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Neuer Fünf-Jahres-Plan Frank Appel baut die Post zum Technologiekonzern um – und lässt eigene Zukunft offen

Mit Milliardeninvestments in digitale Dienste und einer Besinnung aufs Kerngeschäft will die Post den Gewinn steigern. Post-Chef Appel muss liefern.
Update: 01.10.2019 - 18:28 Uhr Kommentieren
Der Post-Chef stellte die Strategie bis zum Jahr 2025 vor. Quelle: dpa
Frank Appel

Der Post-Chef stellte die Strategie bis zum Jahr 2025 vor.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Post will sich mit einer Investitionsoffensive zum Technologiekonzern wandeln. Zwei Milliarden Euro, so hat es Konzernchef Frank Appel am Dienstag in seiner neuen „Strategie 2025“ verkündet, will der ehemalige Staatskonzern bis 2025 in die Digitalisierung stecken.

So sollen Roboter künftig die Inventur verrichten, Rechner mit Künstlicher Intelligenz die Zustellwege planen, ein ausgeklügeltes Datenmanagement und Blockchain die Auslastung von Flugzeugen und Schiffen optimieren. „Wir richten dazu in der Holding ein Exzellenz-Center ein, das für alle Post-Sparten arbeiten wird“, kündigte Appel an.

Von den Investitionen verspricht sich der oberste Postvorsteher einen hohen Zusatzgewinn. „Sie sollen bis 2025 einen jährlichen Ergebnisbeitrag von mindestens 1,5 Milliarden Euro liefern“, verkündete er. Schon 2022, verspricht Appel, soll damit der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) auf 5,3 Milliarden Euro wachsen – nach voraussichtlich vier bis 4,3 Milliarden Euro im laufenden Jahr.

Die Aktionäre werden das gerne hören. Statt mit steigenden Erträgen zu glänzen, hatte der Bonner Konzern zuletzt mit einem Gewinneinbruch die Anleger verstört. Gleich mehrere der insgesamt fünf Sparten wurden in den vergangenen Jahren nacheinander zum Sanierungsfall – auch wenn Appel den Gesamtkonzern in den schwarzen Zahlen hielt. Entsprechend warten Anleger seit Längerem auf frische Impulse, wie es künftig wieder nach oben gehen soll.

Ob diese nun gefunden sind, wird sich allerdings noch zeigen müssen. „Die neuen Ziele liegen oberhalb unserer bisherigen Erwartungen“, zeigte sich Daniel Röska, Logistikexperte beim US-Analysehaus Bernstein Research, zwar positiv überrascht. Und auch Analysten von Goldman Sachs bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Dennoch gaben die Papiere der Post bis zum frühen Nachmittag um 2,5 Prozent nach.

Appel lässt eigene Zukunft offen

Am Dienstag hatte Appel gemeinsam mit Finanzchefin Melanie Kreis zur Verkündung seiner neuen Strategie nach Frankfurt geladen. Analysten werteten den Auftritt Appels auch als Testlauf für die nächste Amtszeit. Denn will er seine Pläne bis 2025 umsetzen, muss der 58-Jährige seinen Vorstandsvertrag zwangsläufig noch einmal verlängern. Ansonsten liefe Appels Beschäftigung an der Post-Spitze im Oktober 2022 nach 13 Jahren aus. Ob er für eine weitere Amtszeit bereitstehe, ließ er auf Anfrage aber offen.

„Mir macht die Arbeit im Konzern immer noch unglaublich viel Spaß“, sagte Appel. Ob er nach dem Ablauf seiner Bestellung eine Vertragsverlängerung anstrebe, habe er aber noch nicht entschieden. „Ich weiß heute noch nicht, wann ich dieses Unternehmen verlassen werde.“

Appel, der 2002 als McKinsey-Berater in den Vorstand der Deutschen Post wechselte und 2008 seinen Mentor Klaus Zumwinkel an der Konzernspitze beerbte, ist einer der dienstältesten Vorstandsvorsitzenden im Dax. Allein Heidelcement-Chef Bernd Scheifele und Wirecard-CEO Markus Braun stehen noch länger an der Spitze ihrer Unternehmen.

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Im Aufsichtsrat ist dem Vernehmen nach noch keine Diskussion über eine Nachfolge Appels angestoßen worden. „Wir gehen davon aus, dass dies 2020 ein Thema wird“, hieß es in Kreisen des Kontrollgremiums. Würde die Wahl erneut auf Appel fallen, wäre er nach Ablauf eines weiteren Fünf-Jahres-Vertrags 66 Jahre alt. „Es gibt bei der Post eine Altersgrenze für Vorstände“, sagte Appel, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. „Aber sie wird in der Regel sehr flexibel gehandhabt.“

Dass Appel womöglich für keine weitere Amtszeit mehr kandidiert, legt nach Ansicht von Analysten aber der nun vorgelegte Fünfjahresplan nahe. „Es ist im Grund genommen eine Verlängerung der bisherigen Strategie bis 2022“, beurteilt Bernstein-Analyst Röska die vorgelegten Pläne. „Die Digitalisierung ist schließlich keine Strategie, sondern eine Notwendigkeit.“

Die Verkündung der neuen Fünfjahresstrategie, so hat es bei dem Bonner Dax-Konzern inzwischen Tradition, kommt auch diesmal weit vor dem zeitlichen Ablauf der alten. Im April 2014 hatte Post-Chef Frank Appel sein Programm bis Ende 2020 vorgestellt, dem er den Titel „Focus. Connect. Grow“ gab. Doch auffallend daran ist bis heute vor allem eines: Nur wenige rechnen damit, dass Appel seine Ziele zum Ablauf der Frist vollständig erreicht.

Schon mit dem „Focus“ klappte es nur mäßig. Statt sich wie angekündigt auf das Logistikgeschäft zu konzentrieren, verzettelte sich die Post bei der Produktion des Elektrolieferwagens „Streetscooter“. Zwar führte der Gelbe Riese mit dem Elektrogefährt Deutschlands Autobauer vor, die einen solchen Kleinlaster nicht liefern konnten. In die Bilanz des Konzerns aber riss die Fabrikation 2018 ein Loch von rund 70 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern.

„Wir werden langfristig sicherlich kein Automobilproduzent bleiben“, kündigte Appel schon vor Monaten die Trennung von diesem verlustreichen Geschäft an. Einen Käufer aber hat er bis heute nicht gefunden. Ein Börsengang, glauben Analysten, wäre im derzeitigen Wirtschaftsumfeld schwierig.

Auch das „Grow“ in der 2014 ausgerufenen Fünfjahresstrategie fand nur einen mäßigen Niederschlag. 2018 musste es sich die Deutsche Post gefallen lassen, als vormals weltgrößter Logistikkonzern von UPS und Fedex beim Umsatz überholt zu werden. Einer der Hauptgründe neben dem stärker werdenden Dollar: Während die beiden US-Rivalen in den vergangenen Jahren massiv zukauften, legte Appel mehrfach den Rückwärtsgang ein.

Im August 2017 veräußert er die britische Marketing-Dienstleistungstochter Williams Lea Tag an den Finanzinvestor Advent für 316 Millionen, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Ende 2018 kam ein Teilverkauf des chinesischen Lagereigeschäfts an die S.F. Holding in Schanghai hinzu, der dem Konzern Anfang 2019 Cash in Höhe von 653 Millionen Euro in die Kasse spülte.

Doch ging es beim Umsatz zumindest noch in Trippelschritten auf zuletzt 61,5 Milliarden Euro nach oben, gab es beim Nettoergebnis seit 2014 immer wieder unvorhergesehene Rückschläge. „Aus Investorensicht hat die Deutsche Post eine Serie von Fehlstarts hingelegt“, kritisiert Bernstein-Analyst Daniel Röska. „Jedes Jahr war etwas anderes“, bemängelt er, „angefangen bei dem IT-Desaster im Speditions- und Frachtgeschäft über die teure Ausfinanzierung des Pensionsfonds bis zur nun angekündigten Modernisierung der Express-Flugzeugflotte.“

Besonders aber verunsicherte Anleger das überraschende Sanierungsprogramm in der Paketsparte, die dem „Grow“ 2018 zunächst ein fulminantes Ende bereitete. Betriebsergebnis, Nettogewinn und freier Cashflow schrumpften vergangenes Jahr im zweistelligen Prozentbereich.

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Dem inzwischen geschassten Vorstand Jürgen Gerdes, der von Appel an einer allzu langen Leine gehalten wurde, waren die Kosten aus dem Ruder gelaufen. Am Ende lag das Konzernjahresergebnis mehr als 600 Millionen Euro unter Vorjahr.
Entsprechend skeptisch zeigen sich Analysten, ob die Deutsche Post das für 2020 anvisierte Betriebsergebnis von fünf Milliarden Euro schaffen wird. Gegenüber 2018 müsste Appel dazu immerhin 1,84 Milliarden oben drauflegen. „Nach dem jetzigen Stand rechnen wir für 2020 eher mit einem Betriebsergebnis von 4,5 Milliarden Euro“, sagt etwa Dirk Schlamp von der DZ Bank.

Verfehlt Appel das für 2020 gesteckte Ziel mit derart großem Abstand, könnte er bei den Verhandlungen zur anstehenden Vertragsverlängerung in die Defensive geraten. „Dann würde wohl Tim Scharwath an die Spitze rutschen“, erwartet ein Analyst in London.

Post profitiert von Preiserhöhungen

Auch bei anderen gilt der Chef der DHL-Speditions- und Frachtsparte als aussichtsreichster Nachfolgekandidat. Mitte 2017 war der 54-Jährige vom Schweizer Wettbewerber Kühne + Nagel in den Bonner Posttower gezogen, wo er die kriselnde Sparte in kurzer Zeit auf Vordermann brachte. Was außerdem für Scharwath spricht: Der gebürtige Hamburger gilt als exzellenter Experte für IT und Vernetzung.

Doch geschlagen gibt sich Appel, der am Dienstag die prognostizierten fünf Milliarden Euro Betriebsgewinn für 2020 bekräftigte, noch lange nicht. „Die Deutsche Post DHL Group ist stärker aufgestellt als jemals zuvor“, sagte er am Dienstag. „Wir sind davon überzeugt, dass zukünftiges Wachstum aus einer konsequenten Fokussierung auf unsere profitablen Logistik-Kerngeschäfte resultiert – und die Digitalisierung wird dabei der größte Hebel sein.“

Hilfestellung erhielt er im Frühjahr dazu von der Bundesnetzagentur, die den Weg frei machte für umfangreiche Preiserhöhungen. Im Juli durfte die Post, der nach der vormaligen Verordnung ein solcher Schritt verwehrt gewesen wäre, den Beförderungspreis für den Standardbrief von 70 auf 80 Cent hochschrauben.

Wie viel das in die Kasse bringt, will man im Posttower nicht verraten, doch der Zusatzgewinn lässt sich leicht errechnen. Fünf Prozent des 61 Milliarden Euro schweren Konzernumsatzes unterlägen noch der Regulierung, berichtete Appel vor einigen Monaten. Somit erhöht die Portoerhöhung in diesem Jahr den Gewinn um 145 Millionen Euro, im kommenden Jahr um das Doppelte.

Eine weitere Hilfestellung könnte nun von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kommen. Der CDU-Politiker denkt inzwischen laut darüber nach, die sogenannte Post-Universaldienstleistungsverordnung zugunsten des Bonner Konzerns zu ändern. Die Auflage, dass deren Briefträger an sechs Tagen die Woche an der Haustür zuzustellen haben, will er um einen Tag verkürzen. An Montagen blieben dann voraussichtlich die Hausbriefkästen leer – mit einem willkommenen Nebeneffekt für die Post: Ihre Personalkosten gingen damit drastisch nach unten.

Gleichzeitig setzt Appel schon seit Wochen alle Hebel in Bewegung, durch Preisanhebungen auf breiter Front die Margen zu verbessern. So ließ er seinen neuen Brief- und Paketvorstand Tobias Meyer zum 1. September die Preise für kleinere Geschäftskunden erhöhen, die üblicherweise nach Listenpreis zahlen. Zudem verteuerten sich Pakete bis fünf Kilogramm für Privatkunden um 50 Cent auf 7,49 Euro.

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Ab dem nächsten Jahr verschlechtern sich auch für Großkunden wie Amazon oder Zalando, die ihre Preise individuell aushandeln, die Konditionen. Gegenüber den Kunden rechtfertigt dies die Post mit zusätzlichen Investitionen von 150 Millionen Euro pro Jahr, die sie ins Personal, in die Automatisierung und die Infrastruktur stecken will, um den Betrieb effizienter zu machen.

Gleichzeitig drängt der Vorstandschef darauf, unrentable Geschäftsverbindungen einzustellen. Rühmte sich Ex-Paketvorstand Gerdes noch damit, Amazons Auftrag für die Auslieferung von Frischeprodukten an Land gezogen zu haben, ließ Appel in Berlin, Hamburg und München die Zusammenarbeit mit Amazon Fresh nach zwei Jahren wieder einstellen. Auch den Online-Lebensmittelhändler „Allyouneedfresh“ gibt es inzwischen im Konzern nicht mehr. Das teure Experiment ließ Appel vor einem Jahr beenden, den Internetsupermarkt verkaufen.

Auch das Expressgeschäft, dessen weltweites, zeitgenaues Zustellnetz gut die Hälfte des Betriebsgewinns erwirtschaftet, soll künftig noch mehr in die Kasse bringen. Für dessen Kunden in Deutschland wird es ab Januar um 4,9 Prozent teurer, zudem will man schwere Sendungen nicht mehr befördern, um die Marge zu verbessern. Auch wer seine Fracht vor dem diesjährigen Weihnachtsfest dem DHL-Straßentransport anvertraut, wird vier Prozent mehr zahlen müssen als im Vorjahr.

Verkäufe sind im Gespräch

Dennoch bleibt reichlich Gegenwind. Seit März drücken die Post Zusatzkosten im Personalbereich, weil die Paketsparte die umstrittene Zweiklassengesellschaft im eigenen Haus beendete. Die 13 000 Beschäftigten der ausgegliederten „Delivery“-Gesellschaften, die nach den niedrigen Flächentarifverträgen mit durchschnittlich 13,50 Euro pro Stunde entlohnt wurden, kommen seit Juli in den Genuss des Konzerntarifs. Damit aber kosten sie mitunter ein Drittel mehr als früher.

Auch im Lagereigeschäft, der sogenannten Supply-Chain-Sparte, läuft es nicht überall rund. Insbesondere in Großbritannien, wo DHL durch Lieferausfälle beim Kunden Kentucky Fried Chicken in die Schlagzeilen geriet, musste der Konzern eine teure Restrukturierung starten. Um 2020 die Zielmarke dennoch zu erreichen, spekulierte vor wenigen Tagen das „Manager Magazin“, könnte sich Appel zum Verkauf der Supply-Chain-Aktivitäten in Afrika entschließen. Dies brächte einen Buchgewinn von „mehreren Hundert Millionen Euro“.

Auch der Verkauf der Streetscooter-Produktion, falls sich ein Interessent findet, würde den Jahresgewinn nach oben treiben. „Wir werden keine Unternehmensverkäufe vornehmen“, hielt dem Finanzchefin Melanie Kreis entgegen, „um den Gewinn auf die anvisierte Zielmarke zu treiben.“

Überzeugen würden solche Aktionen die Anleger ohnehin kaum. „Wir erwarten den angekündigten Betriebsgewinn bereinigt um einmalige Erträge und Aufwendungen“, sagt ein Frankfurter Analyst. „Alles andere wären Taschenspielertricks.“

Mehr: Die Deutsche Post will mit dem Elektro-Kleinlaster Streetscooter in den chinesischen Markt einsteigen. Dafür kooperiert der Dax-Konzern mit dem Autobauer Chery.

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