Neue Handelsplattform Wie Großhändler Metro die Gastronomie digitalisieren will

Online-Bestellplattformen sollen Lieferdienste der Großhändler mit den Kunden enger verzahnen. Metro treibt diese Entwicklung mit neuen Tools voran.
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Der Großhändler will sich digital viel enger mit seinen Kunden verzahnen. Quelle: Reuters
Metro-Markt

Der Großhändler will sich digital viel enger mit seinen Kunden verzahnen.

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DüsseldorfViele Jahre war das Großhandelsgeschäft der Metro ein Selbstläufer. In immer neue Länder exportierte sie ihr Prinzip der Abholmärkte, feierte sich als weltweiter Marktführer im Lebensmittelgroßhandel – und merkte erst spät, dass sich die Wünsche der Kunden längst verändert hatten. Die preisbewussten Kunden kauften bei Aldi oder Lidl, wer es bequemer wünschte ließ sich von Konkurrenten wie Transgourmet beliefern. Die rund 750 Großmärkte weltweit drohten zum Ballast zu werden.

Nun steuert Metro-Chef Olaf Koch mit Macht um – und nutzt dabei den Hebel der Digitalisierung. „Wir zünden die nächste Stufe bei der Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells im Großhandel“, gibt er selbstbewusst die Parole aus. Er baut Online-Bestellplattformen aus, fördert Start-ups, die neue Ideen bringen und baut die Märkte so um, dass sich Lieferdienst und stationäres Geschäft verzahnen.

Eine zentrale Figur beim Umbau ist Deutschlandchef Thomas Storck, der 2016 das Amt übernahm und der Metro neue Abläufe und ein komplett neues IT-System verpasste. Der Digitalexperte hatte zuvor unter anderem zwei Jahre lang als Geschäftsführer der internetbasierten Handelsplattform Global-Net-Xchange im Silicon Valley gearbeitet.

Kunden sind nun über die Bestellsoftware vernetzt, die Außendienstmitarbeiter über eine Salesforce-App und die Fahrer mit einer Driver-App. Auch die Mitarbeiter im Depot und im Telesales sind digital miteinander verbunden.

Doch immer wieder stößt Metro an ein nur schwer zu überwindendes Hindernis: Viele Gastronomen, also die wichtigsten Kunden, verdrängen das Thema Digitalisierung bisher komplett. „Das Betriebssystem der meisten Gastronomen ist heute noch Stift und Papier“, stellt Konzern-Chef Koch ernüchtert fest.

Eine repräsentative Umfrage unter 10.000 Kunden und Unternehmern, die Metro in Auftrag gegeben hat, offenbart das ganze Dilemma. So gaben 66 Prozent der Verbraucher an, dass die Betriebe online nicht sichtbar sind.

Deshalb betreibt die Metro nun zunächst Grundlagenarbeit bei den Kunden. Sie baut etwa Restaurants kostenlos eine eigene Homepage, auf Wunsch auch mit einem Online-Reservierungssystem. Mehr als 100.000 Betriebe haben dieses Angebot in den vergangene neun Monaten angenommen.

In einem zweiten Schritt hat Metro nun Programme entwickelt, mit denen beispielsweise auf Basis der Kassendaten der Umsatz nicht nur überwacht, sondern auch vorhergesagt und damit die Personalplanung erleichtert werden kann. Andere digitale Tools berechnen den Wareneinsatz und damit die Profitabilität einzelner Rezepte. In einem Pilotprojekt lässt Metro Gastronomen solche digitalen Tools testen. „Das war immer mein Traum“, bekennt René Dost, der mit seiner Redo GmbH 19 Restaurants in Ostdeutschland betreibt. „Ich habe jetzt alles auf einen Blick, wo ich früher mit elend langen Excel-Sheets arbeiten musste.“ Auf seinem Smartphone kann er nun in Echtzeit die Umsatzentwicklung seiner Betriebe überwachen.

Metro wiederum bekommt im Gegenzug einen Schatz: Wertvolle Daten der Kunden. So kann sie ihnen auf Basis ihres Wareneinsatzes individualisierte Angebote machen oder mit aggregierten anonymisierten Daten gezielt Strategien für das Liefergeschäft entwickeln. Als nächsten Schritt hat Metro die Plattform Dish gelauncht. Sie ist ein Netzwerk für Gastronomen und zugleich Verkaufsplattform für digitale Tools der Metro und der mit ihr verbunden Start-ups.

Metro will die Kunden so enger an sich binden und über die Vernetzung Zeit und Kosten sparen. Und es lockt auch ein lukratives Zusatzgeschäft. So gibt es in der Gastronomie in Europa 1,8 Millionen Unternehmer mit einem Einkaufsvolumen von rund 120 Milliarden Euro. „Das ist die wohl spannendste Industrie, die bisher noch weitgehend nicht digitalisiert ist“, sagt der Metro-Chef.

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