Nestle Nahrungsmittelriese wird auf Rendite getrimmt

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestle sehnt sich nach größerem Profit. Darum sollen nun die wachstumsstarken Bereiche ausgebaut werden – und auch Zukäufe schließt der neue Chef Schneider nicht aus.
Update: 26.09.2017 - 14:28 Uhr 3 Kommentare

Dieser Supermarkt rettet Lebensmittel vor dem Müll

Dieser Supermarkt rettet Lebensmittel vor dem Müll

ZürichDer neue Nestle-Chef Mark Schneider will den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern umbauen. Dabei setzt der deutsche Manager auf den Ausbau von Wachstumsfeldern wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Säuglingsnahrung und prüft dafür auch Zukäufe, wie Schneider auf einer Investorenveranstaltung am Dienstag in London sagte. Andere Bereiche wie etwa das US-Süßigkeitengeschäft will der ehemalige Fresenius-Chef hingegen verkaufen. Zusammengenommen könnten so rund zehn Prozent des Firmenumsatzes von zuletzt rund 90 Milliarden Franken den Besitzer wechseln. Mit diesen Maßnahmen will Schneider den Konzern mit Marken wie Maggi oder Nespresso bis zum Ende des Jahrzehnts zu alter Wachstumsstärke zurückführen.

Der Umsatz soll bis 2020 wieder im mittleren einstelligen Bereich wachsen. Zudem peilt Schneider bis dahin eine bereinigte Ergebnismarge von 17,5 bis 18,5 Prozent an. Von beiden Zielmarken ist der Konzern noch ein gutes Stück entfernt. „Wir haben uns viel vorgenommen - vor allem mit der Kombination, das organische Wachstum und die Marge zu steigern. Das ist wie wenn man einen Lauf absolviert und gleichzeitig auf Diät ist“, sagte Schneider. „Einige werden sich fragen, warum wir nicht mehr anstreben. Aber beides gemeinsam ist nicht einfach.“

An der Börse kam die Strategie, die Schneider erstmals im Detail präsentierte, gut an: Die Nestle-Aktie legte 1,5 Prozent zu.

Das ist das Marken-Imperium von Nestlé
Die Gründung
1 von 16

1866 gründete Henri Nestlé, ein Schweizer Apotheker deutscher Herkunft, die Farine Lactée Henri Nestlé lk.A.. Als Logo wählte er sein eigenes Familienwappen, den Vogel bei der Brutpflege – Nestlé bedeutet im Schwäbischen „kleines Nest“. Unternehmensname und -logo blieben in der gesamten Firmengeschichte, über alle Fusionen und Zukäufe hinweg, unverändert.

Säuglingsnahrung
2 von 16

1867 erfand Nestlé ein Verfahren, um ein lösliches Milchpulver herzustellen, welches als Muttermilchersatz verwendet werden konnte. Der Vertrieb als „Nestle's Kindermehl“ lief an. Dem Geschäft mit Säuglingsnahrung bleibt der Konzern bis heute treu: 2007 übernahm Nestlé für 5,5 Milliarden US-Dollar den US-amerikanischen Kindernahrungshersteller Gerber vom Pharmakonzern Novartis. Damit stieg Nestlé im Bereich Säuglingsnahrung vom Marktführer in den USA auch zur weltweiten Nummer eins auf.

Milchprodukte
3 von 16

Auch das Geschäft mit Milchprodukten begleitet Nestlé bis heute. Die erste Übernahme war 1898 ein Milchpulverwerk in Norwegen, 1905 fusionierte Nestlé mit der Anglo-Swiss Condensed Milk Company. Zum Jahresende 2006 begann Nestlé ein Joint Venture mit dem französischen Milchkonzern Lactatis, Hersteller von Marken wie Le Président. Nestlé behauptete sich durch diesen Schachzug als Nummer eins der weltweiten Milchindustrie.

Kaffee und andere Getränke
4 von 16

Ein weiterer Durchbruch gelang Nestlé 1938: Das Unternehmen erfand ein Verfahren zur industriellen Herstellung löslichen Kaffees und begann diesen unter der Marke Nescafé zu vertreiben. Der Vertrieb der seit 2010 boomenden Kaffeekapseln und Kapselmaschinen fällt dem innerhalb des Nestlé-Konzerns eigenständig agierenden Unternehmen Nespresso zu. Das Geschäft mit „Getränken in flüssiger und Pulverform“ macht heute den größten Anteil am Unternehmensumsatz Nestlés aus. Das Gemeinschaftsunternehmen Beverage Partners Worldwide (BPW) mit Coca-Cola ist für den Vertrieb von Tee-Getränken mit Fokus auf Europa und Kanada zuständig.

Kritik an Nespresso
5 von 16

Die NGO Solidar Suisse kritisierte Nespresso 2011 dafür, als größter Kaffeehändler der Welt keinen fair gehandelten Kaffee anzubieten und parodierte die populären Werbevideos mit George Clooney. Nespresso wies die Vorwürfe zurück.

Cerealien
6 von 16

Mit dem US-Lebensmittelhersteller General Mills gründete Nestlé in den 1990er-Jahren das 50/50-Joint-Venture Cereal Partners Worldwide (CPW). Das Gemeinschaftsunternehmen bedient den Markt für Frühstücksgetreideprodukte außerhalb der USA.

Fertigprodukte
7 von 16

1947 fusionierte Nestlé mit der Maggi AG. Neben Brühwürfeln und Flüssigwürze werden unter dem Namen Maggi bis heute vor allem Instantsuppen- und Gerichte vertrieben. Andere bekannte Nestlé-Marken der Fertigsparte sind beispielsweise der Nudelproduzent Buitoni und die Öl- und Soßenmarke Thomy.

Analysten äußerten sich positiv: „Diese Ziele dürften Skeptiker darin bestärken, dass der Veränderungsprozess bei Nestle in vollem Gange ist“, erklärten die Experten der UBS. Doch den rebellischen Investor Third Point dürfte Schneider mit seinem Auftritt nicht restlos glücklich gemacht haben: Die von Daniel Loeb geführte Investmentfirma war zu Beginn des Sommers bei Nestle eingestiegen und hatte mit Forderungen nach höheren Gewinnen und einem Verkauf des gut 23-prozentigen Anteils am französischen Kosmetikkonzern L´Oreal für Schlagzeilen gesorgt. Dem erteilte Schneider jedoch eine Absage: Die Beteiligung sei für das Unternehmen ein „fabelhaftes Investment“ gewesen - das ändere sich auch nach dem Tod von L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt derzeit nicht. Third Point wollte sich am Dienstag nicht zu der Strategievorstellung äußern.

Doch auch ohne Zwischenrufe aus dem Eigentümerkreis ist der Druck auf den neuen Chef groß: Zuletzt war Nestle so langsam gewachsen wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Weltweit machen Konsumenten zunehmend einen Bogen um Fertigprodukte und setzen auf frische Nahrungsmittel. So machen kleine lokale Anbieter großen Multis zunehmend Konkurrenz - trotz ihrer Marktmacht.

Schneider will in dem sich ändernden Umfeld die Wachstumsbereiche ausbauen. Bei Wasser, Tier- und Säuglingsnahrung und Kaffee sei Nestle entweder Marktführer oder die Nummer zwei. Zusammengenommen machen die Bereiche gut die Hälfte des Konzernumsatzes und 60 Prozent des bereinigten Ergebnisses aus. Das vielversprechende Gesundheitsgeschäft solle als „zusätzliche Wachstumsplattform“ dienen, erklärte der Konzern. Insidern zufolge hat Nestle ein Auge auf das zur Disposition stehende Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten des Darmstädter Merck-Konzerns geworfen.

Wachstumsbremsen wie das defizitäre Geschäft mit Hautprodukten (Nestle Skin Health) will Schneider zunächst sanieren und dann langsam ausbauen. Damit hat die Firma bereits begonnen und bei der Tochter Galderma den Abbau von einigen hundert Arbeitsplätzen angekündigt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • rtr
Startseite

Mehr zu: Nestle - Nahrungsmittelriese wird auf Rendite getrimmt

3 Kommentare zu "Nestle: Nahrungsmittelriese wird auf Rendite getrimmt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • übrigens gerade guter Kaufzeitpunkt (Charttechnik). Da werde ich mir gleich was ordern

  • die Aktionäre haben druck auf nestle gemacht. Zuwenig Rendite

  • Und wieder ein Riese, der den Hals nicht voll bekommt! Leidtragende sind die Verbraucher. Mondelez hat es mit der stark steigenden Zahl von Mogelpackungen in jüngster Zeit vorgemacht. Inhalt reduziert, Zusammensetzung qualitativ verschlechtert, Preis unverändert gelassen oder angehoben. Wer zahlt's? Der Verbraucher. Warum kann man sich nicht mit der ohnehin schon unverschämten Gewinnsituation zufrieden geben? Was kommt nach Erreichen der Ziele? Klar, noch höhere Ziele. Keiner versteht, dass alles seine natürlichen Grenzen hat. Das gilt auch für Profite.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%