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Modekonzern Chefwechsel bei Hugo Boss: Daniel Grieder ersetzt Mark Langer

Der ehemalige Chef der Marke Tommy Hilfiger soll künftig Hugo Boss führen. Daniel Grieder soll ab Juni 2021 an die Spitze des Modekonzerns rücken.
16.06.2020 - 20:11 Uhr Kommentieren
Daniel Grieder holte Hilfiger, das auch mit seinen Farben Rot, Weiß und Blau wie wenig andere für amerikanischen Lebensstil steht, nach Europa: Quelle: dpa
Der neue Chef

Daniel Grieder holte Hilfiger, das auch mit seinen Farben Rot, Weiß und Blau wie wenig andere für amerikanischen Lebensstil steht, nach Europa:

(Foto: dpa)

Metzingen Der Modekonzern Hugo Boss hat die Nachfolge an der Konzernspitze geregelt. Wie das im MDax gelistete Unternehmen am Mittwoch in Metzingen mitteilte, wird Daniel Grieder mit Wirkung zum 1. Juni 2021 die Nachfolge von Mark Langer antreten, der zum 30. September 2020 aus dem Unternehmen ausscheidet. Für die Übergangszeit soll Finanzvorstand Yves Müller das Amt des Vorstandssprechers mit übernehmen.

Der Abschied von Langer, über den laut damaliger Mitteilung in gegenseitigem Einvernehmen entschieden wurde, ist bereits seit März bekannt. Den Kontakt zum Ex-Tommy-Hilfiger-Chef Grieder hatte Hugo Boss bereits Anfang Juni bestätigt. Anleger reagierten am Dienstag im nachbörslichen Handel dennoch erfreut auf die Entscheidung. Die Papiere rückten auf der Handelsplattform Tradegate gegenüber ihrem Xetra-Schlusskurs um 3,1 Prozent vor.

Grieder galt als Favorit auf den Posten. Erst vor etwa zwei Wochen hatte der 58-Jährige seinen Rücktritt als Chef von Tommy Hilfiger angekündigt. „Ich weiß noch nicht, was ich tun werde, aber ich suche nach einer stärker unternehmerischen Aufgabe, wo ich investieren kann“, sagte der Schweizer damals. Nun ist klar, wo die Reise hingeht.

„Ich fühle mich bereit, ich fühle mich stark, ich fühle mich voller Energie und Tatendrang und ich bin bereit, in der Zukunft etwas zu tun, bei dem ich meinen unternehmerischen Geist einbringen kann, egal, was ich mache“, hatte Grieder Anfang Juni gesagt.

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    Energie wird er brauchen, wenn er Hugo Boss wieder auf Erfolgskurs bringen will. Durch eine zu schnelle Expansion und eine verfehlte Markenstrategie hatte das deutsche Modehaus seine Marke verwässert und war in Probleme geraten. Seit 2016 hatte Mark Langer versucht, die Marke neu auszurichten. Er schloss unrentable Läden und setzte weniger auf Sonderangebote, während er gleichzeitig die Digitalisierung vorantrieb.

    Dieser Umbau kostete jedoch viel Geld, im vergangenen Jahr musste der Konzern zweimal seine Prognose senken. In diesem Jahr macht außerdem noch die Coronakrise der gesamten Luxusbranche zu schaffen. Im ersten Quartal war Hugo Boss in die roten Zahlen gerutscht.

    Grieder holte Hilfiger nach Europa

    Daniel Grieder hat bereits bewiesen, dass er weiß, wie man mit gehobenen Marken umgeht. Unter seiner Führung hat Tommy Hilfiger Global & PVH Europe, zu dem auch die Marke Calvin Klein gehört, den Umsatz zwischen 2014 und 2019 von sechs Milliarden auf neun Milliarden Dollar gesteigert. Aber auch in den Jahren zuvor hat er wesentlich zum Erfolg von Hilfiger beigetragen.

    Schon in jungen Jahren hat er sich für die Modewelt interessiert. Nach seinem Studium hatte er zunächst ein eigenes Unternehmen gegründet, mit dem er zu Beginn Leder aus der Türkei verkaufte und später auch Modeschmuck. Mit einer eigenen Modeagentur entdeckte er in den 90er-Jahren die Marke Hilfiger in den USA und überzeugte das Unternehmen, die amerikanische Marke in der Schweiz und in Österreich zu vertreten. Schon bald nahm er auch für ganz Europa das Heft in die Hand, als die Marke in den USA kriselte und er die Fehler in Europa nicht wiederholen wollte.

    Grieder holte Hilfiger, das auch mit seinen Farben Rot, Weiß und Blau wie wenig andere für amerikanischen Lebensstil steht, nach Europa: Zunächst brachte er nur das Designteam nach Amsterdam und europäisierte auch sonst den Auftritt der Marke auf dem Kontinent. Dazu gehörte ein diskreteres Logo und ein exklusiverer Vertrieb. Damit spielte Hilfiger in Europa im Premiumsegment, während die Marke in den USA bereits ins Massensegment abgerutscht war.

    2005 folgte mithilfe eines Finanzinvestors ein Management-Buy-out, an dem Grieder beteiligt war. Tommy Hilfiger wurde von der Börse genommen und der Sitz nach Amsterdam verlegt, wo Grieder zum Europachef aufstieg, bevor er 2014, nach dem Weiterverkauf an die Phillips-van-Heusen-Gruppe, Konzernchef wurde. Der Schweizer digitalisierte das Unternehmen und führte bei den Modeschauen als einer der Ersten „See now, buy now“ ein: Kunden, die den Catwalk verfolgen, können noch während der Schau die Kleider ordern.

    An Tatendrang würde es Grieder wohl auch bei Hugo Boss nicht mangeln. Wie er seine Idee realisieren will, auch als Investor und Unternehmer tätig zu sein, ist wahrscheinlich Verhandlungssache.

    Mit Agenturmaterial

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