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Nach Corona-Ausbruch Tönnies legt Hygienekonzept vor – Hauptwerk bleibt vorerst geschlossen

Die Behörden haben Tönnies den Betrieb im Hauptwerk für zwei weitere Wochen untersagt. Die Möglichkeit, Ausnahmen zu beantragen, soll den Eingriff abmildern.
03.07.2020 - 14:53 Uhr Kommentieren
Der Schlacht- und Zerlegebetrieb ist seit dem 17. Juni stillgelegt. Mehr als 1550 Beschäftige von Tönnies sind mit Corona infiziert. Quelle: imago images/Noah Wedel
Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Der Schlacht- und Zerlegebetrieb ist seit dem 17. Juni stillgelegt. Mehr als 1550 Beschäftige von Tönnies sind mit Corona infiziert.

(Foto: imago images/Noah Wedel)

Düsseldorf Der Fleischkonzern Tönnies hat den Behörden seinen Plan für die Wiedereröffnung des bundesweit größten Schlachtbetriebes vorgelegt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag über das soziale Netzwerk Twitter mit. Dennoch muss der Betrieb bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück hat am selben Tag eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen.

„In dieser Situation kann eine Wiederaufnahme des Betriebes am Standort noch nicht zugelassen werden“, teilten die Behörden am Freitag mit. Eine Rückkehr zur Normalität sei erst dann möglich, wenn wirksame Maßnahmen zur Beseitigung der hohen Infektionsrate konzipiert und ein entsprechendes Konzept genehmigt und umsetzungsfähig sei.

Die nun erlassene Verfügung untersage „alle betrieblichen Tätigkeiten auf dem Betriebsstandort“ und gebe die Voraussetzungen für die schrittweise Wiederaufnahme des Betriebes, von Teilen des Betriebes oder von Tätigkeiten der auf dem Betriebsgelände ansässigen Firmen vor, teilte die Stadt mit. Sie gilt vorerst bis zum 17. Juli.

In begründeten Einzelfällen könnten jedoch auf Antrag der Tönnies Holding Ausnahmen gemacht werden. Sollte einem solchen Antrag stattgegeben werden, würden die Hygiene- und Abstandsregeln des Robert-Koch-Instituts (RKI) gelten. Dass so einzelnen Personen der Zutritt gestattet werden kann, solle den Eingriff abmildern, heißt es zur Begründung.

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    Tönnies will das nun vorgelegte Hygienekonzept am Montag mit den Behörden besprechen. Das Unternehmen hofft, nach erfolgreicher Prüfung den Betrieb schon ab Donnerstag nächster Woche schrittweise wiederaufnehmen zu können. Letztlich sei das aber eine Entscheidung der Behörden, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt.

    Zuständig für die Prüfung ist die Ordnungsbehörde in Rheda-Wiedenbrück. Diese bezieht Gesundheitsamt und Arbeitsschutz mit ein, die dem Konzept ebenfalls zustimmen müssen. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales begleitet den Prozess. Auch wissenschaftliche Überprüfungen der vorgelegten Konzepte seien denkbar, teilte die Stadt mit.

    Im Fokus der Diskussion um eine mögliche Wiedereröffnung steht unter anderem ein Umbau des Lüftungssystems in den gekühlten Werksbereichen. Die bisherige Anlage hat die Ausbreitung des Virus offenbar begünstigt, hatte der Bonner Hygiene-Experte Martin Exner festgestellt.

    Bürgermeister Theo Mettenborg (CDU) hatte Vertreter der Landes- und Bezirksregierung, des Gesundheitsamtes sowie weiterer Behörden am Donnerstag zu einem kurzfristigen Treffen im Rathaus eingeladen, weil die bislang geltende Schließungsverfügung in der Nacht zu Freitag ausgelaufen ist.

    Tönnies habe zwar damit begonnen, die Ursachen für hohe Infektionsrate in dem Werk zu ermittelt, um Maßnahmen zur Abhilfe zu entwickeln. „Allerdings sind diese Untersuchungen und konzeptionellen Überlegungen bislang nicht abgeschlossen“, teilte die Stadt mit.

    Die Behörden kündigten zudem an, die Sachlage vor Fristablauf, oder wenn die Voraussetzungen für eine teilweise Wiederaufnahme des Betriebes zu einem früheren Zeitpunkt vorliegen sollten, neu zu bewerten. Die mit der Verfügung beschlossene Gesamtdauer der Werkschließung von einem Monat sei aufgrund der Schwere des Ausbruchs „noch als angemessen anzusehen.“

    Kritik an der anhaltenden Schließung

    „Ich sehe uns alle in der Pflicht, an einer sicheren Lösung mitzuarbeiten, die alle Aspekte des Gesundheitsschutzes und des Arbeitsschutzes berücksichtigt, um ein weiteres Infektionsgeschehen auszuschließen und die gleichzeitig eine schrittweise Wiederaufnahme des Betriebes ermöglicht“, so Bürgermeister Mettenborg.

    Unter Landwirten regt sich derweil Kritik an der anhaltenden Schließung der Fleischfabrik. Heinrich Dierkes, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), hatte zuvor kritisiert, dass nach zwei Wochen ruhender Produktion noch immer unklar ist, wann und wie es am größten deutschen Schlachthof weitergehen soll. Notwendig sei nun ein Zeitplan für die Wiederaufnahme des Betriebs.

    Von der Schließung seien alle deutschen Schweinehalter betroffen, denn in dem Tönnies-Betrieb würden im Normalbetrieb zwischen zwölf und 14 Prozent der deutschen Schweine geschlachtet. Der Schlachthof sei damit „systemrelevant“. Wöchentlich stauen sich der ISN zufolge in den Ställen zusätzlich bis zu 100.000 Schweine auf, die derzeit nicht geschlachtet werden können. „Damit lässt man uns Bauern einfach im Regen stehen“, kritisierte Dierkes. Dass die Landwirte nicht einmal ansatzweise wüssten, wie es weitergehen soll, sei ein unhaltbarer Zustand.

    Der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) hat zuvor mehrfach deutlich gemacht, dass der Kreis den Betrieb erst wieder erlauben werde, wenn von dem Werk keine Gefährdung für die Bevölkerung mehr ausgehe. Tönnies habe bis dahin noch „viele Hausaufgaben zu erledigen“. Er wolle es unbedingt vermeiden, so Adenauer, dass die Firma wieder läuft und gleichzeitig noch Kindergärten geschlossen sind.

    Mehr: Die Coronakrise stellt Tönnies' China-Pläne auf die Probe

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