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Zweite Chancen bei Ikea

Was zahlt Ikea dafür?

(Foto: dpa)

Möbelhaus Ikea kauft jetzt bundesweit alte Möbel zurück. Wir haben’s getestet!

Ikea kauft seit Montag in allen deutschen Filialen gebrauchte Möbel zurück, um sie in der „Fundgrube“ weiter zu verkaufen. Lohnt sich’s?
  • Victoria Enzenhauer
16.07.2019 - 13:36 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 16. Juli 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Wie schafft man es, einer Ikea-Verkäuferin ein Möbelstück zu verkaufen – und dabei den bestmöglichen Preis rauszuhandeln? Ich versuche es mit einem alten Feilschertrick: höflich, aber bestimmt auftreten. „Ach kommen Sie“, sage ich. Und zeige auf die Lehne meines drei Jahre alten Stuhls. „Der hier ist doch eigentlich auch wie neu!“ Die Frau mit der Ikea-Uniform lächelt mich an. Höflich, aber bestimmt. Und dann kommt die klassische Antwort: „Ja, aber.“

Ikea „Zweite Chance“ im Test: Was sind meine alten Stühle wert?

„Auf die Gebrauchsspuren schauen wir schon genau drauf. Und hier sehe ich einen Fleck! Eindeutig eine leichte Gebrauchsspur.“ Klar, sie versucht, meinen schönen alten Stuhl schlecht zu reden. Doch ich habe mich informiert – und kontere. „Der Fleck ist doch viel kleiner als ein 2-Euro-Stück“, sage ich. Diesen Maßstab setzt Ikea auf der eigenen Homepage an, um den Zustand von Möbeln nicht mehr als „neu“, sondern „gut“ zu bezeichnen.

Die Geldmünze sei aber nur die Maximalgröße für einen Fleck, sagt die Verkäuferin, darüber würde man hier gar nichts mehr annehmen. Neuwertig sei mein Stuhl also nicht. Zumindest nicht der eine von beiden. Sie bleibt bei dem Angebot: 35 Euro für den unbefleckten Esszimmerstuhl „Volfgang“, 21 Euro für den etwas schmutzigeren Doppelgänger. Macht 56 Euro insgesamt. Take it or leave it.

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    Wert der Stühle bei Ikea
    Orange-Reporterin Victoria mit ihren alten Stühlen

    Wie viel sind die Stühle noch wert? (Foto: Victoria Enzenauer / Orange)

    Die zwei Exemplare mit federnden Stahlbeinen und grauem Sitzpolster habe ich vor drei Jahren für je 70 Euro bei Ikea gekauft. Das Witzige ist: Jetzt versuche ich nicht etwa, sie auf irgendeinem Flohmarkt zu verscherbeln oder Nachmietern aufzudrücken. Nein, die Verhandlung findet dort statt, wo ich sie gekauft habe: inmitten einer Ikea-Filiale. Kaufst du noch, oder verkaufst du schon?

    Kunden können neuerdings Schreibtische, Stühle, Billy-Regale oder Badezimmerschränke zu Ikea bringen und gegen Gutscheine eintauschen lassen. Egal, wie alt die Möbel sind – und ohne Kassenbon. „Zweite Chance“ nennt die schwedische Möbelkette diese Aktion. Sie startete am 1. September 2018 testweise in fünf deutschen Filialen. Seit Montag kannst du in allen bundesweit 53 Einrichtungshäusern Möbel zurückbringen.

    Ikea bietet die zurück gekauften Möbel in der eigenen „Fundgrube“ wieder zum Verkauf an – angeblich maximal zum selben Preis, den das Unternehmen vorher dem Kunden bezahlt hat (zuzüglich Steuer). Die Möbelkette verdient nach eigenen Angaben kein Geld an dem Weiterverkauf.

    Ikea-Möbel zurückgeben: diese Preise bekommst du für den Verkauf

    Eine Ikea-Managerin erklärt die Regeln für den Deal auf der Webseite des Unternehmens so:

    „Die Produkte müssen wie neu oder in einem mindestens guten Zustand sein. Ist ein Produkt in keinem guten Zustand mehr, so dass ein Wiederverkauf schwierig wäre, kommt kein Rückkauf zustande.“

    Und wie viel Geld bekommen die Kunden für ihre alten Möbel?

    „Der Preisvorschlag liegt bei 30 Prozent des Neupreises für ein Produkt in mindestens gutem Zustand und bei 50 Prozent für ein Produkt, das wie neu ist.“

    Was genau mit dem Zustand gemeint ist, erklärt Ikea online. Sind „leichte Kratzer oder Gebrauchsspuren“ zu sehen, gibt es nur die 30 Prozent. Jeder Zustand, der schlechter ist, wird gar nicht angenommen.

    Ikea „Zweite Chance“ funktioniert nur unter fünf Bedingungen

    Ich will meine Lieblinge verkaufen und herausfinden, ob Ikea sie nimmt und wie das Ganze abläuft. Auf der Website der Aktion habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder kann ich in verschiedenen Kategorien stöbern, zum Beispiel unter Arbeitsplatz, Bad, Ess-, Schlaf- oder Wohnzimmer. Oder ich gebe direkt den Produktnamen oder die Artikelnummer an.

    Und tatsächlich – zwischen lauter Stühlen mit oder ohne Armlehne, aus Birkenholz oder glänzendem Stahl, in knalligem Sonnengelb oder schlichtem Beige, tauchen sie auf: meine „Volfgang“-Stühle. Die kann ich also zurückgeben.

    Möbelhaus bietet zweite Chance
    „Zweite Chance“ bei Ikea

    So viel bietet das Möbelhaus für Victorias alte Stühle. (Screenshot: Ikea)

    Ikea nennt insgesamt fünf Bedingungen, unter denen es ein Möbelstück für die „Zweite Chance“ zurückkauft. Es muss:

    • ein original Ikea-Produkt sein
    • „vollständig und einwandfrei“ funktionieren
    • komplett aufgebaut sein
    • im Originalzustand sein
    • und keine zu starken Gebrauchsspuren aufweisen.

    Jetzt muss ich entscheiden: Ikea würde den besseren für 35 Euro, den anderen Stuhl für 21 Euro abkaufen. In anderen Portalen wie Ebay Kleinanzeigen sind die gleichen Stühle für 20-30 Euro zu kaufen.

    Dazu kommt dann aber noch die Abholung oder das Verschicken per Post. Ich will die Aktion bei Ikea ausprobieren, speichere mir den Vorschlag, auf dem eine Kalkulationsnummer angegeben ist, klemme mir die Stühle unter die Arme und mache mich auf den Weg in die Filiale in Kaarst.

    Unterwegs kommt mir eine Frage in den Sinn: Ikea zahlt Kunden kein Bargeld aus, sondern Gutscheine. Verdient das Unternehmen dann nicht doppelt an dem gleichen Möbelstück? Am Ende landet das Geld ja schließlich wieder bei Ikea.

    Ich treffe Filialleiter Stefan Laufenberg. Der widerspricht: „Natürlich sollen Kunden mit den Guthabenkarten weiter am Unternehmen gehalten werden, aber am Projekt selbst hängen viele Prozesse, die auch mehr Arbeit bedeuten.“

    Ikea „Zweite Chance“: Gutscheine statt Bargeld

    Kaarst ist eine der fünf Testfilialen, in denen die Aktion schon seit Herbst läuft. Bei meinem Test an einem Samstag im September ist das Angebot noch ganz neu. Mitarbeiterin Nina Lickes wartet schon gespannt auf die ganzen Rückgaben: „Bisher haben wir nur zwei Kommoden und deine zwei Stühle bekommen, also sehr wenig, wir hätten mit mehr gerechnet“. Wie das ganze bei den Kunden ankommt, müsse man abwarten.

    Fakt ist aber: Die Fundgrube ist bei Ikea-Kunden beliebt. 2018 kauften die Deutschen rund 3,5 Millionen Artikel in der Abteilung mit den Sonderangeboten. Bisher waren es vor allem Ausstellungsstücke oder Produkte mit kleinen Macken. Das wird sich jetzt wohl ändern.

    Ikea „Zweite Chance“ im Test: 56 Euro für drei Stunden Arbeit

    Nachdem ich mehrere Minuten mit der Ikea-Verkäuferin verhandelt habe, merke ich, dass hier nichts zu machen ist. Und es stimmt ja auch, der eine Stuhl sieht irgendwie „neuer“ aus als der andere. Also gut. Deal. Mehr Feilschen geht nicht. 56 Euro bekomme ich nun für meine beiden Stühle insgesamt – 21 Euro für den einen, 35 Euro für den anderen. Die Stühle zu finden, umzupacken, zu Ikea zu bringen und einzutauschen, hat mich insgesamt zwei bis drei Stunden gekostet.

    Mein Fazit: Die Aktion ist auf jeden Fall eine recht leichte Möglichkeit, seine Möbel loszuwerden und dafür einen ordentlichen Preis zu bekommen. Viele größere Möbel wie Betten oder Kleiderschränke kann man allerdings nicht zurückgeben und auf anderen Portalen könnte man möglicherweise noch etwas mehr Geld rausschlagen. Außerdem bekommt man dort das Geld bar ausbezahlt. Ich verlasse die Filiale mit einer Guthabenkarte.

    Wie ich meinen Gutschein investiere, weiß ich noch nicht. Drei Jahre lang und bundesweit weit kann er eingelöst werden – auch im Restaurant. Entweder schlage ich mir die nächste Zeit also den Bauch mit Köttbullar voll oder ich warte noch ein Weilchen damit, das Geld auszugeben – der nächste Umzug kommt bald.

    Und dann schaue ich vielleicht auch mal in der Fundgrube nach. Wem kleine Kratzer egal sind oder wer aus Umweltgründen Second Hand kaufen möchte, hat dort die Möglichkeit, günstige Möbel zu ergattern und kann, wie Ikea so schön sagt, diesen eine zweite Chance zu geben. Und seien wir mal ehrlich: Hat nicht jeder eine zweite Chance verdient?

    Mehr: Zalando will den Handel mit Secondhand-Mode revolutionieren

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