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Mytaxi wird zu Free Now Alle gegen Uber: So starten die deutschen Autohersteller den Gegenangriff

Die Autohersteller kommen mit ihren Shuttle-Angeboten voran. VW siegt vor Gericht, BMW und Daimler starten Free Now. Der Konkurrent sitzt in den USA.
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Thomas Zimmermann (links) und Alexander Mönche sollen „FreeNow“ zum Uber-Konkurrenten aufbauen. Quelle: dpa
Mytaxi wird zu FreeNow

Thomas Zimmermann (links) und Alexander Mönche sollen „FreeNow“ zum Uber-Konkurrenten aufbauen.

(Foto: dpa)

Berlin, Hamburg Seichte arabische Rapmusik beschallt die Passagiere in dem Kleinbus. Immerhin ist der Elektro-Bulli doch noch eingetroffen, wenn auch eine Viertelstunde später als in der App versprochen. Allerdings dreht er erstmal eine sinnlose Runde um einen Büroblock, bevor er seine Fahrt in Richtung Hamburger Landungsbrücken fortsetzt, um vier der fünf Fahrgäste zwischendurch abzusetzen. 8,12 Euro kostet die Fahrt mit Volkswagens Ridesharing-Dienst Moia schließlich – weniger als die Hälfte des Taxipreises, dafür dauerte es aber inklusive Wartezeit doppelt so lang.

Die Angebote der deutschen Autohersteller, mit denen sie dem US-Taxidienst Uber Paroli bieten wollen, laufen mühsam an. Aber sie laufen an. An diesem Dienstag gab es gleich zwei gute Nachrichten für die deutschen Spieler: Der VW-Shuttle Moia bekam vor Gericht grünes Licht für seinen Plan, 500 bis 1000 eigene Elektrobusse durch Hamburg auf die Straße zu bringen - bislang waren nur 200 erlaubt. Das könnte die Anlaufprobleme des im April gestarteten Hamburger Großversuchs für Ridesharing mildern: Nutzer klagen bisher über Wartezeiten, mangelnde Verfügbarkeit und Umwege.

Zudem verkündete ein Bündnis aus Daimler und BMW den offiziellen Start seines Uber-Abwehrplans. Im Kern steht die App MyTaxi, die seit Dienstag Free Now heißt. Ende des Monats startet ein Uber-ähnliches Angebot: Dann lassen sich über die App nicht nur Taxis, sondern auch Mietwagen buchen. Los geht es in Hamburg, noch im Sommer sollen Berlin und Frankfurt folgen.

„Wir stellen uns mit dem Angebot dem internationalen Wettbewerb“, sagte Free-Now-Deutschlandchef Alexander Mönch mit Blick auf Uber.

In fünf deutschen Städten, vor allem in München und Berlin, ist Uber bereits aktiv. Der Dienst nutzt dabei eine Lücke im veralteten Personenbeförderungsgesetz: Gewerbliche Mietwagen mit Fahrer unterliegen nicht den streng geregelten Taxitarifen. In Zeiten von Apps lassen sie sich jedoch fast genauso nutzen wie ein Taxi – zu weitaus günstigeren Preisen.

„Free Now ist offenbar ein Uber-Imitat“

Die Autohersteller reagieren auf den weltweiten Trend, dass junge Menschen in den Städten seltener ein eigenes Auto besitzen und stattdessen auf buchbare Mobilitätsangebote umsteigen. Free Now ist Teil eines im vergangenen Jahr gegründeten Gemeinschaftsunternehmens, in das BMW und die MyTaxi-Mutter Daimler einen Großteil ihrer neuen Mobilitätsangebote einbringen, darunter die Carsharing-Dienste Car2Go (Daimler) und DriveNow (BMW), die künftig gemeinsam unter der Marke Share Now fahren sollen.

Volkswagen verfolgt dagegen einen anderen Ansatz für günstigere Stadtfahrten: In Hamburg läuft der Modellversuch Moia mit fest angestellten Fahrern und bis zu 1000 eigens entwickelten Fahrzeugen, die Nutzer auf ähnlichen Strecken gemeinsam transportieren. Bei Erfolg soll der Service weiteren Städten weltweit angeboten werden.

Als Vorreiter für solche neuen Angebote gilt das milliardenschwere US-Unternehmen Uber, das fast mit MyTaxi im Jahr 2009 gegründet worden ist. Zunächst wollte Uber in Deutschland einen Service nach US-Modell anbieten: Dort nehmen Privatleute in ihrem Auto Fahrgäste mit, die per App vermittelt werden.

Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen entwickelte Uber das neue deutsche Modell, das sich auf gewerbliche Mietwagenanbieter stützt und somit legal ist. Taxifahrer kritisieren jedoch, dass die Einhaltung von Regeln kaum zu kontrollieren sei. Anders als Taxen müssen Mietwagen etwa regelmäßig zum Betriebsort zurückzufahren. „Free Now ist offenbar nur ein Uber-Imitat, das zu mehr Verkehr und Staus in den Innenstädten führen wird“, klagte am Dienstag der Taxi-Verband über die Billig-Konkurrenz in der etablierten App.
Free-Now-Manager Mönch hielt dagegen: „Je länger das Taxi-Gewerbe starre Tarife hat, desto mehr verliert es an Mietwagenanbieter“, warnte er. Sein Ziel: Die Marktführerschaft in Europa gegen Uber erringen. 70 Prozent Umsatzwachstum peilt er für 2019 an, 400 Arbeitsplätze vor allem in der Hamburger Zentrale sollen dazukommen – zu den heutigen 750 Mitarbeitern.

Mittelfristig sollen Taxi und Mietwagen eins werden

Mittelfristig hofft Mönch jedoch darauf, dass Taxi und Mietwagen gesetzlich zu einer Kategorie verschmelzen: „Wir sehen keinen Sinn darin, dass es zwei Arten von taxiartigen Angeboten gibt“, sagte Mönch. Er hofft auf die geplante Novelle des deutschen Personenbeförderungsgesetzes.

Wie der VW-Shuttle Moia gibt sich sich auch Free Now als Partner der Kommunen - während Uber in der Vergangenheit oft eher den Konflikt suchte. Zuletzt änderte allerdings auch Uber seine Strategie: So positionierte sich Uber im Mai mit einer Erklärung „zu gesellschaftlicher Verantwortung in sozialer und ökologischer Hinsicht“ in Deutschland neu.

Die Annäherung an die Behörden bringt Vorteile: Free Now hat etwa mit der Hamburger Verkehrsbehörde Erleichterungen für seine Uber-Kopie vereinbart sowie Taxi-Fahrten zum Festpreis. Das soll Vorbild für weitere Kommunen sein.

Auch VW kooperiert eng mit der Hansestadt, die sich auch vor Gericht für den Shuttle-Dienst Moia einsetzte. Mit Erfolg: Die von einem Taxiunternehmer erstrittene einstweilige Verfügung, nicht mehr als 200 Moia-Busse einzusetzen, hat das Oberverwaltungsgericht der Stadt gekippt. „Mit dem Ausbau der Flotte wird sich nun auch die Verfügbarkeit von Moia verbessern“, versprach ein Sprecher auf Anfrage.

Schon nach zwei Monaten habe es mit nur gut 100 Fahrzeugen über 200.000 Buchungen gegeben – Fahrten, die sonst womöglich ein Taxi oder ein Bus gemacht hätte. Doch das Gericht urteilte klar: Taxiunternehmer haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Schutz vor Konkurrenz.

Immerhin: Mit Service und Geschwindigkeit könnte das Taxigewerbe gegen die neuen Angebote von Moia bis Uber punkten – und mit Verzicht auf arabischen Rap.

Mehr: Der Shuttle-Dienst Moia soll mit 1600 Fahrern einer der größten Arbeitgeber Hamburgs werden. Damit steigt VW in den Markt für Mobilitätsdienste ein.

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