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Neckermann, Öger, Bucher Das müssen deutsche Kunden nach der Thomas-Cook-Pleite wissen

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert Tausende Urlauber. Wer hat Anspruch auf Rückerstattungen? Wer haftet? Die wichtigsten Antworten.
Update: 23.09.2019 - 12:11 Uhr Kommentieren

Mallorca: Touristen nach Thomas-Cook-Pleite „aus Hotel geworfen“

Düsseldorf In der Nacht zum Montag hat der weltweit zweitgrößte Urlaubsveranstalter, der britische Reisekonzern Thomas Cook, die Insolvenz angemeldet. Von den 600.000 betroffenen Urlaubern kommen 140.000 aus Deutschland. Doch während britische Kunden mit Hilfe der Londoner Regierung aus den Urlaubsgebieten zurückgeflogen werden, stellt sich die Lage für die deutschen Kunden weitaus unübersichtlicher dar. Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Die deutschen Thomas-Cook-Töchter wie Neckermann oder Bucher haben noch keinen Insolvenzantrag gestellt. Kann ich als Kunde trotzdem vor Antritt von der Reise zurücktreten?
Nein, sagt Robert Kubach, Reiserechtsexperte beim Portal „CheckDeinRecht.de“. „Wer hier zurücktritt, muss mit Stornokosten rechnen“, warnt er. Erst wenn ein Insolvenzantrag gestellt sei, sei das in jedem Fall kostenfrei möglich.

Werden diese Reisen denn überhaupt noch durchgeführt?
In der Deutschlandzentrale von Thomas Cook in Oberursel ist eine Art Notgeschäftsführung eingerichtet worden. Es kann allerdings nicht gewährleistet werden, heißt es dort, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September auch tatsächlich stattfinden.

Skurrile Begleiterscheinung: Die deutsche Airline-Tochter Condor ging zwar am Montag an den Start, weigerte sich aber, Urlauber der konzerneigenen Reiseveranstalter mitzunehmen.

Geht es danach weiter?
Thomas Cook lote derzeit letzte Optionen aus. Findet sich keine Lösung, würde auch die deutsche Thomas Cook GmbH Insolvenz beantragen müssen. Doch auch dann entscheidet am Ende der Insolvenzverwalter, ob der Betrieb eingestellt wird – oder das Geschäft fortgesetzt wird.

Kommen Urlauber einer Thomas-Cook-Tochter wie Neckermann, Öger oder Bucher problemlos aus dem Urlaub zurück?
In vielen Fällen leider nicht. Reisebüros berichten, dass Thomas Cook Zahlungen zurückgebucht hat, die ursprünglich für Ferienflieger wie Eurowings vorgesehen waren. „Die Kunden werden nicht befördert“, berichtet ein Mitgliedsbetrieb des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR).

„Die Kunden stecken in den Zielgebieten fest.“ Wer es eilig hat, wird sich zunächst wohl auf eigene Kosten einen Rückflug buchen müssen. Die zusätzlichen Auslagen aber übernimmt bei Pauschalreisen die Versicherung.

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In Großbritannien holt die Regierung gestrandete Urlauber heim. Warum tut das die Bundesregierung bisher nicht?
Auf den Britischen Inseln gibt es kein kodifiziertes, also in Rechtsnormen festgelegtes Recht. Dort leitet sich das Handeln aus der Rechtsgeschichte ab, die solche Aktionen vorsieht. In Deutschland gibt es so etwas nicht.

Großbritanniens Regierung hat angeblich betroffenen Hotels versprochen, für die Übernachtungszahlungen am Urlaubsort zu bürgen. Dürfen auch Deutsche mit einer solchen Hilfe rechnen?
Nein. Szenen wie am Wochenende im tunesischen Hammamed, wo ein Hotel Thomas-Cook-Urlauber noch ein weiteres Mal zur Kasse bat, dürfte es derzeit an vielen Urlaubsorten geben. Wer als Hotelgast dazu gezwungen wird, muss zudem erst einmal auf den Insolvenzantrag der deutschen Thomas-Cook-Töchter warten. Erst dann kann er den Schaden bei der Versicherung oder dem Insolvenzverwalter einfordern.

Was ist gestrandeten Urlaubern zu raten?
„Quittungen sammeln!“, sagt Rechtsexperte Robert Kubach. Wer ein Taxi nutzt, zusätzliche Verpflegung benötigt oder eine längere Unterkunft, sollte das anschließend belegen können.

Was können Kunden bei Reiseabsagen oder im Insolvenzfall tun, die noch nicht verreist sind, ihre Reise aber bereits angezahlt haben?
Grundsätzlich sind Pauschalreisen gesetzlich gegen Insolvenzfolgen versichert. Seit Mitte 2018 gilt dies sogar für sogenannte „verbundene Reiseleistungen“, also Reisen, für die der Kunde mindestens zwei Leistungen – etwa Flug und Hotel – innerhalb eines Tages beim selben Anbieter gekauft hat. Dabei muss eine Einzelleistung allerdings mindestens 25 Prozent des Komplettpreises ausmachen.

An wen müssen sich Kunden wenden?

Dokumentiert wird dies durch den Reisesicherungsschein, den der Veranstalter seinen Kunden noch vor dem Begleichen des Reisepreises zustellen muss. Liegt dieser vor, können durch eine Insolvenz geprellte Urlauber ihre Zahlungen beim jeweiligen Versicherungspartner des Veranstalters zurückverlangen – im Fall von Thomas Cook an den schweizerischen Versicherungskonzern Zurich. Auch der Rücktransport wird finanziert, falls die Anreise im Pauschalpreis enthalten war.

Ist bei der Rückerstattung im Fall von Thomas Cook mit Komplikationen zu rechnen?
Vermutlich. Die Bundesregierung hat die eigentlich verpflichtende Pauschalreise-Richtlinie der EU nicht vollständig umgesetzt – und den Höchstbetrag der abgesicherten Schadenssumme auf 110 Millionen Euro beschränkt.

Den Schaden für deutsche Urlauber schätzen Experten jedoch auf rund 400 Millionen Euro. „Ein Großteil des bereits angezahlten Reisepreises könnte nicht erstattet werden“, fürchtet Markus Tressel, tourismuspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Möglicherweise werden geprellte Urlauber deshalb am Ende gegen die Bundesrepublik auf Schadensersatz klagen müssen.

Wie lange dauert es, bis die Reiseversicherung Schäden ersetzt?
Im besten Fall brauchen die Versicherungen dazu nur einen Monat, hat das Rechtsportal „CheckDeinRecht.de“ beobachtet. Gibt es Streitigkeiten, könne es auch schon einmal ein Jahr dauern.

Können Pauschalurlauber im Insolvenzfall entgangene Reisefreuden finanziell geltend machen?
„Von der Insolvenzversicherung gibt es dafür kein Geld“, sagt Rechtsexperte Robert Kubach. Solche Forderungen könne man jedoch anschließend in der Insolvenztabelle anmelden.

Haften die Reisebüros?
Möglicherweise ja. Die Agenturen besitzen von Rechts wegen eine Sorgfaltspflicht, Kunden vor möglichen Risiken zu warnen. Über die Schieflage von Thomas Cook sind sie spätestens informiert, seitdem das Handelsblatt am 19. Juni umfassend darüber berichtete. Wer als Reisemittler die Kunden nicht über mögliche Schwierigkeiten belehrte und sich dies anschließend quittieren ließ, könnte nun zur Haftung gezogen werden.

Gilt die Insolvenzversicherung auch für den Kauf reiner Flugtickets?
Nein. Wer lediglich einen Flug gebucht hat, geht im Insolvenzfall zunächst leer aus. Seine Ansprüche muss er dann beim Insolvenzverwalter in der Gläubigertabelle anmelden – und auf eine hohe Entschädigungsquote hoffen. Im Moment ist dies zumindest für deutsche Flugkunden jedoch noch nicht nötig.

Nach eigenem Bekunden hält die Thomas-Cook-Tochter Condor den Flugbetrieb aufrecht. „Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt“, heißt es von Unternehmensseite. „Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft.“

Sind auch Urlauber des Clubveranstalters Aldiana betroffen, an dem Thomas Cook eine Minderheitsbeteiligung von 42 Prozent hält?
Nein. Aldiana arbeite „in allen Bereichen selbstständig“, teilte der Clubveranstalter mit. Auch Gäste, die mit Airlines außerhalb des Thomas-Cook-Konzerns anreisen, seien nicht von der Insolvenz betroffen.

Kann es passieren, dass auch Urlaubsgäste anderer Reiseveranstalter im Nachgang der Thomas-Cook-Insolvenz Probleme gekommen?
Das steht zu befürchten. Dabei dreht sich alles um die deutsche Airlinetochter Condor. Fliegt sie ebenfalls in die Insolvenz, könnte dies den Urlaubsbetrieb in Deutschland kräftig durcheinanderwirbeln. Denn auch Reiseveranstalter wie Schauinsland oder der Kreuzfahrtanbieter Aida lassen ihre Urlaubsgäste mit Condor befördern. Fällt der Flieger aus, müssen sie sich auf eigene Kosten Ersatz beschaffen. Experten des Branchendienstes „Touristik aktuell“ fürchten sogar, dass dies einige von ihnen ebenfalls in die Pleite treiben könnte.

Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen nach Bekanntwerden der Thomas-Cook-Insolvenz im Newsblog.

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