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Nestlé im Umbruch George Clooney rettet die Bilanz

Nestlé hat am Donnerstag passable Zahlen präsentiert. Während das Geschäft mit Nespresso-Kapseln wächst, legen andere Sparten kaum zu. Konzernchef Mark Schneider muss daher seine neue Strategie schleunigst umsetzen.
19.10.2017 - 11:04 Uhr Kommentieren
Nestlé kann sein Geschäft mit Kaffeekapseln ausbauen. Quelle: nespresso.com
Nespresso-Werbung

Nestlé kann sein Geschäft mit Kaffeekapseln ausbauen.

(Foto: nespresso.com)

Zürich Nestlé ist ein Nahrungsmittelgigant – und zwar einer, der immer größer wird. Doch mit dem Tempo des Umsatzwachstums waren zuletzt weder Aktionäre noch Konzernchef Mark Schneider zufrieden. Jetzt hat Nestlé die Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahrs vorgelegt. Nestlé setzte insgesamt 65,3 Milliarden Schweizer Franken (56,4 Milliarden Euro) um. Das organische Wachstum lag bei immerhin 2,6 Prozent. Vor allem in den Schwellenländern konnte Nestlé dazugewinnen.

Das Wachstum sei „im Rahmen der Erwartungen“, ließ Nestlé-Chef Schneider mitteilen. Wirklich zufrieden sein dürfte der Manager, der seit diesem Jahr den Konzern aus Vevey führt, damit aber nicht. Zumal ein Teil des Wachstums nur auf „Preisanpassungen“ zurückgeht. Während Nestlé etwa das Geschäft mit Nespresso-Kapseln ausbauen konnte, legten andere Sparten kaum zu.

Die Zahlen unterstreichen einmal mehr, warum der neue Nestlé-Chef handeln muss. Erst vor wenigen Wochen stellte Schneider seine neue Strategie vor: Aus weniger profitablen Geschäftsfeldern will sich Nestlé zurückziehen, bei Hoffnungsträgern will Schneider zukaufen. Zudem soll der Konzern effizienter wirtschaften.

Bedanken kann sich Schneider bei Hollywoodstar George Clooney, der für die Nespresso-Kaffeekapseln wirbt („Was sonst?“). Umweltschützern sind die Kapseln ein Dorn im Auge, doch bei Verbrauchern stehen sie weiter hoch im Kurs: In den USA wuchs das Geschäft zweistellig, insgesamt ist von einem „mittleren einstelligen Wachstum“ die Rede. Auch Produkte für Heimtiere und hochwertige kulinarische Produkte waren gefragt. Ein anderer Hoffnungsträger, das Wassergeschäft, enttäuschte dagegen. Die Umsätze gingen zurück, was Nestlé auch mit dem verregneten Sommer erklärt.

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    Insgesamt sind die Zahlen etwas besser als von Analysten erwartet. Begeisterungsstürme bei den Nestlé-Aktionären dürften sie aber auch nicht gerade auslösen. Die Anteilseigner hoffen auf die Zukunft. Schließlich erklärte Schneider beim jüngsten Investorentag, dass er bis 2020 ein höheres Umsatzwachstum schaffen möchte.

    Und nicht nur das: Der Manager aus Deutschland will den Konzern auch auf mehr Effizienz trimmen. Auf Druck von Investoren hat sich Nestlé zum ersten Mal in der Konzerngeschichte ein Margenziel gesetzt: Die so genannte bereinigte Ergebnismarge soll 2020 bei rund 18 Prozent liegen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auch weil der Sparkurs die Marge erstmal drückt. Aber vielleicht kann ja George Clooney helfen.

    Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
    Die Gründung
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    1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

    (Foto: dpa)
    Säuglingsnahrung
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    1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

    (Foto: Wikipedia Gemeinfrei)
    Milchprodukte
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    Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

    (Foto: AFP)
    Kaffee und andere Getränke
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    Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

    (Foto: dpa)
    Kritik an Nespresso
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    Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

    (Foto: dpa)
    Cerealien
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    Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

    (Foto: Reuters)
    Fertigprodukte
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    1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

    (Foto: Reuters)
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