Möglicher Marktmissbrauch McDonald's gerät ins Visier der Kartellämter

Verbraucherschützer in Europa melden Bedenken an: Sie sehen in Preisvorgaben der Fastfood-Kette McDonald's für ihre Franchisenehmer einen Fall für die Kartellbehörden. In mehreren Ländern gingen Klagen ein.
Update: 05.04.2017 - 14:23 Uhr Kommentieren
Was kostet der Burger? Verbraucherschützer fordern eine kartellrechtliche Untersuchung von McDonald's. Quelle: AFP
McDonald's

Was kostet der Burger? Verbraucherschützer fordern eine kartellrechtliche Untersuchung von McDonald's.

(Foto: AFP)

Brüssel/MünchenDie Fast-Food-Kette McDonald's hat in drei Ländern Ärger wegen angeblicher Preisvorgaben an Lizenznehmer. Mehrere Organisationen in Italien, Frankreich und Deutschland werfen dem Unternehmen vor, die Produkte in den eigenen Restaurants billiger anzubieten, als in Franchise-Filialen. Deshalb haben sie Beschwerden bei den Kartellbehörden eingereicht.

McDonald's wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück: „Als selbstständige Unternehmer legen unsere Franchise-Nehmer die Preise in den von ihnen betriebenen Restaurants selbstständig fest“, erklärte das Unternehmen. „Grundsätzlich arbeiten wir sehr eng mit unseren Franchise-Partnern zusammen.“

In Deutschland hat die Anwaltskanzlei SKW Schwarz eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht, wie ein Sprecher der Behörde und der zuständige Rechtsanwalt Sebastian von Wallwitz der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Wer dahinter steht, wollte von Wallwitz nicht sagen. Ziel der Beschwerde sei es nicht etwa, dass Bußgelder verhängt würden, sagte der Rechtsanwalt, sondern vielmehr „wettbewerbsverzerrende Praktiken zu beenden“.

Die unterschiedliche Preisgestaltung in eigenen Filialen von McDonald's und Franchise-Filialen gehe aus statistischen Auswertungen hervor, sagte der Rechtsanwalt. Hintergrund sei auch die Kopplung von Mietverträgen an die Lizenzverträge, so dass die Franchisenehmer die Miethöhen an die Kunden weiterreichen müssten.

Bereits am Dienstag hatte die Verbraucherschutzorganisation der französischen Gewerkschaft CGT eine Beschwerde gegen McDonald's France eingereicht. „Durch missbräuchliche Praktiken gegenüber seinen Franchise-Nehmern sind im Jahr 2015 für die französischen Kunden 232 Millionen Euro Mehrkosten entstanden“, sagte ihre Vorsitzende, Martine Sallier. Auch die französischen Verbraucherschützer zeigten sich überzeugt davon, dass McDonald's die Franchise-Restaurants drängt, höhere Preise zu nehmen als in Filialen, die direkt von dem Fast-Food-Unternehmen betrieben werden.

So sieht der McDonald's der Zukunft aus
Neues Konzept
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In 72 Filialen testet McDonald’s seit dem 4. Juli das neue Konzept „Restaurant der Zukunft“. Ob McDonald’s so die Gunst der Kunden, die lieber zum Edelburger-Brater gehen, zurückgewinnen kann, ist fraglich. Die Änderungen im Überblick.

Mehr Individualität
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McDonald’s will künftig stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingehen, sagt Deutschland-Chef Holger Beeck. Deswegen können Kunden in den neuen Filialen die Burger so zusammenstellen, wie es ihnen beliebt: Keine Gurken, dafür extra Tomaten und doppelt Fleisch? „Mach deinen Mäc“ heißt das Programm.

Am automatisierten Terminal
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Den Burger nach eigenem Gusto erstellt der Kunde am automatisierten Terminal oder via Smartphone-App. Auch die Bezahlung erfolgt so.

Mehr Fleisch
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Wer verlorene Kunden zurückgewinnen will, muss von der Konkurrenz lernen. So bieten die Amerikaner in den neuen Filialen „Gourmetburger“ mit höherem Fleischanteil an, die Teil der sogenannten „Signature Collection“ sind und pro Burger zwei Euro mehr kosten.

Tischservice
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Die „Gourmetburger“ werden wie in einem à-la-Carte-Restaurant direkt an den Platz geliefert.

Überarbeitetes Küchensystem
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Ebenfalls neu: Die Burger sollen erst nach der Bestellung zubereitet werden – dafür wird das System in der Küche komplett umgestellt.

Neues Design
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Neben all diesen Neuerungen sollen die Filialen auch optisch deutlich verändert werden. Wie das aussieht, konnte man bisher nur in der Filiale am Frankfurter Flughafen (im Bild) in Augenschein nehmen – hier hatte McDonald’s die „Filiale der Zukunft“ im vergangenen Jahr vorgestellt.

In Italien wiederum hatten drei Verbraucherschutzorganisationen Beschwerde beim Kartellamt gegen McDonald's eingereicht. Ihrer Meinung nach nutzt McDonald's seine Marktstellung aus, um Franchisenehmern die konzerneigenen Immobilien zu „exorbitanten Preisen“ zu vermieten.

Der Deutsche Franchise-Verband zweifelte an den Vorwürfen. Verbandsgeschäftsführer Torben Brodersen nannte diese „nebulös“ und erklärte: „Ein professionelles, faires und partnerschaftliches Franchise-System, wie das bei McDonald's der Fall ist, wird so eine Strategie niemals fahren.“ Es seien auch keine entsprechenden Auseinandersetzungen zwischen der Schnellrestaurantkette und ihren Lizenznehmern bekannt.

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  • dpa
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