Nach Air-Berlin-Pleite Lufthansa wehrt sich gegen Wucher-Vorwurf

Seit dem Ende von Air Berlin steigen die innerdeutschen Ticket-Preise in ungeahnte Höhen. Doch die Lufthansa weist den Vorwurf der Preistreiberei zurück. Die Behörden sind trotzdem alarmiert.
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Mitunter setzt die Lufthansa eine Boeing 747-400 für innerdeutsche Flüge ein. Quelle: Reuters
Jumbo auf der Kurzstrecke

Mitunter setzt die Lufthansa eine Boeing 747-400 für innerdeutsche Flüge ein.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDen Lufthansa-Hinflug Montagfrüh von Frankfurt nach Tegel für 523,94 Euro, den es früher einmal für unter 60 Euro gab? Die Strecke Hamburg-München zur selben Zeit für 363,43 Euro, die sonst nicht einmal 50 Euro kostete? Was Flugpassagiere als Preistreiberei kritisieren, die sie nach dem Aus des Konkurrenten Air Berlin beobachten, weist die Kranich-Airline als Missverständnis zurück.

„Wir haben unsere Flugpreise seit März 2016 nicht verändert“, beteuert Markus Frank, der im Konzern für das Pricing der Umsteige-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines verantwortlich ist. Nicht einmal die Erlöse bei einem vollbesetzten Flug hätten sich, abgesehen von schwankenden Nachfragen nach einzelnen Servicetarifen, seither verändert.

Was aus Sicht der Flugkunden die Preise nach oben zieht, ist nach Darstellung der Lufthansa der frühe Abverkauf der günstigen Tickets. „Früher waren sechs Wochen vor Abflug rund 50 Prozent der Sitze vergeben“, berichtet Frank, „seit dem Aus von Air Berlin sind es zehn Prozentpunkte mehr.“ 

Das aber hat Auswirkungen auf die Preisoptik. Weil Lufthansa die Buchungen in 17 Stufen - je nach Anzahl der Restplätze - bis kurz vor Abflug immer teurer macht, sind die Schnäppchen nun schon früher weg. „Hatten wir sonst zwei Wochen vor Abflug oft noch 30 Plätze im System, so dass wir Tickets für 199 Euro anbieten konnten, gibt es heute meist nur noch zehn bis zwölf“, erklärt Frank. „Die aber liegen dann bei einem höheren Preispunkt.“ An der reinen Anzahl von billigen und teureren Tickets für einen Flug habe sich aber nichts verändert.

Zusatzerlöse gibt es nach Darstellung der Lufthansa nur durch den Einsatz zusätzlicher Maschinen. Im innerdeutschen Verkehr setze man nun sechs Airbus-321-Jets ein, die eigentlich über den Winter geparkt werden sollten. Auf der Stecke Frankfurt-Tegel startet seit Anfang November – ein kostspieliges Novum im innerdeutschen Verkehr – eine Boeing 747, für die man eigens neue Abfertigungspläne ausarbeiten musste.

Zudem hat Lufthansa zusätzlich zwei Sunexpress-Maschinen gechartert, und in den Tagen vor Weihnachten pendelt erstmals ein Langstrecken-Airbus vom Typ 340 zwischen Tegel und München. „Auf diese Weise haben wir rund 50 Prozent der Kapazitäten ausgeglichen, die durch die Air-Berlin-Insolvenz weggefallen sind“, berichtet Lufthansa-Manager Michael Haendel. 

Auf manchen Strecken haben sich die Preise verdreifacht
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1 Kommentar zu "Nach Air-Berlin-Pleite: Lufthansa wehrt sich gegen Wucher-Vorwurf"

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  • Der Vorwurf ist unbegründet, würden die Behörden schneller arbeiten, könnten auch die AirBerlin Flugzeuge wieder in der Luft sein....
    Hätte AirBerlin keine Luftverkehrsteuern zahlen müssen, wären sie auch nicht pleite....
    Warum beschweren sich vor allem die Manager, die sich dann ein Appel Kphone leisten für deutlich über 1.000 Euro, während es vergleichbare Smartphones für 250 Euro gibt?....
    Lufthansa zahlt Steuern, Appel?...
    Sind die Behörden auch bei den illegalen BitCoins alarmiert?

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