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Modekonzern Gerry-Weber-Vorstandschef Ralf Weber wechselt in den Aufsichtsrat

Das Traditionsunternehmen aus Nordrhein-Westfalen stellt sich neu auf – und bekommt einen neuen Chef. Der Vorstand wird um einen neuen Posten erweitert.
Update: 02.10.2018 - 23:15 Uhr Kommentieren
Der Sohn des Firmengründers Gerhard Weber wechselt in den Aufsichtsrat des Konzerns. Quelle: dpa
Ralf Weber

Der Sohn des Firmengründers Gerhard Weber wechselt in den Aufsichtsrat des Konzerns.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Modehersteller Gerry Weber hat einen Umbau des Vorstands und die Neuausrichtung des Unternehmens beschlossen, teilte der Konzern am Dienstagnachmittag per Ad-Hoc-Mitteilung mit. So wird der Vorstandsvorsitzende Ralf Weber auf eigenen Wunsch Ende Oktober von seinem Mandat entbunden und wechselt in den Aufsichtsrat des Konzerns.

„Mit Ralf Weber werden wir im Vorstand einen Unternehmer mit Herz und hoher emotionaler Bindung an Gerry Weber und die gesamte Region verlieren“, kommentierte Ernst F. Schröder, Vorsitzender des Gerry-Weber-Aufsichtsrates. Er habe „in einer sehr schwierigen Zeit große Verantwortung übernommen“, so Schröder weiter. Vorstandssprecher wird nun der bisherige Vertriebschef Johannes Ehling, der bislang auch für die Digitalisierung im Konzern zuständig war.

Neu in den Vorstand rückt Florian Frank auf. Dieser soll die Hauptverantwortung für die Restrukturierung des Unternehmens übernehmen. Damit wird der Vorstand um einen neuen Posten erweitert. Frank war zuvor bei verschiedenen Unternehmensberatungen tätig gewesen. Seine Berufung ist bis zum 31. Dezember 2019 befristet.

Der Modekonzern aus Nordrhein-Westfalen kämpft seit mehreren Jahren mit sinkenden Gewinnen – entsprechend empfindlich reagieren die Aktionäre auf Nachrichten aus dem Konzern.

Erst in der vergangenen Woche brach die Aktie des Unternehmens binnen eines Tages um rund 20 Prozent ein, als Gerry Weber bekannt gab, externe Hilfe bei der Sanierung in Anspruch nehmen zu wollen. Dabei soll die Zukunftsfähigkeit des Konzerns beleuchtet werden. Das Gutachten soll bis Mitte Oktober vorliegen.

Auch die jüngsten Geschäftszahlen sorgen für wenig Freude. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres sank der Umsatz um 11,4 Prozent auf 170 Millionen Euro. Das Ebitda, das Ergebnis vor Berücksichtigung von Zinsen, Steuern und Abschreibungen, brach massiv von plus 6,1 Millionen Euro auf minus 1,3 Millionen ein.

Ob der anstehende Konzernumbau bei den Anlegern gut ankommt, wird sich am Donnerstag zeigen – dann wird die Gerry-Weber-Aktie wieder gehandelt. Momentan steht sie bei 2,68 Euro. Allein seit Jahresbeginn hat das Papier 71 Prozent verloren. Noch bedrückender fällt der Blick auf die jüngere Vergangenheit aus: Zu ihren Glanzzeiten im Jahr 2014 kostete ein Anteilsschein des Traditionsunternehmens rund 39 Euro.

Gerry Weber ist nicht jung genug

Ralf Weber hatte es seit seinem Amtsantritt als Vorstandschef im Februar 2015 schwer. Sein Vater und Unternehmensgründer Gerhard Weber hatte nach vielen Erfolgsjahren die Zahl der Filialen und die Verkaufspunkte im Großhandel zu stark ausgebaut. Die Damenmode der Marke aus Halle in Westfalen gab es in Deutschland an jeder Ecke. Ein Teil der Filialen war nicht profitabel.

Weber versuchte zwar die Probleme der Hauptmarke durch den Kauf der jüngeren Modekette Hall Huber auszugleichen, was ihm auch zum Teil gelang. Außerdem legte er das Effizienzprogramm Fit4growth auf. Doch das reichte nicht aus, um den Konzern nachhaltig wie auf einen profitablen Kurs zu bringen. Deshalb musste er ein weiteres Sanierungsprogramm auf Druck des Aufsichtsrats nachlegen.

Außerdem hatte es schon sein Vater in seinen letzten Jahren an der Vorstandsspitze versäumt, die Marke zu verjüngen. So blieben immer mehr Kunden aus der Altersklasse 60 plus weg. Weil sich auch die jungen Senioren inzwischen wesentlich jünger kleiden als früher.

Darüber hinaus wuchs die Konkurrenz durch günstigere Marken wie Zara vom spanischen Inditex-Konzern oder durch Ketten wie Orsay. Auch Filialisten wie TK Maxx oder Saks off 5th sorgen mit ihren Dauerrabatten auf Markenware für zusätzliche Konkurrenz. Gerry Weber hat es in den vergangenen Jahren versäumt, sein Markenprofil zu schärfen, um sich gegen die vielen neuen oder wachsenden Konkurrenten abzugrenzen.

Außerdem ist die Lage auch finanziell angespannt. So werden laut „Textilwirtschaft“ im November zwei Tranchen für Schuldscheindarlehen fällig: eine fixe Tranche von 23,5 Millionen Euro und eine variable in Höhe von 7,5 Millionen Euro. In der Konzernbilanz für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres hatte Gerry Weber aber nur liquide Mittel in Höhe von rund 20 Millionen Euro angegeben.

Der neue Vorstandssprecher Johannes Ehling, der von der Kette Ernsting's Family kommt, hat also keine leichte Aufgabe. Er muss die Sanierung schnell vorantreiben, um den Modekonzern wieder auf Kurs zu bringen. Dabei sitzt ihm Ralf Weber als Vertreter des Hauptaktionärs im Nacken. Er kontrolliert zusammen mit seinem Vater 33,5 Prozent der Aktien.

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