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Nach Brexit-Referendum British Airways wirbt mit Pfund-Crash

Was haben Luftfahrtaktien und die britische Währung gemeinsam? Sie sind an der Börse in den vergangenen Tagen heftig eingebrochen. Die Fluggesellschaft British Airways versucht, aus der Not eine Tugend zu machen.

Folge des Pfund-Crashs: Reisen nach Großbritannien werden auf einmal günstig

London Das britische Pfund hat schlimme Tage hinter sich. Mit Bekanntwerden der Ergebnisse des EU-Referendums in Großbritannien purzelte die Währung in der Nacht auf Freitag fast ins Bodenlose - von 1,50 Dollar auf 1,32 Dollar. Am Montag ging es sogar noch leicht unter diese Marke. Die Unsicherheit über die zukünftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union verschreckt Investoren.

Auch die Aktienmärkte sind in Mitleidenschaft gezogen worden, neben Finanztiteln vor allem Fluggesellschaften. Denn das Währungstief macht Flugreisen von der britischen Insel auf das europäische Festland oder zu anderen Kontinenten für Briten schlagartig teurer. Das Papier der British-Airways-Mutter IAG sackte allein am Montag um 16 Prozent ab. Mittlerweile notiert das Papier bei 370 Pence - 150 Pence niedriger als noch vergangenen Donnerstag.

Was tun, um möglichen Buchungsrückgängen zu entgegnen? British Airways macht aus der Not eine Tugend. Beim Kurznachrichtendienst Twitter wirbt die Fluggesellschaft am späten Montagabend für Reisen nach Großbritannien. Denn die seien durch den Pfund-Crash besonders attraktiv geworden. „Ihr Dollar hat Sie nie weiter gebracht“, schreibt die Airline. „Mit unserem drei Tage gültigen Angebot können Sie noch mehr von London sehen!“

Per Link werden die Internet-Nutzer auf ein Angebot geleitet, bei dem etwa Hin- und Rückflüge von Boston oder New York nach London ab 660 Dollar angeboten werden. Eine Einschränkung gibt es allerdings. Die Kampfpreise gelten nur für Flüge ab August/September. Bis dahin könnte sich das Pfund natürlich wieder erholt haben. Für die nächsten Wochen erwarten Devisenexperten allerdings weitere Rückschläge in Richtung von 1,20 Dollar für die britische Währung.

Bereits vor dem Referendum am vergangenen Donnerstag habe der IAG-Konzern mit sinkenden Buchungsnachfragen zu kämpfen gehabt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der operative Gewinn werde auch wegen zu erwartender Folgen des Brexit-Votums und des schwankenden Marktumfelds nicht mehr so deutlich steigen wie im Jahr 2015. Am Dienstag senkte auch der Konkurrent Easyjet die Gewinnprognose, die Aktie kollabierte ebenfalls.

Was der Brexit für den Luftverkehr bedeutet
Was bedeutet der Brexit für die einzelnen Beteiligten?
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Britische Touristen spüren schon in diesem Sommer die Folgen des vorerst nur angekündigten EU-Austritts: Mit ihrem abgewerteten Pfund erhalten sie in Europas Feriengebieten weniger fürs Geld – und die Flugreisen werden wegen des ungünstigen Verhältnisses zur Ölwährung Dollar auch gleich teurer. Die längerfristigen Folgen eines Brexit für die Luftfahrtbranche und damit auch für Passagiere in ganz Europa sind hingegen noch schwer absehbar. Billigfliegern dürfte der Preiskampf künftig schwerer fallen.

(Foto: AFP)
Die Branche
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Großbritannien steht nach Einschätzung des Weltairline-Verbandes IATA vor einem wirtschaftlichen Abschwung, der zusammen mit der Pfund-Abwertung die Zahl der Fluggäste von der und auf die Insel jährlich um 3 bis 5 Prozent schmälern wird. Im Vergleich zum US-Dollar werten Pfund und Euro in der Folge des Brexit eher ab, was zu höheren Belastungen durch die Kerosinrechnung führt.

(Foto: Reuters)
Die Passagiere
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Die wirtschaftlichen Probleme in Großbritannien verringern grundsätzlich den Spielraum der großen Billigflieger für weitere Kampfpreise. Ihr Wachstumskurs wie auch der wettbewerbsbedingte Preisverfall bei den Tickets dürften daher gebremst werden. Doch auch das ist nicht sicher: Ryanair und Co. müssen bei einer schwächeren Nachfrage auf der Insel notgedrungen Flugzeuge auf den Kontinent verlegen, was auch an abgelegenen Zielen für mehr Konkurrenz und sinkende Preise sorgen würde. Die Lufthansa würde mit ihrem Billigableger Eurowings gegenhalten. Deutschland ist aktuell der wichtigste Expansionsmarkt, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary betont. 2017 sei es sehr unwahrscheinlich, dass auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte der Airline-Chef dem „Wall Street Journal“. „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“

(Foto: AP)
Die Juristen
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Auch im Luftverkehr müssen die rechtlichen Beziehungen neu geordnet werden. Experten stellen in Frage, ob das innerhalb von zwei Jahren erreichbar ist. Das Vereinigte Königreich ist bislang Vollmitglied im weitgehend liberalisierten und vereinheitlichten Luftverkehrsmarkt Europa. Ob britische Gesellschaften auch nach einem Brexit überall in Europa starten und landen dürfen, ist zumindest fraglich. Weltweit üblicher sind Abkommen auf Gegenseitigkeit, die zwischen den EU-Staaten und Großbritannien neu ausgehandelt werden müssten. Die EU hat zudem mit Drittstaaten Luftverkehrsabkommen geschlossen, die für die Briten nicht mehr gelten würden und ebenfalls neu ausgehandelt werden müssten. Ökonomisch wichtig ist hier insbesondere der „Open-Skies“-Vertrag mit den USA.

(Foto: Reuters)
Die Billigflieger
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Kräftige Kursabschläge und die Easyjet-Gewinnwarnung machen klar: Zu den großen Verlierern des Brexit gehören von der ersten Minute an die beiden großen Billigflieger Ryanair und Easyjet, die nach Zahlen des Airline-Verbandes IATA 36 beziehungsweise 49 Prozent ihrer Kapazitäten im Großbritannien-Verkehr einsetzen. Ihre sehr preissensiblen Privatkunden dürften künftig weniger Geld für Flugtickets übrig haben als bislang. Der Chef des weltgrößten Reisekonzerns Tui, Fritz Joussen, bezweifelt jedoch, dass sich die Briten ihre „sehr ausgeprägte Reiselust“ so schnell nehmen lassen.

(Foto: dpa)
Die Billigflieger
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Die Billigflieger haben bislang wie niemand sonst vom einheitlichen europäischen Luftverkehrsmarkt profitiert, in dem sie ohne Einschränkungen in der EU Direktverbindungen etwa von Deutschland nach Spanien angeboten haben. Das wird sich für die irische Ryanair nicht ändern, die britische Easyjet könnte hingegen massive Probleme wegen fehlender Luftverkehrsrechte bekommen. Easyjet müsste sich in Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken, statt wie bislang von vielen Städten auf dem Kontinent aus zu Zielen in ganz Europa zu starten. Easyjet-Chefin Carolyn McCall prüft laut Berichten daher die Einrichtung eigener Flugbetriebe (AOC) in anderen EU-Staaten außerhalb Großbritanniens.

(Foto: Reuters)
Die Flughäfen
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Bei einem Ausscheiden Großbritanniens drohen nicht nur britischen Airports einschneidende Veränderungen. Während in Deutschland die Drehkreuze Frankfurt und München auf leicht positive Verlagerungseffekte aus London hoffen dürfen, sind beispielsweise Hamburg, Köln oder Berlin auf Ryanair und Easyjet als Kundschaft angewiesen. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, forderte die britischen Airlines im Gespräch mit dem Branchenportal airliners.de bereits auf, „möglichst schnell eine Lösung zu finden“, sofern sie Flughäfen in Deutschland anfliegen.

(Foto: dpa)

Der gefallene Kurs des Pfunds macht es für die britischen Gesellschaften etwa teurer, Kerosin zu kaufen, das in Dollar gehandelt wurde. Peter Morris, Chef der Beratungsfirma Ascend Flightglobal Consultancy, rechnet mit einem zehnprozentigen Rückgang der Fluggastzahlen von Großbritannien in die USA, berichtet die USA Today. In Folge dürfte die Zahl der transatlantischen Verbindungen schrumpfen.

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