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Möbelhaus Mit einem neuen Planungsstudio will Ikea junge Menschen in Manhattan überzeugen

In der Metropole haben die Schweden ihr erstes „Planning Studio“ eröffnet. Die Premiere entscheidet darüber, ob es sich auch an anderen Standorten durchsetzen wird.
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Der schwedische Möbelhändler will vor allem junge New Yorker ansprechen. Quelle: Bloomberg
Ikeas „Planning Studio“

Der schwedische Möbelhändler will vor allem junge New Yorker ansprechen.

(Foto: Bloomberg)

New YorkDas neue „Planning Studio“ in Manhattan unterscheidet sich in vielen Punkten von herkömmlichen Ikea-Filialen: So sucht man dort das Familien-Restaurant mit seinen berühmten Köttbullar ebenso vergeblich wie das Bällebad. Und auch sonst hat das dreistöckige Geschäft mit seinen breiten Holzdielen, frei gelegten Rohren und rauem Beton wenig gemein mit den blau-gelben Riesen-Kästen, die normalerweise am Stadtrand angesiedelt sind.

Zwar gibt es in New Jersey und in Brooklyn Möbelhäuser der Schweden, die die New Yorker Kunden über einen Shuttle-Bus beziehungsweise eine Fähre erreichen können. Aber gerade vielen Millennials, also denjenigen, die zwischen den frühen 1980er- und den späten 1990er-Jahren geboren sind, ist das zu umständlich. Aus diesem Grund hat die Metropole seit diesem Montag ein Ikea-„Planning Studio“, mitten in Manhattan, das den speziellen Bedürfnissen der New Yorker gerecht werden soll.

Der neue Laden in Manhattan ist Teil der Strategie der Schweden, stärker in die Stadtzentren zu gehen, um jene Menschen zu erreichen, die sich nicht ins Auto setzen und einen halben Tag bei Ikea verbringen wollen.

Gleich hinter dem Edel-Kaufhaus Bloomingdale's auf der Third Avenue zwischen der 59. und 60. Straße bietet Ikea den Großstädtern personalisierten Service und jede Menge Hilfe an – von der Lieferung bis zum Zusammenschrauben. Statt Kinderparadies und Duftkerzen gibt es hier Modell-Apartments für 33 oder 40 Quadratmeter Wohnraum, in denen das Klapprad ebenso an der Wand hängt wie Gitarren.

Die untere Etage ist ganz der persönlichen Planung vorbehalten. Hier wird am Computer die Einrichtung simuliert und dann online bestellt. Denn kaufen und mitnehmen kann man hier in Manhattan nichts.

New York gilt als Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten und zieht jedes Jahr Hunderttausende neue Menschen an. Sie alle müssen irgendwo wohnen und sich einrichten. Doch so unbegrenzt die Möglichkeiten sind, so begrenzt ist dagegen der Wohnraum. Davon will Ikea profitieren.

„Wir haben dieses Konzept entwickelt, indem wir New Yorker zuhause besucht haben“, sagt Leontyne Green Sykes, Chief Operating Officer (COO) von Ikea Retail U.S. Da sei schnell klar gewesen, was die wichtigsten Themen sind: „Platzmangel und Aufbewahrung“, erläutert sie.

Gerade in Manhattan sind die Wohnungen oft extrem klein, haben aber hohe Wände und oft seltsame Nischen, in denen man mit ein paar Tricks jede Menge unterbringen kann.

Eine kleine Wohnung hat auch Neferitit Batchler. Die junge Afro-Amerikanerin ist extra aus der Bronx in den neuen Laden gekommen. Sie ist zwar etwas enttäuscht, dass es in dem neuen Geschäft gar keine Produkte zu kaufen gibt. Aber die Model-Appartements für 33- und 40-Quadratmeter-Einzimmer-Wohnungen gefallen ihr. „In den großen Ikea-Läden zeigen sie einem diese Riesen-Wohnräume, die für New York völlig unrealistisch sind“, sagt sie. „Da ist das hier schon viel besser.“

Zwei „Planning Studios“, in Großbritannien und eins in Moskau hatte Ikea bereits zuvor eröffnet. Diese sind – im Gegensatz zu dem in New York – allerdings auf Küchen spezialisiert. In Manhattan hingegen spielt die Küchen-Einrichtung eine weniger wichtige Rolle: Die meisten Menschen wohnen in einer Mietswohnung, die bereits eine Küche enthält.

Sollte das Planungsstudio in der Metropole auf großes Interesse stoßen, ist es gut möglich, dass Ikea künftig weitere in anderen Teilen des Landes eröffnet. „New Yorker sind als Trendsetter bekannt. Deshalb wollten wir, dass sie das neue Ladenkonzept als erste ausprobieren“, sagt Ikea-Retail-COO Green Sykes. „Wir suchen weiter nach Möglichkeiten in New York und anderen Großstädten wie Los Angeles, San Francisco, Chicago und Washington.“ Der New Yorker Laden werde zwar als Orientierungsstudio für andere Städte gelten, die neuen Filialen würden aber grundsätzlich den Bedürfnissen vor Ort angepasst.

Möbel-Vermietung in der Planung

Auch das Vermieten von Möbeln will Ikea in den USA testen. Das hat sich das Unternehmen vorgenommen, um nachhaltiger zu sein. Erste Tests in den Niederlanden, in Schweden, der Schweiz und Polen laufen bereits. In Deutschland werden Möbel ab 2020 vermietet. In den USA sei es aber noch zu früh, über Details zu sprechen, sagt die Managerin.

In den USA hat Ikea in der jüngsten Vergangenheit bereits stark expandiert. So haben die Schweden erst vor Kurzem in dem Stadtviertel Staten Island ein knapp 10.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum eröffnet. Das liegt nur 20 Meilen von Manhattan entfernt und kann damit schnell die ungeduldigen Millennials bedienen.

Auch bei den traditionellen Megastores setzt Ikea seinen Expansionskurs in den USA fort. Erst im Februar eröffnete der Möbelhersteller in Texas seinen 50. Megastore, vor einer Woche einen weiteren in Virginia. „Unsere großformatigen Läden bleiben ein lebenswichtiger Teil unseres Ikea-Erlebnisses“, sagt Ikea-Managerin Green Sykes.

Ellen Chen, Heim- und Tech-Expertin des Marktforschers Euromonitor International, befürwortet das neue Konzept der Schweden. „Ikea geht mit dem neuen Laden in Manhattan in die richtige Richtung.“ Damit erreiche das Möbelhaus nicht nur die urbanen Kunden, sondern könne auch seine „Marke auffrischen“. Chen lobt zudem die personalisierte Beratung und die Touch-Screens an den Wänden.

Da Millennials oft kein Auto besitzen, kommt ihnen das Online-Ordern in der Innenstadt laut der Marktforscherin entgegen. Und da die Menschen zwischen 25 und 38 Jahren heute nicht mehr schrauben wollen und oft nicht einmal ein Maßband bedienen könnten – das würden Euromonitor-Studien zeigen – hat Ikea 2017 das Start-up „Taskrabbit“ gekauft. Es vermittelt Helfer, die die Billies, Ivars und Pax zuhause aufbauen.

„Unsere Kunden ändern sich“, sagt Ikea-Managerin Green Sykes. „ Ikea muss sich mit ihnen ändern.“ Da müssen dann manchmal auch die Köttbullar dran glauben.

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