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Suche nach der Unglücksursache

Die Maschine der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines ist etwa 50 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba abgestürzt.

(Foto: dpa)

Nach Absturz in Äthiopien Die Suche nach der Unglücksursache beginnt – fünf Deutsche unter den Opfern

Nach dem Tod von 157 Menschen beim Absturz einer Boeing in Äthiopien suchen Experten nach der Ursache. Der Pilot war erfahren, die Maschine neu.
Update: 11.03.2019 - 10:34 Uhr Kommentieren

Deutsche und UN-Mitarbeiter unter Opfern

Addis Abeba, FrankfurtNach dem Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien mit insgesamt 157 Todesopfern beginnen Experten am Montag mit der Identifizierung der Opfer und Klärung der Unglücksursache. In den weit verstreuten Trümmern des Flugzeugs suchen Helfer nach den sogenannten Black Boxes – den Flugschreibern mit den Aufzeichnungen der Flugdaten und der Cockpitgespräche.

Nach bisherigen Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes sind auch fünf Deutsche ums Leben gekommen. Das teilte eine Sprecherin am Montag in Berlin mit.

Nach einer Auflistung der Airline waren auch viele weitere Europäer an Bord der Maschine. Das US-Außenministerium bestätigte am Abend, dass „mindestens acht Amerikaner“ an Bord waren.

Bei dem Absturz der Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines waren am Sonntag alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Die Unglücksmaschine, die von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die kenianische Hauptstadt Nairobi fliegen sollte, war am Sonntagmorgen kurz nach dem Start abgestürzt.

Nach Angaben der Airline waren unter den Todesopfern aus 35 Ländern unter anderem 32 Kenianer, 18 Kanadier, 9 Äthiopier sowie jeweils 8 US-Amerikaner, Italiener und Chinesen. Die Maschine auf Flug ET 302 stürzte nach Angaben der Fluggesellschaft nahe der Stadt Bishoftu ab, etwa 50 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt.

Kurz nach Abflug habe der erfahrene Pilot einen Notruf abgesetzt und daraufhin die Freigabe zur Rückkehr erhalten, sagte der Chef der Fluggesellschaft, Tewolde GebreMariam.

Die neue Maschine war zuletzt am 4. Februar gewartet worden. Ein Routine-Check unmittelbar vor dem Start am Sonntag habe keine Probleme aufgezeigt, sagte GebreMariam. Seit dem Kauf des Flugzeugs Ende vergangenen Jahres sei es rund 1.200 Stunden im Einsatz gewesen. Der Pilot hatte seit 2010 für die Fluggesellschaft gearbeitet.

Nach Angaben des Flugzeugbauers Boeing handelte es sich bei der Unglücksmaschine um einen Flieger vom Typ 737 Max 8. Demnach würde es sich um denselben Flugzeugtyp handeln wie bei dem Absturz einer Lion-Air-Maschine im Oktober in Indonesien. Auch in Indonesien hatte es sich um eine fast nagelneue Maschine gehandelt; sie stürzte nur elf Minuten nach dem Start ins Meer.

In einer ersten Reaktion zog China am Montag Konsequenzen wegen der „gewissen Ähnlichkeiten“ der beiden Abstürze. Wie die Luftfahrtbehörde CAAC des Landes mitteilte, sollen sämtliche Maschinen vom Typ der Unglücksmaschine zunächst am Boden bleiben.

Sicherheitsexperten nehmen die Ähnlichkeit zur Kenntnis – warnen aber davor, schnell zu viele Parallelen zwischen den beiden Unfällen zu ziehen.

Boeing äußerte sich zunächst nicht zu den beiden Unfällen. In einer Mitteilung auf der Website von Boeing sprach der Hersteller den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen.

In Äthiopien war bereits am Sonntag eine Sonderkommission von Experten der Flugsicherung, Transportministerium und Fluggesellschaft gebildet worden, wie Ethiopian Airlines am Abend mitteilte.

Unter den Opfern in Äthiopien sind nach Angaben von UN-Generalsekretär António Guterres auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen. Das Unglück mache ihn „zutiefst traurig“, sagte Guterres weiter und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Details nannte Guterres in einer Mitteilung am Sonntag nicht, doch nach Medienberichten sollen mindestens 19 UN-Mitarbeiter an Bord gewesen sein.

Von der Internationalen Organisation für Migration hieß es, dass nach ersten Erkenntnissen 19 Mitarbeiter von UN-Organisationen umgekommen sein könnten. An diesem Montag beginnt in Nairobi eine UN-Umweltkonferenz, bei der Staats- und Regierungschefs, Umweltminister und Experten aus aller Welt erwartet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich in einem Kondolenztelegramm an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed bestürzt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb: „Der Tod so vieler Menschen an Bord erfüllt mich mit tiefer Trauer.“

Ethiopian Airlines gehört mit einer Flotte von 108 Flugzeugen zu den größten Airlines Afrikas und zum Verbund der von der Lufthansa mit gegründeten Star Alliance. 66 weitere Jets sind bestellt. Im vergangenen Jahr sollte die Zahl der Passagiere auf knapp elf Millionen steigen.

Das letzte größere Unglück von Ethiopian Airlines hatte es im Januar 2010 gegeben, als eine Boeing 737-800 der Fluggesellschaft kurz nach dem Start in Beirut vor der libanesischen Küste ins Mittelmeer stürzte, die 90 Insassen starben.

Die Absturzstelle von ET302
Übersicht der Absturzstelle
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Die Ermittlung zur genauen Absturzursache stehen noch aus. Die US-Flugsicherheitsbehörde wird ein Team entsenden.

(Foto: Reuters)
Rettungskräfte im Einsatz
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Die Absturzstelle liegt nahe des Orts Bishoftu, einer Stadt etwa 60 Kilometer südöstlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

(Foto: AFP)
Schaulustige beobachten die Bergungsarbeiten
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Die Boeing 737-8 MAX befand sich auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi, bevor sie abstürzte.

(Foto: AFP)
157 Todesopfer
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An Bord des Flugzeugs waren 149 Gäste und acht Crew-Mitglieder.

(Foto: Reuters)
Trümmerteil
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Die verunglückte Maschine ist die zweite des Typs 737-8 MAX, die seit Herbst 2018 abgestürzt ist. Damals war ein Flug der indonesischen Gesellschaft Lion Air betroffen.

(Foto: Reuters)
Sicherheitskarte aus dem Flugzeug
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Die Fluggäste an Bord kamen aus mehr als 30 Ländern. Unter anderem waren 18 Kanadier auf dem Weg nach Nairobi.

(Foto: Reuters)
Am Unglücksort
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Rettungsfahrzeuge vor Ort.

(Foto: Reuters)

Im November 1996 wurde eine Maschine der Airline entführt. Sie war ebenfalls auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi. Die Entführer forderten trotz zu geringer Treibstoffmenge, nach Australien geflogen zu werden. Der Kapitän entschloss sich zu einer spektakulären Notwasserung vor den Komoren, um möglichst viele Passagiere zu retten. 125 Insassen starben, rund 50 überlebten.

Die 737 ist das meistverkaufte Flugzeug der Geschichte. Die Max 8, erst seit 2017 in Dienst gestellt, ist die neueste Version und ein zentraler Teil der Boeing-Strategie, mit dem europäischen Rivalen Airbus mithalten zu können.

Die Maschine hat deutlich mehr Informationstechnik an Bord als die bisherigen 737-Modelle. Vor allem kommt hier ein sogenanntes Fly-By-Wire-System zum Einsatz. Der Jet wird dabei über den Computer gesteuert, der Flugzeugführer erteilt etwa über den Steuerknüppel einen Befehl an den Rechner, der übernimmt dann die Steuerung der hydraulischen Systeme.

Die Maschine gilt als großer Hoffnungsträger für die Airlines und soll etwa 15 Prozent weniger Kerosin als bisherige Modelle verbrauchen. Boeing hat etwa 350 derartige Maschinen verkauft und Bestellungen von über 5000 laufen. Viele Fluggesellschaften nutzen es bereits. Durch den Unfall der Lion-Air-Maschine scheint die Verkaufszahl nicht gesunken zu sein.

In Deutschland erwartet die Tuifly in diesen Wochen die ersten Maschinen des Typs. Im Sommer wird die Boeing 737 Max 8 dann auch bei Sunexpress ankommen, dem Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines.

Andere Airlines, die die 737 Max 8 schon einige Monate im Einsatz haben, haben bislang nicht von Problemen mit der Steuerung des Flugzeugs berichtet. Dazu zählen etwa der Billig-Anbieter Norwegian und die britische Airline von Tui.

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