Möbelriese Warum Ikea-Kunden jetzt noch nicht online bestellen sollten

Für Onlinebestellungen verlangt Ikea teils horrende Liefergebühren. Das soll sich bald ändern. Und noch etwas anderes stellt der Möbelriese zur Disposition.
Update: 17.08.2018 - 13:52 Uhr Kommentieren
Bislang sind die Liefergebühren bei einer Online-Bestellung bei Ikea noch sehr hoch. Quelle: dpa
Ikea-Filiale

Bislang sind die Liefergebühren bei einer Online-Bestellung bei Ikea noch sehr hoch.

(Foto: dpa)

HamburgIkea schraubt weiter an seiner Online-Strategie. Künftig senkt die Möbel-Kette die Kosten für bestimmte Online-Lieferungen deutlich. Das sagte Marketing-Chef Heiko Klauer dem Handelsblatt am Rande der Vorstellung des neuen Katalogs. Bislang verlangt Ikea wesentlich mehr als große Online-Möbelanbieter wie Home24 und Otto.de. Damit revidiert Ikea eine Preispolitik, die ihre Wurzeln klar in der Welt der Filiale hat.

Bislang bestraft Ikea gewissermaßen Kunden, die besonders teure Artikel im Online-Shop kaufen. Für Waren über 30 Kilogramm verlangen die Schweden zwischen 25 und 175 Euro Liefergeld – abhängig nicht von Gewicht oder Größe der Ware, sondern vom Preis. Die Lieferkosten liegen dabei fast immer deutlich über zehn Prozent. Ein Beispiel: Bei einem Bestellwert von 1050 Euro kommen 149 Euro Liefergebühr obendrauf.

Otto.de verlangt dagegen für Speditionsware einheitlich 29 Euro, Home24 verzichtet auf separate Lieferkosten. Dazu kommt: Will ein Kunde die Ware zurücksenden, verlangt Ikea erneut Speditionsgebühren. Im Extremfall bleiben Kunden, denen Ware nicht gefällt, also auf 350 Euro Speditionskosten sitzen. Die Konkurrenten lassen Retouren kostenlos zurückgehen – so wie es bei Mode oder Elektronik im Online-Handel längst selbstverständlich ist.

„Wir stehen für Preistransparenz durch gleiche Priese und Logistikkosten in allen Kanälen“, sagte Klauer. Im jetzt beginnenden Geschäftsjahr 2019 will Ikea in Deutschland allerdings mit niedrigeren Lieferkosten experimentieren. Wann und in welcher Form das passieren werde, sei noch unklar, sagte eine Sprecherin. Auch sei noch nicht entschieden, ob diese Versuche bundesweit oder regional begrenzt durchgeführt würden. Sie korrigierte damit ursprüngliche Angaben von Klauer im Gespräch mit dem Handelsblatt, die Kosten würden bereits ab September auf maximal 79 Euro begrenzt.

Angepasst werde auf jeden Fall aber der Preis für den Service „Click & Collect“, bei dem Kunden Waren in einzelnen Filialen online vorbestellen und vor Ort abholen können. Statt bis zu 25 Euro soll der Service künftig nur noch 15 Euro kosten, bestätigte die Sprecherin. Für Kunden ist es also sinnvoll, mit einer Online-Bestellung bei diesem Service noch zwei Wochen zu warten. Etwas länger könnte es dauern, bis auch die Kosten für Online-Speditionslieferungen sinken. Bereits seit Mai verlangt Ikea weniger für den Versand von Standardpaketen.

Der Fall zeigt die Schwierigkeiten für einen gewachsenen Händler, Online- und Offline-Welt zusammenzubringen. Die hohen Liefergebühren stammen aus der Filial-Denkweise: Wer die Möbel nicht selbst nach Hause fährt, muss den Service teuer zahlen. Bei der Umstellung zum Multichannel-Ansatz ist das ein Problem: Entweder verlangt Ikea deutlich höhere Liefergebühren als Online-Konkurrenten oder benachteiligt seine Filial-Kunden.

Ikea ist derzeit insgesamt in einer Umbruchsphase – bedingt auch durch den digitalen Wandel. Der Konzern hat seine Expansion mit neuen Häusern in Deutschland und den meisten anderen Ländern vorerst gestoppt. Eine klare Entscheidung über eine neue Expansionsstrategie gibt es noch nicht. Offenbar will Ikea kleinere Formate entwickeln, die sich für Innenstadtlagen eignen. So laufen Tests mit zwei innenstädtischen Abholstationen.

In Hamburg hat Ikea bereits vor drei Jahren eine erste deutsche innerstädtische Filiale eröffnet – allerdings noch mit dem gesamten Angebot eines großen Hauses. Künftig könnte in den Innenstädten eher eine Auswahl von Artikeln gezeigt werden – bis hin zu spezialisierten Showrooms etwa für Küchen. Bestellen könnten die Kunden dann beispielsweise online. Erste Weichenstellungen für die neue Strategie könnten noch im laufenden Jahr erfolgen, meinte Klauer. Schließungen von Häusern schloss er aus. „Ich glaube, dass die Häuser auch in der digitalen Welt ihre Berechtigung haben.“ Die Besucherzahlen in den Häusern seien stabil, sagte der 47-jährige Marketing-Fachmann.

Auch der Ikea-Katalog stehe nicht zur Disposition. Das aktuell 296 Seite starke Werk locke immer noch messbar Kunden in die Häuser, sagte Klauer. Allerdings gibt Ikea inzwischen knapp ein Drittel seiner Marketing-Ausgaben für den Online-Bereich aus, etwa für Suchmaschinen-Marketing. Dazu kommen eigene Aktivitäten bei Facebook und Instagram. Influencer-Werbung spiele kaum eine Rolle, sagte Klauer.

In der Online-Welt verändert sich allerdings der Katalog. Er ist im Vergleich zu früher weniger ein Gesamtverzeichnis der Kollektion. Erstmals zeigt er sieben beispielhafte komplette Wohnungen, von denen sich die Kunden inspirieren lassen sollen. Detailinformationen und Planungstools sind ins Internet gewandert. Auch dort soll sich einiges ändern: Anfang 2019 werde die Website komplett überarbeitet, kündigte Ikea an.

Wie andere Online-Händler wollen die Schweden die mobile Variante der Site in den Mittelpunkt stellen, die bislang noch eine abgespeckte Variante der Desktop-Seite ist. Doch inzwischen sind Smartphones der wichtigste Informationskanal für Privatkunden.

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