „Wir müssen alle am Modegeschäft Beteiligten zusammenbringen, um die CO2-Emission zu verringern“, sagte sie.

Marianella Cervi, Nachhaltigkeitschefin von Timberland in Europa, macht dem Zalando-Management Mut, den Wandel zu beginnen. „Am Anfang muss noch nicht alles perfekt sein, aber die Richtung muss stimmen“, sagte sie und verwies darauf, dass der Prozess bei Timberland auch mehrere Jahre gedauert habe.

Aber Reichel von der ISM in Stuttgart macht klar, dass der Umbau der Modebranche zu mehr Nachhaltigkeit bedeuten kann, dass ein Teil der Konsumenten künftig weniger Kleidung kauft. Er erwartet deshalb, „dass es eine Konsolidierung in der Branche geben wird“.

Zalando muss wie alle großen Unternehmen aus der Onlinebranche vor allem die Umweltbelastung durch die vielen Paketlieferungen verringern. Eine wichtige Rolle spielen dabei die vielen Retouren. Jede zweite Lieferung wird wieder zurückgeschickt – davon ein Drittel, weil die Größe nicht stimmt. Stacia Carr, die das Team Size & Fit bei Zalando leitet, will „noch mehr Künstliche Intelligenz einsetzen, um besser passende Kleidung zu liefern und so die Retourenquote zu senken“.

Außerdem versucht Zalando, immer mehr Lieferungen an die Kunden in einem Paket zu bündeln, um die Umweltbelastung zu verringern. Carsten Keller, bei Zalando für den sogenannten Connected Retail zuständig, will noch mehr Pakete über angeschlossene Handelspartner liefern lassen. „Wenn die Händler das Teil vorrätig haben, kann er es schneller und direkter an den Kunden liefern, als wenn wir es aus einem weit entfernten Lager schicken.“

Mehr Kunden für Zalando Plus

Inzwischen arbeitet Zalando schon mit 1500 stationären Händlern zusammen. Auch sie sollen dazu beitragen, dass Zalando seinen CO2-Ausstoß weiter verringern kann. Das alles wird aber nicht reichen. Da ist auch ein Umdenken der Kunden notwendig. „Aber es gibt auch Kunden, die trotz möglicher Umweltbelastungen nicht auf die Lieferung am gleichen oder nächsten Tag verzichten will“, sagte Carsten Keller. Und die will Zalando nicht verlieren.

Der Schwenk von Zalando zu einem nachhaltigeren Unternehmen werde das Wachstum nicht belasten, zeigte sich Finanzchef Schröder am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zuversichtlich. „Ich rechne nicht mit einem größeren Einfluss auf unsere Geschäftszahlen in diesem und im nächsten Jahr“, sagte Schröder.

Das Beauty-Geschäft, das Zalando im Frühjahr vergangenen Jahres startete, ist zwar noch klein, aber es bringt offensichtlich die gewünschten Effekte. „Die meisten Beauty-Produkte werden zusammen mit Textilien gekauft“, sagte der Finanzchef. Umsatzzahlen zu der neuen Sparte nennt Zalando nach wie vor nicht.

Immer mehr Kunden nutzen den Service von Zalando Plus. „In Deutschland entfallen schon zehn Prozent des Bruttoumsatzes auf unserer Plattform auf Zalando-Plus-Kunden“, so Schröder. Für 15 Euro Jahresbeitrag verspricht das Unternehmen den Kunden , dass ihre Bestellung noch am selben oder am folgenden Tag geliefert wird. Außerdem gibt es Stilberatung und besondere Rabattaktionen.

Der Anfang des Jahres in Deutschland eingeführte Service ist eine Reaktion auf Amazon Prime, mit dem der US-Konzern seinen Kunden eine schnelle Lieferung und ein großes Filmprogramm bietet.

Mehr: Zalando soll grüner werden: Das Online-Modehaus will massiv wachsen – sich aber gleichzeitig zu einem nachhaltigen Konzern wandeln.

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