Möbel-Trends 2017 Zwischen Retro-Look und Smart Home

Auf der Möbelmesse in Köln stellen 1360 Unternehmen neue Produkte und Trends vor. Dabei zeigt sich: Die eigenen vier Wände als Ruheort gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig werden Haus und Küche immer vernetzter.
Kommentieren

Tische mit Füßen oder doch Retro-Stil? – Das sind die Trends für Küche und Co.

KölnEine Gruppe von Asiaten drängt sich um ein Schlafsofa aus rotem Plüsch. Dessen Lehne geht in einem geschwungenen Boden in ein Halbdach über, ein bläuliches Leuchten unter dem Boden rundet das futuristische Design ab. Die Kameras der Asiaten blitzen, andere Besucher schauen skeptisch. Ziemlich kitschig sieht das Sofa aus. Aber wie man auf der Möbelmesse in Köln lernt: Kitsch ist Kult.

Bis zum 22. Januar zeigt die Einrichtungs- und Möbelbranche auf der IMM in Köln die neuesten Trends. Gerald Klimke vom Polstermöbelhersteller Signet nutzt die Messe, um mit seinem futuristischen Schlafsofa auf sein Unternehmen aufmerksam zu machen. Eigentlich steht Signet für klassische Funktionsmöbel, aber wie der Geschäftsführer verrät: „Einmal im Jahr erlauben wir uns, einen Spaß zu erfinden. Das ist eine wunderbare Möglichkeit für verrückte Werbung.“

1.360 Unternehmen aus 50 Ländern zeigen in Köln ihre Produkte. Ursula Geismann, die Trendexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, hat darunter für 2017 mehrere Trends ausgemacht. Neben Kitsch ist das Bedürfnis nach Ruhe, nach Entschleunigung ein großes Thema. „Die Menschen wollen es sich zuhause schön machen. Tür zu und Ruhe ist eine Art Grundeinstellung“, sagt Geismann.

Die eigenen vier Wände sollen zum Rückzugsort werden, in dem das Smartphone auch mal ausgeschaltet wird. Dabei zeigt sich, dass die Nachfrage nach Klassikern in der Möbelbranche steigt. „Wir haben ein großes Retrothema“, erklärt Grossmann. „Die Leute wollen Möbel, die sie an frühere, gute Zeiten erinnern.“ Möbel im Mid-Century-Design seien beliebt, von den 1940er- bis hin zu den 1970er-Jahren.

Auf diesen Zug ist auch Michael Reß aufgesprungen. Er ist der Geschäftsführer des Unternehmens Schönbuch aus Bayern, das sich auf kreative, funktionale Einrichtungselemente spezialisiert hat. In Köln präsentiert er seinen neuen Barschrank im glänzenden, roten Design. Dabei lassen sich die Seitenwände komplett aufklappen und außen an die Seitenwände anlegen, sodass der Schrank zur offenen Bar wird. Mit 2500 Euro ist der Barschrank allerdings nicht gerade günstig.

Wobei es sich die Deutschen einiges kosten lassen, um ihre eigenen vier Wände zum Rückzugsort zu machen. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Möbel stiegen 2016 auf das Allzeithoch von 412 Euro. Davon profitierte auch der deutsche Möbelhandel, der im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 2,5 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro steigern konnte. Die Branche knackte sogar erstmals die Umsatzmarke von 18 Milliarden Euro.

Warum die Küche das neue Wohnzimmer ist
Plüsch pur
1 von 14

„Einmal im Jahr erlauben wir uns, einen Spaß zu erfinden“, erklärt Gerald Klimke die Entstehungsgeschichte dieser extravaganten Liegemöglichkeit. Die Firma Signet, deren Geschäftsführer und Designer Klimke ist, steht eigentlich für Polstermöbel. Für das Schlafsofa mit dem Namen „Lovers Paradise“ nimmt das Familienunternehmen aus Oberfranken dagegen den Trend zum Plüschigen auf. Kostenpunkt für den Signet-Spaß: 7.000 Euro.

Die Bar kommt zurück
2 von 14

Retromöbel aus den 40er-, 60er- bis hin zu den 70er-Jahren sind angesagt. Und so hat die Firma Schönbuch eine Bar mit cleverer Türkonstruktion entwickelt. „Wir finden, das Thema Bar und Trinkkultur ist stark im Kommen“, sagt der Inhaber Michael Reß. Für 2.500 Euro können interessierte Kunden bei der Förderung mitmachen und der Bar zu einem Comeback verhelfen.

Birkenstock macht jetzt auch Betten
3 von 14

Vor 120 Jahren erfand Birkenstock das Fußbett für Schuhe. Nun haben die Tüftler des Konzerns mit dem österreichischen Hersteller Ada die Ergonomik des Fußbettes auf Betten und Matratzen übertragen. Nach mehr als zweieinhalbjähriger Entwicklungsarbeit kommt das Ergebnis jetzt in den Handel. Günstig ist das aber nicht: Die kompletten Betten mit Matratzen liegen zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

Möbel im Mikrokosmos
4 von 14

Dem kleiner werdenden Wohnraum trägt der Möbelhersteller Germania aus Ostwestfalen Rechnung. Das Familienunternehmen entwickelt innovative Möbel, die mehrere Funktionen gleichzeitig haben. Die Zielgruppe sind etwa Studenten oder Pendler, die unter der Woche in einer Zweitwohnung auf wenigen Quadratmetern leben. Regalsysteme kosten bei Germania zwischen 200 und 400 Euro, den Kleiderschrank gibt es ab 1.500 Euro.

Extremis
5 von 14

Überhaupt scheinen Möbelstücke out zu sein, die nur eine Funktion haben. Zwei sollten es mindestens sein. Bei der belgischen Firma Extremis verwischen die Grenzen zwischen innen und außen. Der Garten soll zu einem vollwertigen Wohnraum im Freien werden – zum Beispiel mit der Liege, die gleichzeitig Sofa ist und über einen Schirm verfügt, der gleichzeitig auch als Lampe dient.

Nachhaltige Lampen
6 von 14

Was man mit Abfallprodukten aus Schlachthäusern alles anfangen kann. Sören Raven Christenssen, Designer beim dänischen Leuchtenhersteller Vita, will nachhaltige Lampen herstellen. Dafür lässt er beispielsweise Gänsefedern zusammennähen, die er aus Schlachthäusern bezieht. In der mittleren Größe kosten die Lampen zwischen 80 und 100 Euro. Dafür gibt es ein sehr warmes Licht.

Die Küche ist das neue Wohnzimmer
7 von 14

Das Leben spielt sich immer mehr in der Küche ab, haben Trendforscher festgestellt. „Wer abends mit seinen Gästen in der Küche sitzt, wechselt in der Regel nicht mehr ins Wohnzimmer“, berichtet Leo Lübke. Mit seiner Firma Cor will er deshalb die Gemütlichkeit des Wohnzimmers in den Essbereich bringen. Das geht am besten durch ein Sofaecke in der Küche.

Die Deutschen investieren also, um sich ihr Zuhause gemütlich zu machen. Dazu gehört unter anderem, dass Wohnzimmer und Küche miteinander verschmelzen. Leo Lübke, Inhaber des Sitzmöbelherstellers Cor, berichtet schmunzelnd: „Wer abends mit seinen Gästen in der Küche sitzt, der wechselt in der Regel nicht mehr ins Wohnzimmer. Da will man aber nicht so protestantisch auf Holzstühlen sitzen.“ Cor stellt deshalb in Köln eine Sofaecke für die Küche vor.

Sollten sich hochwertige Polstermöbel in der Küche durchsetzen, wäre das für die Polstermöbelindustrie eine gute Nachricht. Diese wies 2016 nämlich ein Umsatzminus von vier Prozent aus. Die deutschen Hersteller haben mit dem hohen Lohnkostenanteil zu kämpfen. Diese machen bei Polstermöbeln bis zu 50 Prozent aus, sodass die Konkurrenz aus Billiglohnländern deutlich günstiger produzieren und anbieten kann.

Wie eine Arbeitsplatte zum Tablet wird
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Möbel-Trends 2017 - Zwischen Retro-Look und Smart Home

0 Kommentare zu "Möbel-Trends 2017: Zwischen Retro-Look und Smart Home"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%