Modekonzern Hugo Boss schwächelt im Online-Geschäft

Mit einem „konsequenten Kostenmanagement“ will Hugo Boss die Krise in der Bekleidungsindustrie durchstehen. Zumindest im ersten Quartal scheint das zu funktionieren. Doch das Online-Geschäft läuft immer noch nicht.
Update: 03.05.2017 - 11:39 Uhr Kommentieren
Ein Strategiewechsel soll beim Modehersteller den Umsatz wieder ankurbeln. Quelle: Reuters
Hugo Boss

Ein Strategiewechsel soll beim Modehersteller den Umsatz wieder ankurbeln.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Botschaft von Mark Langer an seine Aktionäre klingt nicht gerade spannend. Der Vorstandschef von Hugo Boss fasste die Ergebnisse des ersten Quartals in einer Telefonkonferenz am Mittwochmorgen mit dem Wort „solide“ zusammen. „Solide Fortschritte bei der Neuausrichtung“ des Modekonzerns und „solide Zahlen“. Das bedeutet: Der Umsatz stieg währungsbereinigt um ein Prozent auf 651 Millionen Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) – vor Sondereffekten – um vier Prozent. Die Börse reagierte wenig begeistert. Die Aktie gab am Morgen mehr als fünf Prozent auf 65,61 Euro nach.

Langer, der im Mai vergangenen Jahres an die Vorstandsspitze rückte, betonte, dass Boss „in einem schwierigen Umfeld gewachsen ist“. Er meinte damit die sinkende Frequenz in den Fußgängerzonen der Städte und die Rabattschlachten in der Modebranche.

Doch Langer räumte auch ein, dass er noch eine lange Aufgabenliste abarbeiten muss. Insbesondere im Online-Geschäft läuft es schlecht – also da, wo andere Marken und Einzelhändler wachsen. So ist der Umsatz im E-Commerce im ersten Quartal um 27 Prozent eingebrochen. „Es hat sich gerächt, dass wir stark auf teure und hochwertige Produkte gesetzt haben“, räumt Langer Fehler ein. So kamen deutlich weniger Besucher zum Online-Shop und die kauften auch noch weniger ein. Deshalb will er künftig mehr günstigere Anzüge und Freizeitmode zu sogenannten Einstiegspreisen anbieten und das Marketing sowie den gesamten Auftritt verbessern. Denn noch ist der Anteil des Online-Umsatzes am gesamten Einzelhandelsgeschäft (371 Millionen Euro) von Boss mit fünf Prozent sehr gering.

Der Vorstandschef setzt beim künftigen Wachstum stark auf die Marke Hugo Boss. Sie steht für mehr Freizeitmode und Anzüge für jüngere Kunden, die 30 Prozent unter dem Preisniveau der Kernmarke Boss liegen soll. Um die Linie Hugo Boss zu stärken, investiert Langer in eine eigene Modenschau auf der Pitti Immagine Uomo in Florenz im kommenden Juli. Das gab es in den vergangenen Jahren nicht. Da präsentierte der Herrenschneider aus Metzingen nur seine Hauptmarke Boss auf der Fashion Week in New York.

Langer muss viele Probleme lösen, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. So war Claus-Dietrich Lahrs viele Jahre sehr erfolgreich. Aber er legte ein zu hohes Expansionstempo vor. Er eröffnete zu viele Läden und versuchte, Boss im Luxusmarkt zu positionieren. Doch das funktionierte nicht, und Lahrs musste Anfang 2016 abtreten, weil er seine ehrgeizigen Prognosen nicht halten konnte. Langer räumt nun auf: Er trennt sich von unprofitablen Filialen, senkt Kosten, verabschiedet sich von Großhandelspartnern in den USA und konzentriert das Geschäft nur noch auf die beiden Marken Boss und Hugo Boss. Untermarken wie Boss Green und Boss Orange verschwinden. Zudem verabschiedet sich Langer von den Plänen, aus Boss eine Luxusmarke zu machen.

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
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Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
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Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
3 von 10

Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
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Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
5 von 10

Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
6 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Doch das Umsteuern kostet Zeit. So schrumpft das Geschäft in den USA nicht mehr mit zweistelligen Prozentsätzen, seit Langer sich von Händlern getrennt hat, die die Ware verramscht haben. Dennoch ging das Geschäft im ersten Quartal noch um sieben Prozent zurück. Besser läuft es in Asien, wo Boss die Preise für Anzüge dem Niveau in Europa angepasst, also gesenkt hat. „Vor allem in Europa und Asien entwickeln wir uns positiv“, betonte Langer.

Alles kommt nun auf die neuen Kollektionen an, mit denen Langer die neue strategische Ausrichtung der beiden Marken schaffen will. Er wird sie in den kommenden Wochen den Handelspartnern vorstellen. Insgesamt zeigt sich Langer aber inzwischen zuversichtlicher, dass der Konzern im nächsten Jahr wieder nachhaltig profitabel wachsen wird. Als er im März die Zahlen für das vergangene Jahr vorlegte, sagte er, er sei „sehr zuversichtlich“, dieses Ziel zu erreichen. Jetzt sagte er: „Ich bin überzeugt, dass wir nach diesem Jahr der Stabilisierung wieder profitabel und nachhaltig wachsen werden.“ Doch damit das Wirklichkeit wird, muss er seine Aufgabenliste noch in diesem Jahr abarbeiten.

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