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Nach Verjüngungskur MS Deutschland sticht wieder in See

Das "Traumschiff" MS Deutschland hat neben großen Gefühlen in der ZDF-Serie noch eine ganz andere Geschichte. Nach dem Eigentümerwechsel und dem Brand an Bord wird das Kreuzfahrtschiff am Montag wieder in See stechen.
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München Alles wird aussehen wie immer. Nach einer kurzen Renovierungspause in der Werft startet das luxuriöse Kreuzfahrtschiff "Deutschland" am Montag von Kiel aus wieder in See und nimmt Kurs auf Norwegen.

Auch die Teams des ZDF sind bei den nächsten Fahrten wieder an Bord. Mit großem Staraufgebot drehen sie neue Folgen des TV-Klassikers "Traumschiff".

Liebe, Tränen und große Gefühle bekommen die Zuschauer zu sehen. Aber der Schein trügt. Auf Deutschlands "schwimmendem Grandhotel" der Reederei Deilmann im holsteinischen Neustadt ist vieles nicht mehr so, wie es war.

Das Traumschiff hat Alpträume hinter sich - die stürmische See eines Eigentümerwechsels: Sieben Jahre nach dem frühen Tod des Firmengründers Peter Deilmann mussten seine Töchter Gisa und Hedda den Familienbetrieb letztes Jahr aufgeben. In der Finanzkrise war die US-Kundschaft ausgeblieben, der Umsatz halbierte sich auf 50 Millionen Euro, hieß es in der Branche. Deilmanns Flusskreuzfahrtschiffe fuhren in die Insolvenz.

Und das noble Aushängeschild der Reederei wurde nach einem Brand an Bord vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Mit der Münchener Private-Equity-Gruppe Aurelius fand die "Deutschland" einen neuen Eigentümer; die Gründerfamilie behielt nur fünf Prozent.

Jetzt ist der prominente Kreuzer wieder auf den Weltmeeren unterwegs. "Es ist ein positives Signal, dass dieses traditionsreiche Schiff dem deutschen Markt erhalten bleibt", freut sich Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen Reise-Verbands DRV.

Das Schiff trage mit dazu bei, dass der deutsche Kreuzfahrtenmarkt weiter wachsen kann. Immerhin gab es im vergangenen Jahr fast 18 Prozent Zuwachs bei den Hochseekreuzfahrten und mehr als eine Million deutscher Passagiere.

Stammgäste des Schiffs, das der neue Deilmann-Geschäftsführer Andreas Demel als "Ocean-Liner der 20er-Jahre", vergleichbar dem Atlantikkreuzer "Queen Elizabeth II" einschätzt, werden an Bord schnell merken, dass sich einiges geändert hat. Das in der Fünf-Sterne-Kategorie fahrende Schiff für etwa 500 Passagiere soll neue Zielgruppen ansprechen: Mit erweiterten Angeboten an Bord und in den Häfen sollen nicht nur aktive Senioren, sondern auch gut verdienende Kunden der Gruppe "50+" angelockt werden.

Das gastronomische Niveau an Bord ist hoch. Das Schiff ist mit der "Selektion Deutscher Luxushotels" assoziiert. Dazu zählen etwa das "Brenner's Park" in Baden-Baden, das "Vier Jahreszeiten" in Hamburg oder das "Excelsior Ernst" in Köln.

Peter Tönnishoff, Herausgeber des jährlich erscheinenden Kreuzfahrtenmagazins "Welcome Aboard", glaubt, dass die Verjüngungskur gelingen kann: "Das Deilmann-Flaggschiff punktet im internationalen Wettbewerb mit der Bordsprache Deutsch, mit einer hervorragenden Küche und engagiertem Service." Auch die überschaubare Größe sei im Zeitalter der Megacruiser von Vorteil.

Es gibt Fahrräder an Bord, in Thailand bieten die Veranstalter Elefantenpolo an, in St. Petersburg ein Dinner im Katharinen-Palast, auf Hawaii eine Unterwassertour per U-Boot. "Wir versuchen an unseren Zielorten solche Dinge anzubieten, die der Individualtourist nicht machen kann", sagt Demel, der vor seinem Reederjob Unternehmensberater war.

Branchenfremd ist auch Dirk Markus, Vorstand des Finanzinvestors Aurelius. Befürchtungen, das traditionsreiche Schiff sei nun in den Händen einer skrupellosen "Heuschrecke", versucht er auszuräumen: "Wir sind keine Fondsgesellschaft, wir haben viel Familiengeld und vor allem Geduld."

Beides, Geld und Geduld, habe man gerne in das Schiff gesteckt, das für Markus "ein schönes, spannendes Produkt" ist. Man werde der Reederei beim Geschäft viele Freiheiten lassen, nicht anders als die Engagements bei Blaupunkt und Berentzen.

"Dabei werden wir beweisen, dass wir es besser machen können als in der Vergangenheit", sagt Markus. "Wir werden die Reederei wie ein Unternehmen betreiben und nicht wie eine private Yacht."

Über den Kaufpreis schweigt Aurelius; Branchenkreise vermuten einen guten zweistelligen Millionenbetrag. Die "Deutschland" sei kein Schnäppchen, sie habe "eine Menge Substanz", sei gut gepflegt, sagt Markus. Der Neustart in der Luxusnische des Kreuzfahrtbooms erlebt 2012 ein plakatives Großereignis: Während der Olympischen Spiele in London wird das Traumschiff als "deutsches Schiff" an der Themse vor Anker gehen. In altem Glanz, genau wie früher.


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