Neuausrichtung ADAC will sich von Tochterfirmen trennen

Der ADAC arbeitet nach der Kritik wegen gefälschter Umfrageergebnisse an einer Neuausrichtung. Einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge werde dabei in Erwägung gezogen, unpassende Tochterfirmen abzustoßen.
Kommentieren
Der ADAC muss sich umstrukturieren. Dabei werden wohl einige Tochterfirmen aus dem Automobilclub ausscheiden. Quelle: dpa

Der ADAC muss sich umstrukturieren. Dabei werden wohl einige Tochterfirmen aus dem Automobilclub ausscheiden.

(Foto: dpa)

MünchenDer Automobilclub ADAC will sich nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ von Tochterfirmen trennen, die nicht direkt zu dem Verein passen. Ein Sprecher des ADAC sagte dazu am Samstag in München: „Ich kann es nicht ausschließen, aber auch nicht bestätigen.“ Dem Bericht nach prüfen derzeit sieben Arbeitsgruppen sämtliche Aktivitäten des Vereins, der mit verschiedenen Unregelmäßigkeiten in die Kritik geraten war.

Die Arbeitsgruppen untersuchen der „Wirtschaftswoche“ zufolge auch, welche ADAC-Töchter „nicht in erster Linie mitgliedergetrieben sind und verkauft werden können“. Das Wirtschaftsmagazin beruft sich auf Informationen aus dem ADAC-Präsidium.

Was dem ADAC zur Last gelegt wird
03
1 von 24

14. Januar 2014

Seinen Lauf nahm der Skandal um den Automobilclub am 14. Januar, als Vorwürfe laut wurden, dass der ADAC die Abstimmungszahlen des Autopreises "Gelber Engel" manipuliert habe – mutmaßlich direkt durch die Führung der Kommunikationsabteilung.

Laut einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ sollen nur 3.409 ADAC-Mitglieder bei der Wahl zum „Gelben Engel“ den VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen gewählt haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt. Es sei nicht das erste Mal, dass der ADAC zwar nicht das Ranking selbst, wohl aber die Stimmenzahl manipuliert habe.

05
2 von 24

16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem "Gelben Engel" spricht Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung, vor den geladenen Gästen von "Unterstellungen und Unwahrheiten". Die Leser der Kundenzeitschrift "Motorwelt" hatten den Golf nach ADAC-Angaben mehrheitlich gewählt. Zu den Vorwürfen der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, er könne nur versichern, dass die vier Buchstaben "ADAC" richtig abgedruckt worden seien. Im übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: "Mit der packt man den Fisch ein." Wie viele Leser sich tatsächlich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilte der ADAC auch anlässlich der Preisverleihung nicht mit.

VW-Chef Martin Winterkorn, der den Preis für das Lieblingsauto in München entgegennahm, wollte sich nicht zu den Manipulationsvorwürfen äußern. "Das sollte die "Süddeutsche Zeitung" mit dem ADAC ausmachen, da halte ich mich raus", sagte er. "Ich glaube nicht, dass hier der Eindruck entstanden ist, dass hier ein Klüngel vorhanden ist."

06
3 von 24

17. Januar 2014

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe haben ADAC-Geschäftsführung und Präsidium eine lückenlose interne Prüfung angeordnet.

07
4 von 24

19. Januar 2014

Der Leiter Öffentlichkeitsarbeit des ADAC und Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt", Michael Ramstetter, räumte die Manipulationen ein und legte sein Amt nieder. Weder Geschäftsführung noch Präsidium seien zuvor "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl" unterrichtet gewesen. Die anderen Kategorien beim Preis „Gelber Engel“ seien von den Vorgängen nicht betroffen, betonte der Autoclub. Er will Vertrauen zurückgewinnen und kündigte an, bis 2015 für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren zu entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.

08
5 von 24

19. Januar 2014

Die Manipulationen werfen nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. "Wenn sie beim Gelben Engel lügen, könne man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen", betonte er. Im ADAC-System laufe grundsätzlich etwas falsch. Der Autoexperte führt dies unter anderem auf das Fehlen von Kontrollmechanismen in dem Verband zurück.

09
6 von 24

20. Januar 2014

Die Vorwürfe weiten sich aus: Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ergaben erste interne Untersuchungen beim ADAC, dass zumindest 2012 und 2013 die Zahl der Stimmen künstlich erhöht wurde. Nach Informationen der Zeitung sollen neben Ramstetter auch leitende Mitarbeiter der "ADAC Motorwelt" in den Betrug eingeweiht gewesen sein. "Wir haben hier ganz klar einen Hauptverantwortlichen", sagte Obermair, alles andere müsse die Prüfung zeigen.

10
7 von 24

20. Januar 2014

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung der Manipulationen auf. "Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung. "Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung", sagte er vor einer CSU-Vorstandssitzung. Die Manipulationen hätten ihn nicht überrascht, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. "Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann", sagte Seehofer.

Noch im Januar hatte der mittlerweile zurückgetretene Präsident Peter Meyer betont, dass der ADAC seine wirtschaftlichen Aktivitäten und seine Tochterfirmen nicht infrage stellen wolle. Der ADAC-Sprecher verwies am Samstag auf den Reformplan, bei dem Struktur und Organisationsform des Autoclubs überprüft und moderner und transparenter gemacht werden sollen. Daran würden die sieben genannten Arbeitsgruppen mitwirken.

  • dpa
Startseite

0 Kommentare zu "Neuausrichtung: ADAC will sich von Tochterfirmen trennen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%