Nach dem Abgang von Jürgen Gerdes Der Mann fürs Grobe – Uwe Brinks strebt in die Vorstandsriege der Deutschen Post

Uwe Brinks gilt bei der Post als Mann fürs Grobe. Nach dem Abgang von Postvorstand Jürgen Gerdes bringt er sich nun offenbar als Nachfolger ins Gespräch.
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Derzeit ist Uwe Brinks bei der Deutschen Post verantwortlich für die Sparte „Landfracht“. Quelle: DHL
Uwe Brinks

Derzeit ist Uwe Brinks bei der Deutschen Post verantwortlich für die Sparte „Landfracht“.

(Foto: DHL)

DüsseldorfDer graue Schnauzbart deutet auf rheinische Gemütlichkeit hin, die großväterlich wirkende Brille unter der hohen Stirn nicht minder. Dass Uwe Brinks seit 1983 bei der Deutschen Post sein Geld verdient, macht den 1964 geborenen Weseler nicht gerade zu einem typischen Karrieristen.

Untergebene im Bonner Dax-Konzern erleben ihn in diesen Tagen von einer anderen Seite. „Brinks verbreitet Angst und Schrecken“, sagt ein Mitarbeiter. Er schraube die Ziele in unglaubliche Höhen. „Und wenn jemand Bedenken anmeldet, wird Brinks cholerisch“, schildert ein Postler die Ausfälle seines Vorgesetzten. „Sein Gesicht wird rot wie eine Tomate, und er fängt an zu schreien.“

Derzeit ist Brinks in Bonn verantwortlich für die „Landfracht“, eine Sparte mit 13.000 Mitarbeitern und zuletzt 4,3 Milliarden Euro Jahresumsatz. In dieser Funktion berichtet er an Tim Scharwath, 52, im Post-Vorstand zuständig für die DHL-Division „Global Forwarding/Freight“. Doch in seiner Umgebung ist man sich einig: Der Mann will nach oben.

Dass der Weg frei ist, liegt an Jürgen Gerdes. Der Vorstand für das Brief- und Paketgeschäft musste im Juni gehen, weil seine Sparte trotz sprunghaftem Wachstum die Kosten nicht in den Griff bekam. Brinks harrte unter dem bulligen Gerdes 13 Jahre lang als Produktionschef für die Brief- und Paketbeförderung aus.

Der Niederrheiner galt als Mann fürs Grobe. Ihm trug Gerdes 2015 auf, die Ausgliederung der „Delivery“-Gesellschaften über die Bühne zu bringen, um Paketfahrer nicht mehr nach dem teureren Konzerntarifvertrag bezahlen zu müssen. Wochenlange Streiks waren die Folge, am Ende knickte Verdi ein.

„Kein Typ, der vermitteln kann“

Dann überwarf sich Brinks mit Gerdes. Nahestehende Unternehmensberater berichten, der Adlatus habe die hohen Zielvorgaben in der Sparte nicht mehr mittragen wollen. Mitarbeiter interpretieren den Wechsel als Flucht nach vorn. „Als Chief Operating Officer von Gerdes war Brinks mitverantwortlich“, sagt einer von ihnen. „Aber bevor ihm die schlechten Zahlen auf die Füße fallen konnten, lief er weg.

Im Januar 2017 wechselte Brinks überraschend an die Spitze des Wirkungsbereichs von Amadou Diallo. Den Senegalesen, bis dahin Chef der Post-eigenen Lkw-Flotte, schickte Konzernchef Frank Appel nach Dubai – angeblich auf dessen Wunsch, wie der Vorstandsvorsitzende auf Nachfrage versicherte.

Nur wenige Wochen zuvor war Brinks mit dem Ansinnen gescheitert, in den Vorstand des Dax-Konzerns aufzurücken. Wie Verdi-Vertreter berichten, hatte Appel den damaligen Post-Produktionschef als Nachfolger von Melanie Kreis, 47, im Amt des Personalchefs vorgeschlagen.

Den Aufstieg aber wusste Verdi zu verhindern. „Brinks ist kein Typ, der vermitteln kann“, begründete ein Gewerkschafter. „Der beißt alles weg, was sich links und rechts von ihm befindet.“ Dass der verhinderte Personalvorstand nicht aufgeben würde, war allerdings auch den Verdi-Leuten klar. „Der will noch was“, sagt ein Vertreter.

Angespannte Stimmung in der Belegschaft

Nun scheint die Zeit gekommen. Seit dem Abgang von Gerdes zieht Brinks alle Register, um endlich in den Konzernvorstand aufzurücken. Einerseits, berichten Mitarbeiter, umschmeichle Brinks Postchef Appel bei jeder Gelegenheit. Andererseits betreibe er ungebremsten Aktionismus. Gerade verteilte Brinks im Post-Tower auf gelbem Papier ein Thesenpapier, das ihnen unter der Überschrift „Strategie Freight 2020“ einen gehörigen Schrecken verpasste.

Den Betriebsgewinn, verlangt Brinks, sollen sie von 75 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 200 Millionen Euro steigern, und das schon bis 2020. Auch „Branchenführer“ möge seine Sparte werden. Bislang ist der Wettbewerber DB Schenker um die Hälfte größer.

Zur Ermunterung fügte Brinks seinem Aufruf Motivationslyrik wie diese hinzu: „Nur wenn wir uns gegenseitig vertrauen, werden wir unsere Ziele erreichen und übertreffen.“ Oder: „Wenn wir lieben, was wir tun, dann erschaffen wir eine attraktive Arbeitsumgebung, begeistern unsere Kunden und überzeugen die Kapitalmärkte von unserer Stärke.“

Offiziell will sich die Post auf Anfrage nicht zu diesem Thema äußern. Unter Bonner Mitarbeitern aber ist die Begeisterung über Brinks’ Wirken begrenzt. Umfragen in seinem neuen Arbeitsbereich zeigen eine deutlich sinkende Stimmung in der Belegschaft. Trotzdem stehen Aufstiegschancen des Fußballfans, der zeitweilig dem MSV Duisburg als Aufsichtsrat diente, besser als Ende 2016. Das jedenfalls zeigen Äußerungen von Frank Appel.

Aktuell leitet der 57-jährige Konzernchef die Brief- und Paketsparte selbst. Als ihn Analysten am 7. August in einer Telefonkonferenz auf einen Nachfolger in der Sparte ansprachen, erklärte dieser: Natürlich schaue man sich für die Gerdes-Nachfolge auch extern um. „Die Leute, an die ich denke, stehen aber kurzfristig zur Verfügung.“

Doch Brinks wird sich noch gedulden müssen. Zunächst will Appel selbst einen „Masterplan“ erstellen, wie es mit dem Brief- und Paketgeschäft in Zukunft weitergehen soll. Eine Stabübergabe plant er nach eigenen Angaben erst 2019.

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