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Nach Druck von Aktionären Unilever-Konzernzentrale bleibt in London

Unilever behält seine Hauptsitze in Rotterdam und London. Die britische Regierung dürfte das freuen, in den Niederlanden entfacht das aber eine Debatte über die Dividendensteuer.
Update: 05.10.2018 - 10:15 Uhr Kommentieren
Unilever gibt Aktionäre nach – Konzernzentrale bleibt in London Quelle: Reuters
Der Unilever-Sitz in Rotterdam...

... wird weiterhin nicht die einzige Zentrale bleiben. Auch der Sitz in London soll fortbestehen.

(Foto: Reuters)

London, Hamburg Der Konsumgüterkonzern Unilever hat seine umstrittenen Umzugspläne aufgegeben. Am Freitagmorgen verkündete der Verwaltungsrat des britisch-niederländischen Unternehmens, von seinen Plänen Abstand zu nehmen.

Ursprünglich wollte Unilever seine jahrzehntelange Doppelstruktur mit zwei rechtlichen Hauptsitzen, einem in London und einem in Rotterdam, zugunsten des europäischen Hauptsitzes auflösen. Zwar sollten noch immer Sparten aus London heraus gesteuert werden, der rechtliche Hauptsitz wäre aber in den Niederlanden gewesen.

Das hätte weitreichende Folgen für die Aktionäre gehabt: Die Aktien in London wären aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Londoner Auswahlindex FTSE 100 gefallen, sodass institutionelle Investoren, die dem Aktienindex als Benchmark folgen, die Aktien hätten verkaufen müssen. Und die britischen Investoren, die die niederländischen Unilever-Aktien gekauft hätten, hätten vermutlich für Dividenden Steuern zahlen müssen.

Auf Seiten der Fonds, die gegen das Vorhaben öffentlich protestiert hatten, kam die Kehrtwende gut an. „Wir freuen uns, dass Unilever die Bedenken der Anteilseigner aufgenommen hat und sich entschlossen hat, den Vorschlag zu revidieren“, sagte Mirza Baig von der Fondsgesellschaft Aviva Investors. „Wir sind der Meinung, dass es im besten Interesse der britischen Anteilseigner und der britischen Gesellschaft ist, zusätzlich zu dem Hauptsitz in den Niederlanden einen in Großbritannien zu behalten.“

Bei Anlegern in den Niederlanden kommt die Entscheidung von Unilever derweil nicht gut an. Es sei eine schlechte Nachricht für die niederländischen Aktionäre, sagte Paul Koster von der Vereinigung der Aktionäre VEB dem Radiosender BNR. Die Vereinfachung der Aktionärsstruktur wäre „einfach eine gute Idee“ gewesen, meinte er. Die Führungsspitze von Unilever habe sich offenbar verkalkuliert. Er räumte jedoch ein, die Frage der Dividendensteuer sei für die britischen Anleger offenbar nicht ausschlaggebend gewesen.

Wie stark der Widerstand der Investoren aus Großbritannien geworden wäre, hätte sich Ende Oktober gezeigt. Dann sollten die Anteilseigner auf außerordentlichen Hauptversammlungen in den Niederlanden und Großbritannien über das Vorhaben abstimmen.

„Wir hatten eine umfangreiche Phase der Zusammenarbeit mit den Aktionären und haben breite Unterstützung für das Prinzip der Vereinfachung erhalten“, erklärte Unilever nun. „Wir erkennen jedoch an, dass der Vorschlag von einer bedeutenden Gruppe von Aktionären nicht unterstützt wurde und halten daher einen Rückzug für angemessen.“

Dabei sei man nach wie vor der Meinung, dass die Vereinfachung der Struktur im Laufe der Zeit Möglichkeiten bieten würde, „die Wertschöpfung weiter zu beschleunigen und den langfristigen Interessen von Unilever bestmöglich zu dienen“.

Offen ist nun, wie der langjährige Unternehmenschef Paul Polman auf die Entscheidung reagieren wird. Die Umstrukturierung des Konzerns, der mehr als 400 Marken von Magnum-Eiscreme über Knorr-Tütensuppen bis zu Domestos-Reiniger und Axe-Deo im Angebot hat, galt als das letzte größere Projekt des Niederländers vor seinem Abschied, den er intern angekündigt haben soll.

In London dürfte die Kehrtwende von Unilever positiv gesehen werden. Und auch die britische Regierung dürfte sich freuen. Zwar hatte das Unilever-Management betont, dass der Umzug nichts mit dem bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens zu tun habe, doch das war in vielen Brexit-Debatten nicht beachtet worden.

In den Niederlanden wiederum entfacht der Rückzieher von Unilever die Debatte über die Abschaffung der Dividendensteuer neu. Premierminister Mark Rutte hatte die Abschaffung der Steuer in Höhe von 15 Prozent kurz vor der ursprünglichen Entscheidung von Unilever für Rotterdam angekündigt. Daher war die Vermutung entstanden, der konservative Politiker habe dem Großkonzern damit die Entscheidung für den Sitz in den Niederlanden erleichtern wollen.

„Das allerletzte Argument für die Abschaffung fällt nun weg“, twitterte der Chef der Partei Grün-Links. Auch die Sozialdemokraten der Arbeitspartei äußerten sich kritisch. Die Partei von Premierminister Mark Rutte, VVD,  hatte hingegen schon am Vortag angekündigt, unabhängig von Unilever an der Abschaffung der Steuer festhalten zu wollen.

„Es geht um eine breitere Perspektive, in der auch der Brexit, die US-Steuerreform und drohende Handelskriege eine Rolle spielen“, sagte der finanzpolitische Sprecher der VVD am Donnerstag im Parlament.

Ab 2020 entgehen dem niederländischen Fiskus durch die Abschaffung jährlich 1,9 Milliarden Euro – mehr als ursprünglich kalkuliert. Daher dürfte die Abschaffung auch beim Parteitag des Koalitionspartners D66 am Samstag für Debatten sorgen. Damit könnte die Unilever-Entscheidung dazu führen, dass die Entlastung für Aktionäre nun doch nicht durchgeht.

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