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Nach Staatseinstieg Expertise für die Lufthansa: Titzrath und Kerkloh sollen in den Aufsichtsrat

Die Airline schlägt die Chefin des Hamburger Hafens und den Ex-Chef des Flughafens München als Vertreter des Bundes vor. Der lässt sich Zeit.
19.08.2020 - 12:03 Uhr Kommentieren
Die 54-jährige Managerin wird als Kandidatin des Bundes für einen Posten im Aufsichtsrat von Lufthansa gehandelt. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Angela Titzrath, CEO des Hamburger Hafens

Die 54-jährige Managerin wird als Kandidatin des Bundes für einen Posten im Aufsichtsrat von Lufthansa gehandelt.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Frankfurt, Berlin Vielleicht hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) gerade wichtigere Themen auf seinem Tisch liegen. Die gerade erfolgte Berufung zum Kanzlerkandidaten der SPD etwa oder die Folgen des Wirecard-Skandals. Fest steht: Die geplante Berufung von zwei Aufsichtsratsmitgliedern des Bundes in das Kontrollgremium von Lufthansa zieht sich länger hin als erwartet.

Eigentlich – so ist aus Kreisen von Lufthansa und der Regierung zu hören – war geplant, am Freitag vergangener Woche über die Personalien zu entscheiden. Doch bisher heißt es in Berlin: „Es gibt keine Entscheidung.“

Dabei kursieren längst Namen. So soll ein Sitz an den ehemaligen Münchener Flughafenchef Michael Kerkloh gehen, der andere an Angela Titzrath, die Vorstandsvorsitzende des Hamburger Hafenbetreibers HHLA. Sowohl Lufthansa als auch das Bundesfinanzministerium schweigen seit Tagen beharrlich zu den Informationen. In Kreisen werden die Namen allerdings bestätigt.

Vorgeschlagen hat die beiden Lufthansa-Chefkontrolleur Karl-Ludwig Kley. In der Rahmenvereinbarung für das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket für Lufthansa ist das so geregelt, im Zuge dessen der Bund mit rund 20 Prozent bei Lufthansa eingestiegen ist. Kley nennt für jeden der beiden Sitze zwei Kandidaten, der Bund kann zustimmen oder ablehnen. Lehnt Berlin die Vorschläge ab, müsste Kley erneut in die Kandidatensuche gehen, das Ganze beginnt von vorn.

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    Doch so weit soll es nach Möglichkeit nicht kommen. Da zu erwarten war, dass die Liste mit den vorgeschlagenen Namen schnell an die Öffentlichkeit gelangen würde, wäre die Ablehnung eines Kandidaten oder einer Kandidatin durch den Bund für die betreffenden Person eine ziemlich peinliche Angelegenheit.

    „Herr Kley war ziemlich sauer, dass die Namen von Titzrath und Kerkloh so schnell die Runde machten“, heißt es im Umfeld von Lufthansa. Deshalb – so ist zu hören – hat Kley entsprechende Vorsondierungen unternommen. Dabei soll sich der Bund grundsätzlich positiv zu den Vorschlägen geäußert haben.

    Mit seinen Vorschlägen versucht Kley, gleich mehrere Vorgaben zu erfüllen. Zum einen ist eine Frau unter den Kandidaten. Das hatte sich der Bund, der seit Längerem für mehr Frauen in Führungsverantwortung kämpft, gewünscht. Zum anderen haben beide Kandidaten eine große Expertise im Verkehrsbereich vorzuweisen. Das garantiert eine gewisse Unabhängigkeit vom Staat. Zugleich haben beide aber auch viel Erfahrung im Umgang mit der öffentlichen Hand als Anteilseigner.

    Viel Erfahrung im Umgang mit der öffentlichen Hand als Aktionär

    Die 54-jährige Titzrath, eine gebürtige Essenerin, ist seit Anfang 2017 Vorstandschefin bei der Hafengesellschaft. Die ist zwar börsennotiert, doch gut 68 Prozent der Anteile liegen in der Hand der Freien und Hansestadt Hamburg. Als Titzrath den Posten antrat, wurde sie zunächst als „teuerste Azubine Hamburgs“ verspottet. Schließlich hatte sie bis dato niemals mit Schiffen zu tun gehabt.

    Titzrath studierte in Bochum Wirtschaftswissenschaften und romanische Philologie und begann ihre Karriere als Managerin beim Autokonzern Daimler. Dort war sie unter anderem für den Vertrieb im Geschäftsbereich Busse zuständig. Einige Zeit verbrachte sie zudem im Ausland, etwa als Geschäftsführerin der Finanzierungsparte in Kanada und als kaufmännische Leiterin des Mercedes-Benz-Werks in Vitoria, Spanien.

    Ab 2012 war die Managerin dann im Vorstand der Deutschen Post, auch das ein Unternehmen mit dem Bund als Anteilseigner. Dort war sie zuletzt für Personal verantwortlich.

    In Hamburg bewies die selbstbewusst und durchaus forsch auftretende Managerin, die fünf Sprachen spricht, dass der Vorwurf der teuren Auszubildenden nicht zutraf. Recht schnell nach ihrem Amtsantritt legte der Umsatz der Hafengesellschaft zu, die Stadt konnte sich über steigende Ausschüttungen freuen. Auch zeigte Titzrath, dass sie in der Lage ist, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. „Frau Titzrath wäre für den Aufsichtsrat sicher eine Bereicherung“, heißt es im Lufthansa-Umfeld.

    Der 67-Jährige gilt als Luftfahrtexperte und Kenner der Lufthansa. Quelle: picture alliance / Peter Kneffel
    Michael Kerkloh, der ehemalige Chef des Münchener Flughafens

    Der 67-Jährige gilt als Luftfahrtexperte und Kenner der Lufthansa.

    (Foto: picture alliance / Peter Kneffel)

    Das gilt auch für Michael Kerkloh. Der 67-Jährige wurde Ende 2019 nach 18 Jahren als Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens München in den Ruhestand verabschiedet. Davor war er Flughafen-Chef in Hamburg und zeitweise Leiter der Flugzeugabfertigung am Frankfurter Airport.

    Für Kerkloh wäre eine Berufung in das Kontrollgremium die Rückkehr in seine Lieblingsbranche. Der gebürtige Westfale gilt als Luftfahrtexperte und als Kenner der Lufthansa noch dazu. Die Münchener Flughafengesellschaft arbeitet seit Jahren eng mit der Airline zusammen, gemeinsam wird sogar ein Terminal betrieben. In den zurückliegenden Jahren wurde das Drehkreuz München deshalb eine immer stärkere Konkurrenz für den Heimatflughafen von Lufthansa in Frankfurt – nicht zuletzt ein Verdienst Kerklohs.

    Für Lufthansa-Chef Carsten Spohr wäre Kerkloh deshalb wohl ein eher angenehmer Kontrolleur. Allerdings auch einer, der es bestens versteht, mit der öffentlichen Hand als Anteilseigner umzugehen. Über Jahre kämpfte der Manager in München für den Bau einer dritten Startbahn – und scheiterte am Ende an der Politik.

    Deshalb frustriert aufzugeben kam für ihn aber niemals infrage. „Kerkloh ist jemand, der dann und wann mit klaren Aussagen aneckt, es aber immer versteht, die Situation schnell wieder zu schlichten“, sagt ein Wegbegleiter über den Luftfahrtmanager.

    Wann der Bund nun über die Personalien entscheiden wird, ist offen. Zwar liegt die Entscheidung vor allem beim Bundesfinanzministerium. Aber Scholz, so ist zu hören, muss sich natürlich mit anderen Ressortchefs, etwa dem Wirtschaftsminister, abstimmen. Das könne aber jetzt sehr schnell gehen.

    Bei Lufthansa jedenfalls ist alles vorbereitet, wie zu hören ist. Selbst mit den beiden Kandidaten im Aufsichtsrat, die für die Vertreter des Bundes ihren Platz räumen müssen, habe Chefkontrolleur Kley bereits alles geregelt. Wer die beiden sein werden, dazu wird allerdings eisern geschwiegen.

    Mehr: Lufthansa: Der harte Kampf um den Verzicht

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