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Umweltbewusst

Ausrüstungshersteller verzichten größtenteils auf Chemikalien wie PFC.

(Foto: Vaude)

Nachhaltige Sportausrüstung Jacken aus Kaffeesatz, Hosen aus Fischernetzen – So umweltfreundlich kann Outdoor-Kleidung sein

Outdoor-Hersteller setzen immer häufiger natürliche oder recycelte Materialien ein. Trotzdem soll die Ausrüstung genauso gut vor Wind und Regen schützen – und mehr.
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München Eine halbe Tonne Kaffeesatz sammeln die Mitarbeiter von Singtex jeden Tag ein: Sie klappern die Läden von 7-Eleven ab und auch die Cafés von Starbucks. Die körnige, braune Masse nimmt das Taiwaner Unternehmen, um Garn zu ummanteln. Die Fäden wiederum bestehen aus wiederverwerteten Plastikflaschen.

Diese Kombination ist einerseits umweltfreundlich. „Wir denken grün“, betont Singtex-Manager Tony Wang. Es gibt aber auch einen ganz praktischen Nutzen: Das Gewebe neutralisiert Körpergerüche, der Träger müffelt nicht. Unter dem Namen „S-Café“ vermarktet Singtex den Stoff. Einer der großen Kunden in Europa ist Schöffel.

„Für uns ist das ein Differenzierungsmerkmal“, erklärt Johanna Keinath, Produktmanagerin der schwäbischen Outdoor-Marke. „S-Café“ sei nicht nur geruchshemmend. Das Material trockne schnell, schütze vor UV-Strahlen und senke die Temperatur auf der Haut um ein, zwei Grad.

So wie Schöffel, so setzen immer mehr Allwetterausrüster auf natürliche und recycelte Materialien. Das hat seinen Grund: Nachhaltig hergestelltes Equipment ist dem Kunststoff inzwischen in weiten Teilen ebenbürtig. Das heißt: Die Kunden müssen keine Abstriche an der Funktion hinnehmen.

Wer mag, der kann sich heute praktisch komplett mit nachhaltig hergestelltem Equipment eindecken. Die Marken verzichten inzwischen größtenteils auf per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFC. Diese Stoffe wurden jahrzehntelang eingesetzt, damit Jacken und Schuhe dauerhaft Schmutz und Wasser abweisen.

Für die Menschen in Produktionsländern wie China oder Indonesien ist PFC den Umweltschützern von Greenpeace zufolge jedoch eine Gefahr, weil die Chemikalien über das Abwasser in die Umwelt gelangen können. Dazu kommt: Selbst wenn die Käufer nicht unmittelbar krank werden, so seien die Stoffe auch ihrer Gesundheit nicht dienlich.

Kunststoffalternativen von Daunen bis Denim

Die Industrie stellt jetzt in großem Stil um. Einer der Pioniere nachhaltiger Shirts, Shorts und Schuhe ist Vaude. Das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Tettnang verzichtet als einer der ersten Anbieter seit vergangenem Jahr in allen textilen Bestandteilen der Bekleidungskollektionen auf PFC. Bei Stiefeln, Rucksäcken und Zelten liegt die Quote Firmenangaben zufolge bei 96 Prozent.

In der neuen Textil-Kollektion besteht das wasserabweisende Hauptmaterial beispielsweise aus einem biobasierten Nylon, das aus Rizinusöl gewonnen wird. Die kurzen Hosen der nächsten Sommersaison sind aus Recycling-Polyamid, das zum Teil aus alten Fischernetzen hergestellt wird.

Damit nicht genug: Im Herbst brachte Vaude den ersten Fleece-Stoff in die Läden, dessen Fasern biologisch abbaubar sind, auch im Meerwasser. So will die Firma verhindern, dass das sogenannte Mikroplastik die Gewässer verschmutzt.

Die Konkurrenz ist Vaude aber auf den Fersen. Für 2019 hat auch der deutsche Marktführer Jack Wolfskin angekündigt, auf PFC zu verzichten. Die Marken können dabei auf immer mehr Zulieferer zurückgreifen, die nachhaltige Materialien anbieten. Sympatex aus München ist bekannt für seine PFC-freien und recycelbaren Textilien, die ebenso atmungsaktiv und wasserdicht sind wie die mit Chemikalien belasteten Stoffe.

Seit einiger Zeit steuert auch Gore um, der amerikanische Hersteller von Gore-Tex. Die wohl bekannteste Marke der Outdoor-Welt setzt zunehmend wiederverwerteten Kunststoff ein und lässt PFC außen vor.

Es geht nicht nur um Regenjacken, auch Skifahrer können sich umweltfreundlich einkleiden: Zulieferer Primaloft bietet inzwischen eine Isolierung für Jacken an, die zu 100 Prozent aus wiederverwerteten Flaschen besteht. Wer seine Ausrüstung nachträglich imprägnieren möchte, kann auf PFC-freies Spray der deutschen Firma Fibertec zurückgreifen. Zahlreiche Schuhhersteller verwenden Leder, das chromfrei gegerbt wurde.

Die US-Firma Patagonia gehört zu den Anbietern, die schon lange ein besonderes Augenmerk auf die Umwelt legen. Die Amerikaner verwenden gerne Hanf und Bio-Baumwolle, vor allem aber setzen sie auf Recycling-Materialien, von Daunen über Denim bis hin zu wiederverwerteter Wolle.

Ausrüstung mieten statt kaufen

Damit nicht genug: Eagle Creek verarbeitet ausgediente Windschutzscheiben zu Taschen und Rucksäcken. Der Vorteil der innovativen Beschichtung: So wie beim Auto, so perlt auch an dem Outdoor-Equipment das Wasser ab, Dreck bleibt nicht so leicht hängen.

Mitunter sind es nur kleine Details, die eine Outdoor-Jacke ein bisschen umweltfreundlicher machen. Die schwedische Marke Haglöfs etwa hat Reißverschluss und Knöpfe so entwickelt, dass jeder Besitzer diese einfach selbst reparieren und austauschen kann. Damit will das Label sicherstellen, dass die Ware möglichst lange genutzt wird.

Nachhaltig ist auch ein ganz anderer Ansatz, den Vaude verfolgt: Die Kunden können Rucksäcke, Zelte, Fahrradtaschen oder Reisegepäck einfach bei dem Hersteller mieten; online, oder in den Läden der Marke. „Wir entwickeln nicht nur nachhaltige Produkte, sondern machen uns auch Gedanken über nachhaltige neue Geschäftsmodelle“, sagt Vaude-Managerin Lisa Fiedler.

Für alle, die nicht gerade wochenlang verreisen, ist es allemal günstiger als Kaufen: Rucksäcke gibt es ab vier Euro pro Tag zu leihen, Zelte ab acht Euro am Tag.

Für die Outdoor-Marke Schöffel zahlt es sich aus, mit dem Stoff aus Kaffeesatz zu werben. „Die Kunden sind sehr interessiert, die Nachfrage wächst ungemein“, sagt Produktmanagerin Keinath. Vielleicht werden eines Tages auch gebrauchte Teeblätter eingesetzt, meint Singtex-Manager Wang: „Wir testen das.“ Es würde passen zu dem Unternehmen, schließlich ist Taiwan ein Land der Teetrinker.

Lesen Sie mehr über Trends und Innovationen in der Sportindustrie in unserem 22-seitigen Dossier „Fit in die Zukunft“.

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