Nestlé Der Krieg der Kaffee-Kapseln

Da hilft auch Werbeikone Clooney nicht: Der Umsatz von Nestlé ist im ersten Halbjahr gesunken, das nächste Jahr dürfte noch schwieriger werden – denn dann macht ein neuer Kaffeegigant dem Kapselpionier das Leben schwer.
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Auch Clooney kann Nespresso nicht mehr helfen

San FranciscoMit Nespresso hat Nestlé 1986 das Segment der Portionsmaschinen für Kaffee kreiert und seitdem beherrscht. Doch diese Zeiten könnten nun endgültig dem Ende entgegengehen. Die Konkurrenz rauft sich zusammen und ab kommendem Jahr wird es bitterernst. Da kann auch Werbeikone George Clooney nicht mehr helfen.

Kaffee-Marktführer Nestlé, der rund 20 Milliarden Dollar im Jahr mit Kaffee umsetzt, bekommt mit dem Unternehmen D.E. Master Blenders nach dessen Fusion mit Mondelez im nächsten Jahr einen neuen starken Konkurrenten. Sieben Milliarden Dollar Umsatz wird der neue Gigant auf dem Kaffeemarkt dann machen.

Netto rund 1,5 Milliarden Dollar an Kosten werden die fusionierten Unternehmen bis 2016 einsparen, versprachen die neuen Partner bei der Vorstellung des Geschäfts. D.E. wird mit Marken wie Jacobs, Douwe Egberts und der Portionsmaschine Senseo rund 16 Prozent Marktanteil erreichen, schätzt der Marktbeobachter Euromonitor, nicht mehr weit hinter Nestlés 23 Prozent.

Die neue Konkurrenz kommt für Nestlé zu einer ohnehin schwierigen Zeit. Die schwache Konjunktur in wichtigen Schwellenländern setzt dem Schweizer Nahrungsmittelkonzern zu. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sank der Umsatz im ersten Halbjahr auf 43 Milliarden Franken von 45,2 Milliarden im Vorjahr. Wie bereits Konkurrent Unilever bekam auch Nestlé die schwächelnde Nachfrage in zuvor wachstumsstarken Ländern Asiens zu spüren. Dazu kam der Kursverfall von Schwellenländer-Währungen und Dollar. Der Gewinn sank auf 4,6 (Vorjahr 5,1) Milliarden Franken. Analysten hatten mit einem Überschuss von 5,0 Milliarden Franken und einem Umsatz von 43,4 Milliarden Franken gerechnet.

„Tektonische Verschiebung“ im Kaffeemarkt

Wer In sein will, trinkt Kaffee aus Kapseln

Vor allem Senseo und die zu erwartende Marktexpansion in den USA bereiten Nestlé Sorgen. Die Wachstumsraten bei Nespresso, dem Kapselsystem von Nestlé, sind deutlich gesunken, und der Markteinstieg in den USA verläuft trotz einer teuren Werbekampagne mit Superstar George Clooney nur zäh. Dazu macht sich neben dem neuen Kaffeegiganten auch andere starke Konkurrenz auf, in diesen lukrativen Markt einzusteigen.

Coca-Cola hat gerade erst seinen Anteil an Keurig Green Mountain erhöht. Der Hersteller von Kaffeemaschinen und Portionskaffee legte ebenfalls am Mittwoch Zahlen vor, verfehlte aber die Umsatzerwartungen und lieferte eine verhaltene Prognose für das laufende Quartal ab. 80 Prozent des Umsatzes von 1,02 Milliarden Dollar werden mit Kaffeekapseln erzielt. Mit Coca-Cola im Rücken lässt sich in Zukunft die Expansion deutlich aggressiver gestalten. Denn es gibt noch einen ernstzunehmenden Gegner: Keurig-Kapseln gibt es auch für die beliebten Starbucks Kaffeesorten.

Doch beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Mit der eigenen Kapsel-Maschine Verismo macht Starbucks-Chef Howard Schultz seit 2012 Keurig, Senseo und Nespresso in den USA veritable Konkurrenz. Dabei war der Kooperationsvertrag mit Keurig gerade mal ein Jahr alt. Was den Erfolg von Verismo angeht, hält sich Schultz seitdem jedoch auffällig zurück. Detaillierte Zahlen gibt es nicht. Die letzte verfügbare Aussage ist die Zahl verkaufter Maschinen im vierten Quartal 2012. Da sollen es 150.000 gewesen sein.

Für den erfolgsverwöhnten Nestlé-Konzern stellt sich das Bild indes problematisch dar. In den USA ist der Markt kaum erschlossen, der neue Riese Douwe Egberts hat eine führende Position in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland. „In der sich ewig wandelnden Welt des Kaffees kommt diese Fusion einer tektonischen Verschiebung gleich“, urteilt Ken Harris von Cadent Consulting in Chicago gegenüber Bloomberg. Und Euromonitor-Analyst Hope Lee ergänzt, das sei für Nestlé eine „sehr reale Bedrohung.“

Schwierige Bedingungen auf dem Kaffeemarkt

Was andere beschäftigt, kann Irene Rosenfeld, Chefin des Snack-Riesen Mondelez, ab 2015 egal sein.

Fünf Milliarden Dollar in bar wird sie aus dem Verkauf der Kaffeesparte an die deutsche Reimann-Familie bekommen. Im kommenden Jahr, so die Planung, wird das Joint Venture aus Mondelez und D. E. Master Blenders 1753 stehen und Mondelez, früher bekannt als Kraft Foods, dann nur noch eine Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen Douwe Egberts halten. „Die Vorbereitungen sind auf gutem Wege“, tröstete die Chefin ihre Aktionäre bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. Das werden die gerne hören, denn die Kaffeesparte macht derzeit keine Freude.

Die Einkaufspreise sind volatil, Klimaveränderungen manchen die Erntevorhersagen immer schwieriger. All das wird Rosenfeld ab nächstem Jahr egal sein. Kaffee ist dann für sie nur noch eine Investmentposition im Jahresabschluss und sie kann sich auf Schokoladensnacks konzentrieren. Eine Reihe von Preisanhebungen zur falschen Zeit hatte im zweiten Quartal zu heftigen Marktanteilsverlusten geführt, weil die Konkurrenz einfach abgewartet hatte. Jetzt sind die Kakao- und Kaffeepreise wieder gefallen und Mondelez steht mit seinen Marken wie Milka, Jacobs oder Oreo nicht gut da im Markt. In Europa, musste Rosenfeld anlässlich einer Telefonkonferenz mit Analysten zugeben, haben einige Handelsketten sogar Produkte ausgelistet. Eine Entwicklung, die ihr gar nicht gefallen kann. Sie hat Investor-Aktivisten wie Relational Investor LLC und Trian Fund Management am Hals, die dringend bessere Ergebnisse sehen wollen - oder ein besseres Management.

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10 Kommentare zu "Nestlé: Der Krieg der Kaffee-Kapseln"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vielleicht sollte man besser titeln: Krieg d e n Kaffee-Kapseln. Herr Kluni, dass Sie sich dafür prostituieren - ich bin enttäuscht :-(

  • Genau. Hardcore-Kaffeetrinker mit abgehärtetem Magen pfeifen sowieso auf Pads-Schnickschnack und bevorzugen (wie auch meine selige Omma) die POLNISCHE Variante der Kaffeezubereitung: Filterkaffee ohne Filter. Man nehme eine Kaffeetasse, einen Löffel Kaffeepulver und gieße das Ganze mit kochendem Wasser auf. Man warte dann, bis der Großteil des Kaffeesatzes auf dem Boden der Tassse sedimentiert ist und genieße dann...

  • alles klar Peter Spirat
    Habe soeben bei BASF angefragt, diese haben verneint, dass sie Kaffee herstellen.
    Und jetzt?

  • Ich hole mir meinen Kaffee bei Eduscho, lasse den für meine BODUM-Siebstempelkanne frisch malen und genieße. Für mich eine einfache und gute Art der Kaffeezubereitung, mir schmeckt's!

  • Kaffekapseln vs. Kaffee
    Ich als Teetrinker trinke ab und an einen Kaffe. Deshalb kaufe ich nur Pulverexpresso oder Kapseln. Wer wenig Kaffee verbraucht oder nur für sich selbst einen frischen Kaffe machen will, fährt mit den Kapseln viel besser, als mit einem halben Pfund Kaffee, von dem ich meist die Hälfte oder noch mehr nach Ablauf des MHD wegwerfen muss. In einem büro, das mit 12 Sachbearbeiterinnen belegt ist, müsste das klassische Aufbrühen effizienter sein. Für einen Kaffeejunkie sind die Kapseln keine echte Alternative.

  • Bei Zugabe von "Chemie" und Extrakten müssten diese als Zutaten gekennzeichnet sein. Das ist mir bisher noch nicht aufgefallen.

  • In den Kapseln ist alles, bis auf Kaffee.
    Aroma Hersteller machen es möglich

    Schmeckt wir Kaffee
    Riecht wie Kaffee

    Ist Chemie und Extrakte.

  • Das wäre doch etwas für unseren hyperaktiven Gabriel, den den Grünen nicht in ihre Partei aufnehmen wollten, weil für ihn kein übergroßer Stuhl vorhanden war.
    Rückgabepfand für jede Kapsel, um die Welt zu retten.
    Letztendlich ist dieser Kapselfrevel an der Umwelt das Gleiche, als wenn man nach jedem Stuhlgang die Kloschüssel wegschmeisst.

  • Ein Nachteil der Nestle Kapseln ist die Distribution. Nicht jeder will über das Web bestellen und es gibt zu wenig eigene Shops. In Verbrauchermärkten kann man Kaffeekapseln überall kaufen, nur nicht die von Nestle. Da sollte Nestle sich mal etwas einfallen lassen.

  • Respekt vor den Konzernen, die es schaffen, dem ge-BILD-eten Bürger für so einen Kaffee (aus Chemie) locker mal das 100-fache aus der Tasche zu ziehen, als Kaffee sonst kostet.



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