Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Möbelhandel Ikea plant einen Wandel und will ins Online-Geschäft einsteigen

Das schwedische Einrichtungskonzern hat das Internet lange Zeit nicht beachtet. Jetzt kommt das große Umdenken. Dabei spielt auch Amazon eine wichtige Rolle.
Update: 13.02.2019 - 15:14 Uhr Kommentieren
Der nächste Schritt ist die Stärkung des Online-Handels. Quelle: AP
Ikea-Möbelhaus

Der nächste Schritt ist die Stärkung des Online-Handels.

(Foto: AP)

HamburgJahrzehntelang war es diese eine Botschaft, die der schwedische Einrichtungskonzern Ikea seinen Kunden eingebläut hat: Die Möbel sind so billig, weil sie ihre Pakete selbst aus dem Lager holen und ihre Möbel zu Hause selbst zusammenschrauben. Der Gedanke, niedrige Preise könnten auch an Pressspan und Einheitsdesign liegen, sollte gar nicht erst aufkommen.

Entsprechend formulierten die schwedischen Möbel-Manager auch ihre Online-Strategie: Wer Lieferungen nach Hause wünschte, musste einen ordentlichen Aufpreis zahlen. Doch das Konzept, das Ikea innerhalb von vier Jahrzehnten allein in Deutschland zu einem jährlichen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro geführt hat, stößt an seine Grenzen.

Jetzt kommt das große Umdenken: Der Chef des Ikea-Markeninhabers Inter Ikea, Torbjorn Loof, will offenbar einen radikalen Neustart des Online-Geschäfts. Die Möbelbranche brauche seiner Forderung zufolge einen Online-Marktplatz, auf dem sich verschiedene Marken präsentieren können – ähnlich wie der digitale Versandhändler Zalando für Mode. Der Manager schließt nicht mal mehr aus, dass Ikea seine eigene Webseite für Drittanbieter öffnet.

Das wäre ein radikaler Schritt: Bislang bietet der Konzern in seinen Möbelhäusern und auf seiner Webseite ausschließlich seine eigenen Produkte an. „Ich denke, in den kommenden fünf bis zehn Jahren werden wir sehen, dass sich so etwas wie eine Plattform entwickelt“, sagte Loof der „Financial Times“ (FT).

Ikea ist schon länger in einer Findungsphase, seitdem sich der schwedische Händler vor drei Jahren von seinem zuvor formulierten Ziel verabschieden musste, bis 2020 den Umsatz auf 50 Milliarden Euro zu steigern.

Online-Möbelhandel. Deutsche Unternehmen wie Home24 und Otto.de müssen sich auf neue Konkurrenz einstellen. Quelle: Kare Design
Ausstellungsraum bei Home24

Online-Möbelhandel. Deutsche Unternehmen wie Home24 und Otto.de müssen sich auf neue Konkurrenz einstellen.

(Foto: Kare Design)

2016 teilten die Söhne des vor einem Jahr verstorbenen Gründers Ingvar Kamprad Ikea neu auf: Ikea lagerte seine gut 40 Fabriken, die zugehörige Logistik, Einkauf und Sortiment in das neu gegründete Unternehmen Inter Ikea aus, während die mehr als 300 eigenen Möbelhäuser bei Ikea Ingka blieben. Ingka steht dabei für den Namen des Gründers Ingvar Kamprad.

38.400 der über 150.000 Mitarbeiter arbeiten seitdem für Inter Ikea unter Loofs. Beide Gruppenteile haben ihren Sitz in den Niederlanden, die vor allem steuerliche Vorteile gegenüber dem Stammland Schweden bieten.

Ikea plant mehrere Strategien für die Umstrukturierung

Zugleich verordnete sich Ikea eine Nachdenkpause: Alle Expansionsprojekte legten die Schweden auf Eis. Lediglich einige kleinere Versuche liefen weiter. In Deutschland experimentiert Ikea mit Abholstationen in den Innenstädten von Leipzig und Ravensburg. Zudem analysierten die Möbel-Manager, weshalb die vor viereinhalb Jahren mit großen Hoffnungen eröffnete Innenstadtfiliale in Hamburg-Altona nicht so gut läuft wie erwartet.

Ende letzten Jahres verkündete der schwedische Konzern erste Ergebnisse der Kreativpause: In den kommenden drei Jahren sollen in 30 Metropolen weltweit neuartige Innenstadthäuser eröffnen. 11.500 neue Arbeitsplätze sollen so entstehen, allerdings auch 7.500 von 160.000 Stellen wegfallen – vor allem in der Verwaltung.

Der nächste Schritt ist die Stärkung des Online-Handels. Zunächst hat Ikea seine Liefergebühren reduziert. Jetzt kündigt Loof die radikaleren Schritte an. Dafür testet er auf einzelnen Märkten, was funktioniert. In der Schweiz etwa soll bis Ende März ein Verleih von Möbeln beginnen. Ein erstes Feld könnten Büromöbel sein, die heute schon häufig von spezialisierten Anbietern zur Miete angeboten werden.

Loof nannte auch Küchen als ein weiteres Beispiel. Dieses Konzept sei zudem eine Ergänzung zu den üblichen Ratenverträgen. Loof kündigte an, Ziel sei, mehrere ausbaufähiges Miet- oder Abo-Modelle zu entwickeln.

Der einstige Einrichtungspionier Ikea ist bei solchen Projekten zum Nachzügler geworden. Dabei macht der Online-Möbelhandel inzwischen nach Angaben der Verbände zwischen zehn und 14 Prozent am knapp 33 Milliarden Euro schweren Möbelmarkt aus. Daher bauen auch Möbelhäuser wie die XXXLutz-Gruppe ihre Webshops aus. Im Netz sieht sich allerdings Otto.de als umsatzstärkster deutscher Online-Möbelhändler – noch vor Home24.

Das Berliner Unternehmen nannte am Mittwoch seine Zahlen für 2018: Der Umsatz 2018 ist währungsbereinigt um 18 Prozent auf 313 Millionen Euro gestiegen. Mit der Profitabilität tut sich der Händler auch ein halbes Jahr nach dem Börsengang jedoch erheblich schwer: Selbst um Zinsen, Steuern und Abschreibungen bereinigt verlor Home24 je umgesetzten Euro 13 Cent (Ebitda). Erhoffte Größeneffekte seinen nicht voll eingetroffen, gestand der Möbelhändler ein.

Erst Ende 2019 soll Home24 nun Gewinn schreiben – allerdings ebenfalls vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten. Seit dem Börsengang ist die Aktie von zwischenzeitlich 30 Euro auf inzwischen deutlich unter zehn Euro gefallen. Immerhin: Trotz der Ankündigungen der Konkurrenz legte der Kurs am Mittwochmorgen kräftig zu – weil Home24 zumindest in Aussicht stellt, die Verluste in den Griff zu bekommen.

Online-Riese Amazon erschwert die Bedingungen für deutsche Möbelhändler

Das wird schwieriger, weil auch der wohl schlagkräftigste Online-Anbieter in die Möbel-Kategorie investiert: Amazon. Wie auch Home24 haben die US-Amerikaner in der Vergangenheit gezeigt, dass sie Verluste in Kauf nehmen, um auf für sie wichtigen Märkten eine durchschlagende Größe zu erreichen. Und zu diesen wichtigen Märkten gehört künftig offenbar auch die Kategorie Möbel.

Amazon kündigten in dieser Woche an, zwei eigene Möbelserien ins Angebot aufzunehmen. Mit dem Schritt kann der Online-Versandhändler sicherstellen, dass ein solides Grundsortiment auf seiner Webseite verfügbar ist. Die neue Marke „Alkove“ soll für Sofas in Leder und Möbel in massiver Eiche stehen. Die Schwestermarke „Movian“ erinnert stark an Ikea: Amazon setzt hier ebenfalls auf skandinavisches Design.

Otto.de bietet schon jetzt eigene Möbelkollektionen an. Zur Kölner Möbelmesse im Januar haben die Hamburger angekündigt, künftig exklusiv die Sofa-Marke Machalke zu vertrieben. Die bekannte Traditionsmarke war vor einigen Jahren vom bosnischen VW-Zulieferer Prevent übernommen und die Produktion auf den Balkan verlagert worden. „Unser Ziel ist es, der logische Partner für viele Unternehmen der Möbelbranche auf dem Weg in den E-Commerce zu werden“, kündigte Otto-Manager Marc Opelt an.

Theoretisch wäre Ottos neuer Marktplatz damit auch offen für Ikea. Doch Ikea-Manager Loof nennt in dem aktuellen Gespräch mit der FT einen anderen Wunschpartner: Amazons chinesisches Pendant Alibaba. Auf dessen Marktplatz TMall sei es möglich, die eigene Marke stark zu präsentieren – jedenfalls besser als beim US-Konkurrenten. TMall bietet den Marken an, eigene Shops auf seiner Plattform zu betreiben. Home24, das sich selbst mit Geschäften in Europa und in Brasilien als globale Marke für Online-Möbel sieht, hat Loof in dem Gespräch mit keiner Silbe erwähnt.

„Wir probieren immer Dinge aus. Im Digitalbereich schauen wir uns die Drittenanbieter-Plattform an, wie Ikea auf anderen Plattformen agieren kann“, sagte Ikea-Mann Loof der FT. Ikea schaue sich aber auch das Plattform-Geschäft in der Branche als solches an.

Die Schweden überlegten auch, wie sie ihre eigene Webseite Ikea.com stärker und besser machen können. Sehr konkret sind die Pläne, wie etwa die Webseite für Dritte zu öffnen, allerdings noch nicht. Es gebe noch keine Gespräche mit Partnern, räumte Loof ein.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Möbelhandel - Ikea plant einen Wandel und will ins Online-Geschäft einsteigen

0 Kommentare zu "Möbelhandel: Ikea plant einen Wandel und will ins Online-Geschäft einsteigen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.