Naketano-Aus „Ihr könnt doch nicht einfach aufhören“

Shop-Schließung trotz Millionen-Profiten: Handel und Kunden reagieren geschockt auf das angekündigte Ende von Naketano. Das Aus für die Essener Modemarke bleibt ein Rätsel – und ist Anlass für wilde Spekulationen.
1 Kommentar
Händler und Kunden reagieren mit Bedauern auf das Aus für das Modelabel. Quelle: Steinharter, Hannah
Naketano-Firmensitz

Händler und Kunden reagieren mit Bedauern auf das Aus für das Modelabel.

(Foto: Steinharter, Hannah)

Essen, DüsseldorfEs herrscht reges Kommen und Gehen in dem unscheinbaren Bürogebäude im Essener Süden. Türen knallen, Aufzüge fahren in die oberen Etagen, Angestellte gehen in die Pause. Fast alle von ihnen tragen die Jacken mit den weißen Kordeln und dem Lederemblem auf dem Ärmel. Kein Wunder, denn Naketano hat hier seinen Hauptsitz. Die Jacken und Hoodies des Essener Modelabels scheinen bei den Mitarbeitern zur Arbeitsuniform zu gehören. Doch angesprochen auf die bevorstehende Betriebsschließung wollen die Mitarbeiter keinen Kommentar abgeben.

Auch der Empfang der Firmenzentrale wiegelt ab: Eine Mitarbeiterin schlägt die gläserne Tür mit dem Naketano-Aufdruck schnell wieder zu: „Dazu sagen wir nichts. Wir geben keinerlei Auskünfte“, sagt sie. Das überraschende Aus für Naketano, das die Gründer am Mittwoch in einer dürren Mitteilung an die eigenen Kunden im Handel bekanntgaben, bleibt rätselhaft.

Überrascht zeigt sich auch das Management von Galeria Kaufhof in Köln. Wolfgang Link, Europachef der Kaufhof-Mutter HBC, hatte noch im Oktober vergangenen Jahres im Interview mit dem Handelsblatt die Marke Naketano erwähnt, mit der er dem Kaufhausriesen unter anderem neue Impulse geben wollte. „Die Marke ist sehr produktiv“, sagte am Donnerstag ein Kaufhof-Sprecher dem Handelsblatt. „Da wird es eine große Herausforderung, eine andere ähnlich starke Marke zu finden.“

Kleider machen Milliardäre
Platz 10: Burberry
1 von 10

Der Hoflieferant von Queen Elizabeth und Prince Charles gehört zu den luxuriösesten Modelabels der Welt – und zu den teuersten. Gegründet wurde das Unternehmen 1856. Seit 1920 ist Burberry an der Londoner Börse notiert, die Marke ist Mitglied im FTSE 100 Index.

Umsatz 2015: 3,4 Milliarden Euro*

*Geschäftsjahr 2014/15

Quelle: Umsatzrangliste europäischer Bekleidungsmarken nach der Zeitschrift „TextilWirtschaft“, dfv-Mediengruppe

Platz 9: Prada Group
2 von 10

Die bekannteste Marke der Prada Group ist heute noch Prada, allerdings sind Marke und Unternehmen nicht mehr synonym: Weitere Marken der Prada Group sind Miu Miu, Church’s und The Original Car Shoe. Das Unternehmen Prada wurde 1913 von Mario und Martino Prada gegründet, 1919 stieg der exklusive Hersteller von Handschuhen, Taschen und Koffern zum königlichen Hoflieferanten auf. 1978 übernahm Miuccia Prada, Enkelin von Firmengründer Mario, die Geschäfte und baute die Prada Group zu einem global agierenden Modekonzern aus. Prada eröffnete erst im Jahr 1983 ein zweites Ladenlokal, wie das erste in Mailand liegend.

Umsatz 2015: 3,5 Milliarden Euro

Platz 8: Next
3 von 10

Der britische Modehändler Next, 1982 gegründet, besitzt mittlerweile nach eigenen Angaben über 500 Geschäfte im Vereinigten Königreich und Irland, sowie „nahezu“ 200 Franchise-Stores in 40 Ländern. Er ist mittlerweile zum führenden Online-Modehändler Großbritanniens aufgestiegen und liefert seine Kollektionen in über 72 Länder. Next setzt auf eigene Designs und vertreibt ausschließlich die eigene, gleichnamige Modemarke.

Umsatz 2015: 5,6 Milliarden Euro

Platz 7: C&A
4 von 10

Im Jahr 1841 gründeten die Brüder Clemens und August Brenninkmeijer das Unternehmen 'C. en A.' und eröffneten ein Geschäft, das als eines der ersten Kleidung in Konfektionsgrößen verkaufte. Bis heute befindet sich das Unternehmen in mittlerweile sechster Generation in Besitz der Familie Brenninkmeijer. C&A ist mit 1575 Filialen in 21 europäischen Ländern vertreten und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter.

Umsatz 2015: 6 Milliarden Euro

Platz 6: Primark
5 von 10

Die erste deutsche Filiale des 1969 gegründeten Textil-Discounters wurde 2009 in Bremen eröffnet, mit mittlerweile 20 Läden ist die Bundesrepublik das Land mit den drittmeisten Primark-Filialen außerhalb des Vereinigten Königreichs. Strategie des irischen Unternehmens ist es, auf in der Regel mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche modische Textilien, Schuhe und Accessoires zu extrem niedrigen Preisen anzubieten – damit ist der Konzern anders als andere Textil-Discounter vor allem bei jungen Menschen erfolgreich. Wegen Arbeits-, Lohn- und Produktionsbedingungen in Billiglohnländern steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik.

Umsatz 2015: 7,6 Milliarden Euro

Platz 5: Kering
6 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet und bis 2005 von diesem geführt. Seit dem 21. März 2005 wird der Konzern von Pinaults Sohn, François-Henri Pinault (im Bild), geleitet. Der Name Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnliche Umsätze.

Umsatz 2015: 11,5 Milliarden Euro

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2015: 12,3 Milliarden Euro

Gleichzeitig sagte der Sprecher, dass sich das Management bereits „Gedanken mache, Ersatz zu finden“, der auf einer Fläche mit anderen Marken angeboten wird. Aber man schaue sich auch genau an, was denn nun mit Naketano weiter passiere.

Angelika Schindler-Obenhaus vom mittelständischen Einkaufsverbund Katag in Bielefeld hält die Entscheidung der Naketano-Inhaber für „kurios und nicht nachvollziehbar“, wie sie dem Branchenblatt „Textilwirtschaft“ sagte. Für die Einzelhändler sei es nun schwierig, den Ausfall zu kompensieren. „Das sollte aber machbar sein“, sagte sie. „Labels kommen und gehen, das ist der Lauf der Dinge.“

In der Branche wird unterdessen über das überraschende Aus von Naketano wild spekuliert. So ist zu hören, dass das verschwiegene Management aus Essen vielleicht dabei sei, Gespräche mit möglichen Investoren zu führen. Die frühe Ankündigung, die Marke Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen, könnte so ein Testballon sein, die Position der Marke im Markt auszuloten. Dem erteilten die Gründer Sascha Peljhan und Jozo Lonac jedoch eine Absage: „Firma und Marke werden nicht verkauft – Anfragen dieser Art bleiben unbeantwortet“, heißt es in ihrer Erklärung vom Mittwoch.

Ihre Enttäuschung über das Aus für die Marke taten auch zahlreiche Kunden und Fans in den sozialen Netzwerken kund: „Die Leute lieben eure kuschligen Pullis, da könnt ihr doch nicht einfach aufhören“, schrieb eine Nutzerin bei Facebook. „Kann ich nicht nachvollziehen, die sind gerade auf einem richtigen Höhenflug und sind qualitativ eines der besten Modelabels Deutschlands“, schrieb ein anderer.

Tatsächlich war das Unternehmen zuletzt hochprofitabel: 2015 blieben von rund 23 Millionen Euro Rohergebnis etwa zehn Millionen Euro als Jahresüberschuss hängen. Auch den Umsatz konnte das Unternehmen der Veröffentlichung im „Bundesanzeiger“ zufolge kräftig steigern. „Wenn doch der Umsatz ansteigt, schließt doch kein normaler Mensch seinen Laden?!“, wundert sich ein Nutzer bei Facebook.

Doch nicht bei allen kamen die provokativen Produktnamen wie „Sportive Muschi“, „Genitalalarm“ und „Monsterbumser“ an. „Der Markt ist gesättigt. Jeder hat eine sexistische Jacke von Naketano. Wer braucht schon ne zweite?“, kommentierte ein weiterer Nutzer die Einstellung des Geschäftsbetriebs.

Andere Kunden hoffen, dass ihre Pullis demnächst Seltenheitswert haben – und im Preis steigen: „Heißt das, ich kann diesen dämlichen Kinderpulli bald für 600€ verkaufen?“, hofft eine Nutzerin. Davon ist bislang jedoch nichts zu sehen: Der Webshop des Essener Modelabels ist noch bis zum 31. Dezember 2018 online – und auch auf Plattformen wie Amazon und Ebay kosten neue Pullis der Marke noch zwischen 50 und 80 Euro. 

Startseite

Mehr zu: Naketano-Aus - „Ihr könnt doch nicht einfach aufhören“

1 Kommentar zu "Naketano-Aus: „Ihr könnt doch nicht einfach aufhören“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Labels kommen und gehen, das ist der Lauf der Dinge“

    Vielleicht sehen die Gründer das ja auch so und dachten sich daher, es sei am besten, aufzuhören, wenn’s am schönsten ist?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%