Moovel, door2door, Moia Das sind die Uber-Angreifer aus Deutschland

Deutsche Autobauer nehmen es mit internationalen Fahrdienstvermittlern auf. Sie machen Fehler bei der US-Konkurrenz aus – und wollen es besser machen.
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Es bedarf neuer Mobilitätskonzepte, um Emissionen zu reduzieren. Quelle: Uber
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Es bedarf neuer Mobilitätskonzepte, um Emissionen zu reduzieren.

(Foto: Uber)

DüsseldorfAuf den ersten Blick haben die deutschen Autohersteller nichts zu befürchten. VW, Daimler und BMW verkaufen mehr Autos als je zuvor. Allein im vergangenen Jahr setzte das Trio zusammengerechnet fast 16,5 Millionen Fahrzeuge ab. Doch auf lange Sicht werde dieses Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren, ist sich Karl-Thomas Neumann sicher: „Wir haben uns verfahren.“

Die Branche müsse ihre klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen (CO2) „massiv“ reduzieren, konstatiert der ehemalige Opel-Chef. „Und das wird nur mit neuen Mobilitätskonzepten funktionieren.“

In eines dieser Konzepte – das Berliner Start-up door2door – investiert der Automanager viel privates Geld. Door2door hat für Städte, öffentliche Verkehrsträger und Mobilitätsanbieter eine Softwareplattform entwickelt. In Berlin bündelt door2door mit dem Mitfahrdienst „Allygator“ zudem Fahrtrouten. Via App teilen sich dabei mehrere Personen eine Fahrt und damit die Kosten.

Firmengründer Tom Kirschbaum will mit solchen Ansätzen bis zu 97 Prozent der Autos in unseren Städten obsolet machen. „Wenn wir sechs bis acht Leute, die in die gleiche Richtung fahren, gemeinsam in einen Kleinbus packen, statt die Strecke jeden einzeln im eigenen Auto fahren zu lassen, können wir enorm viel Geld, Zeit und CO2 einsparen“, sagt Kirschbaum. Das tägliche Verkehrschaos soll so der Vergangenheit angehören.

Moovel-Chefin Daniela Gerd tom Markotten verfolgt ein ganz ähnliches Ziel. „Die Vision von Moovel ist eine Welt ohne Staus“, sagt die 43-Jährige, die bei dem Start-up von Daimler derzeit an einer Art Betriebssystem für die Mobilität der Zukunft arbeitet. Künftig soll die IT-Expertin auch die Carsharing-Allianz von Daimler (Car2Go) und BMW (DriveNow) leiten.

Noch fehlt zwar die kartellrechtliche Genehmigung, aber die beiden Autobauer wollen ihre Kräfte bündeln, um mit einem gemeinsamen Kundenstamm bei Mobilitätsdiensten von mehr als 25 Millionen Interessenten die lästigen Konkurrenten aus dem Silicon Valley und Fernost in die Schranken weisen zu können. Auch Volkswagen stemmt sich gegen den Angriff der Tech-Konzerne. Mit dem Start-up Moia wollen die Wolfsburger bis 2025 einen der weltweit führenden Mobilitätsdienstleister aufbauen.

„Das ist ein Kampf zweier Welten – Big Data gegen die etablierten Autokonzerne. Der Ausgang ist offen, aber es wird schwer für die Autokonzerne“, konstatiert Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) an der Wirtschaftsfachhochschule in Bergisch Gladbach. Der Grund: Weder der enge Kontakt zum Kunden noch das Entwickeln von Software zählen bisher zu den Stärken der Fahrzeughersteller.

Klar ist aber: VW, Daimler und BMW müssen sich bewegen. Ihnen bricht zunehmend das Kerngeschäft weg. Steht der Verkauf von Autos, Komponenten und Ersatzteilen heute noch für 99 Prozent der Branchengewinne, werden es nach Berechnungen von Boston Consulting 2035 wohl nur noch 60 Prozent sein.

Die restlichen 40 Prozent des Ertrags werden die Autobauer demnach mit neuen Mobilitätsdiensten erwirtschaften. Überlässt die heimische Vorzeigeindustrie hier Uber, Apple, Google und Didi Chuxing das Spielfeld, bestehe die Gefahr, dass „die Autohersteller langfristig in die Rolle der Zulieferer abrutschen“, warnt Bratzel.

Door2door-Gründer Kirschbaum glaubt aber, dass deutsche Firmen wie sein Start-up einen entscheidenden Vorteil haben: „Uber, Lyft und Gett haben gezeigt, wie altertümlich Taxis sind. Ein Aspekt fehlt aber bei all diesen Mobilitätsplattformen: Sie sind überhaupt nicht in das bestehende Nahverkehrsangebot eingebettet“, sagt der Unternehmer und ergänzt kampfeslustig: „Das ändern wir.“

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