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Negativer Steuersatz Handelsgigant Amazon erhält trotz Milliardengewinn Steuergutschrift

Steuerreform und Schlupflöcher haben sich für den Onlineriesen als Glücksfall erwiesen. Doch Amazons Steuercoup ist bei Weitem kein Einzelfall.
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Der Konzern hat seine Pläne für eine zweite Zentrale, die an der Ostküste entstehen sollte, fallen lassen. Quelle: AP
Amazon-Büro in New York

Der Konzern hat seine Pläne für eine zweite Zentrale, die an der Ostküste entstehen sollte, fallen lassen.

(Foto: AP)

DüsseldorfAusgerechnet seinem Widersacher Jeff Bezos, Chef von Amazon, bescherte US-Präsident Donald Trump einen großen Steuernachlass – obwohl der Onlinehändler aus Seattle einen Milliardengewinn erzielt hat. Doch die amerikanische Steuerreform sowie zahlreiche Steuerschlupflöcher ermöglichten Amazon für das vergangene Jahr sogar eine Steuergutschrift.

Die „Washington Post“, die Bezos vor rund fünf Jahren gekauft hat, berichtete am Wochenende als erstes Medium über den Steuercoup ihres Eigentümers. Die Zeitung beruft sich auf Berechnungen des Instituts für Steuern und Wirtschaftspolitik (ITEP) in Washington. Das Institut wiederum hatte die Steuererklärung des Unternehmens analysiert.

Danach hat der Onlinehändler 2018 seine Gewinne in Höhe von 11,2 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt – damals lag der Gewinn bei 5,6 Milliarden Dollar. Aufgrund zahlreicher Steuerschlupflöcher, beispielsweise gesetzlich zulässiger Steuergutschriften und Steuerbefreiungen beim Handel mit Aktien, erhielt Amazon eine Steuergutschrift von 129 Millionen Dollar.

Damit liegt der effektive Steuersatz des Unternehmens, das an der Börse zwischenzeitlich mehr als eine Billion Dollar wert war und seinen Gründer Bezos zum reichsten Mann der Welt gemacht hat, bei minus einem Prozent. Somit zahlte das Unternehmen keinen Cent der amerikanischen Bundessteuern, heißt es in der Analyse des ITEP.

Ende 2017 hatte der US-Präsident eine radikale Steuerreform auf den Weg gebracht: Seit dem 1. Januar 2018 hat sich der Steuersatz für Unternehmen auf Bundesebene von maximal 35 Prozent auf einen einheitlichen Steuersatz von 21 Prozent gesenkt. Bundesstaaten und Gemeinden können außerdem eigene Körperschaftsteuern erheben, so dass sich die durchschnittliche Steuerbelastung von 38,9 Prozent auf 25,75 Prozent reduziert.

Hinzu kommt: Die Steuerpflicht bezieht sich seit Inkrafttreten der Steuerreform nicht länger unbegrenzt auf das Welteinkommen der Unternehmen, sondern besteuert bestimmte Einkünfte, beispielsweise Dividenden, nur, wenn sie aus US-Quellen stammen. Unternehmen profitieren von Trumps Steuerreform.

In dem „Washington Post“-Artikel über die Steuerrückzahlung nahm eine Amazon-Sprecherin Stellung dazu: „Amazon zahlt alle Steuern, die wir in den USA und in allen Ländern, in denen wir tätig sind, zahlen müssen, einschließlich der Körperschaftsteuer in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar und der Steueraufwendungen in den letzten drei Jahren in Höhe von 3,4 Milliarden US-Dollar.“

Zwischen 2009 und 2018 erzielte Amazon laut ITEP einen Gewinn von rund 27 Milliarden Dollar. Die Steuerlast lag in diesem Zeitraum bei insgesamt 791 Millionen US-Dollar – umgerechnet ein effektiver US-Bundessteuersatz von rund drei Prozent.

Amazon kein Einzelfall

Mit der Steuerreform wollte Trump Steuerschlupflöcher verhindern. Zugleich wollte er Unternehmen durch niedrigere Steuersätze einen Anreiz bieten, weniger zu tricksen. Experten streiten darüber, ob dies mit der Reform gelungen ist. So sorgte in der vergangenen Woche Netflix für Aufsehen, als das Institut ITEP schrieb, der amerikanische Streaminganbieter habe auf seinen Gewinn aus dem vergangenen Jahr – rund 845 Millionen Dollar – keine Steuern gezahlt.

Auch in Europa erregen US-Konzerne wie Amazon den Ärger der Öffentlichkeit. Steueroasen wie Irland, Luxemburg oder Malta locken mit niedrigen Steuersätzen auf Firmengewinne. Wegen der geringen Steuern kommen viele Unternehmen mit ihren Europazentralen in diese Länder. So beschäftigen ausländische Firmen allein in Irland mehr als 150.000 Menschen. Eine europaweit einheitliche Besteuerung ist vorerst nicht in Sicht.

Unterdessen hat Amazon-Gründer Bezos seine Pläne, eine zweite Unternehmenszentrale in New York zu errichten, fallen gelassen. Im November hatte das Unternehmen den Bau des 400.000 Quadratmeter großen Campus angekündigt. Anwohner und Politiker hatten dagegen protestiert, sie befürchteten steigende Mieten. Bezos zog sich zurück.

Seit Monaten liefern sich Trump und Bezos einen öffentlichkeitswirksamen Streit. So hatte Bezos’ Zeitung „Washington Post“ genüsslich über die vermeintliche Affäre Trumps mit einer Pornodarstellerin berichtet.

Der Publizist David Pecker, der zu den Freunden von Trump zählt, deckte wiederum einen Seitensprung des Amazon-Chefs auf. Bezos’ Techtelmechtel mit einer Schauspielerin folgt nun die bislang teuerste Scheidung der Geschichte. Da kommt die Steuergutschrift seines Konzerns gerade zur rechten Zeit.

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