Neuer Investor Fast jeder zweite Job bei Strauss fällt weg

Die insolvente Handelskette Strauss Innovation ist gerettet. Ein neuer Investor springt ein. Doch für zahlreiche Filialen und die Logistik gibt es keine Perspektive im Unternehmen.
Die Deutsche Mittelstandsholding (DMH) wird große Teile von Strauss Innovation als neuer Eigentümer übernehmen. Quelle: dpa
Strauss Innovation

Die Deutsche Mittelstandsholding (DMH) wird große Teile von Strauss Innovation als neuer Eigentümer übernehmen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie insolvente Handelskette Strauss Innovation hat einen Investor gefunden. Die Deutsche Mittelstandsholding (DMH) wird große Teile des Unternehmens als neuer Eigentümer übernehmen.

Einen entsprechenden Kaufvertrag haben der Strauss-Insolvenzverwalter Horst Piepenburg und die DMH unterzeichnet. Der rechtliche Betriebsübergang soll nach Erfüllung der erforderlichen Bedingungen Anfang November 2015 stattfinden.

Für einen großen Teil der Mitarbeiter bedeutet die Rettung des Unternehmens jedoch trotzdem keine gute Nachricht. Denn nach derzeitiger Planung können mit der gefundenen Sanierungslösung nur etwas mehr als die Hälfte der bisherigen Arbeitsplätze erhalten werden, teilte das Unternehmen mit. So gehen nur zwei Drittel der Filialen, der Onlineshop und ein Teil der Verwaltung in Langenfeld auf die neue Gesellschaft über. Aus der Zentrale wird etwa ein Drittel der Arbeitnehmer übernommen.

Das bedeutet auch das Aus für die Strauss Logistik GmbH, denn die Warenprozesse sollen ab kommendem Jahr auf einen neuen Logistikdienstleister übergehen. Die Arbeitsverträge der Mitarbeiter in den Filialen, im Logistikzentrum sowie in der Zentrale, die nicht auf die neue Gesellschaft übergehen, werden vom Insolvenzverwalter gekündigt. Mit den Betriebsräten wird nun ein Interessenausgleich und ein Sozialplan erarbeitet.

Die größten Pleiten im deutschen Einzelhandel
Baumarktkette Praktiker
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Praktiker

Die Baumarktkette hat am 11. Juli beim Amtsgericht Hamburg offiziell Gläubigerschutz beantragt. Gespräche über die weitere Finanzierung des Sanierungspakets sind am 10. Juli 2013 gescheitert. Damit ist Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig.

Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht - rund 30 bis 35 Millionen Euro - nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Fortwährende Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") brachten den Konzern 2011 an den Rande des Ruins. Es folgt die Sanierung, die vorsah, Praktiker-Märkte auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. 2012 setzte Praktiker mit seinen 430 Märkten rund drei Milliarden Euro um, das reichte jedoch nicht, um die entstandenen Schulden zu tilgen. 18.000 Mitarbeiter bangen nun um ihre Zukunft.

Baumarkt Max Bahr
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Max Bahr

Am 26. Juli folgte die Praktiker-Schwestermarke Max Bahr mit über 130 Filialen in die Inoslvenz. Das Hamburger Unternehmen hatte am Ende damit zu kämpfen, das Kreditversicherer nicht länger für Warenlieferungen an die Filialen einstehen wollten.

Schicksal von Versandhändler Neckermann.de auf Messers Schneide
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Neckermann

Es ist der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fallen dem zum Opfer. Die Mitarbeiter fordern Abfindungen; die Konzernspitze beklagt, dazu fehle das Geld.

Nun hat sich Verdi und das Management über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätze nicht einigen können. Sun Capital werde keine weiteren Mittel für die Finanzierung zur Verfügung stellen, teilte das Unternehmen mit. Damit ist das Unternehmen pleite.

Bundesagentur sieht Chancen fuer Schlecker-Mitarbeiter auf neue Jobs
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Schlecker

Ende Februar 2012 meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden.

Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.

Billionaire Berggruen smiles after he received a name sign of Karstadt at a Karstadt store located on the Kurfuerstendamm boulevard in Berlin
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Karstadt

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutscht 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern geht für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und ist damit vorerst gerettet. Bis 2016 - so Pläne von Dezember 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegen - soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen bis 2016 rund 272 Millionen Euro betragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 lag der Umsatz bei 3,228 Milliarden Euro. Karstadt schrieb einen ansehnlichen operativen Gewinn (Ebitda) von 103 Millionen Euro. Am 16. Juli gab Karstadt bekannt, 2000 Stellen streichen zu müssen.

huGO-BildID: 14611620 Quelle-Kataloge sind am Freitag, 19. Juni 2009, vor einem Quelle-Shop in Frankfurt am Main gestapelt. Bei dem insolventen Versa
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Quelle

Ein weiteres Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter.

Drogeriemarktkette IhrPlatz insolvent
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IhrPlatz

Die Schlecker-Tochter wurde mit in die Insolvenz gerissen. Betroffen von der Pleite sind rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Seit 2007 gehört IhrPlatz zu Schlecker. Davor waren die Märkte schon einmal insolvent - und konnten sich erfolgreich sanieren. Ursprünglich sollte IhrPlatz die Schlecker-Premiummarke werden. Nach der Pleite der Unternehmensmutter Schlecker wird noch nach einem Investor für IhrPlatz gesucht.

Auf einer Betriebsversammlung in Langenfeld haben sich die Geschäftsführer der DMH, Holger Buetzler und Philipp Riekert, der Belegschaft vorgestellt. Begleitet wurden sie von dem ehemaligen Woolworth-Geschäftsführer Dieter Schindel. Er soll mit seinem Sohn Alexander einer der Co-Investoren bei Strauss Innovation werden.

Die exakte Filial- und Personalplanung wird derzeit noch in Absprache mit den Verfahrensbeteiligten erarbeitet. Bis zum Closing des Kaufvertrages, das Anfang November erwartet wird, soll die Planung abgeschlossen sein. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Die in Schieflage geratene Handelskette mit 1100 Beschäftigten und 77 vorwiegend in Nordrhein-Westfalen gelegenen Filialen hatte bereits im Juni einen Insolvenzantrag gestellt. Nach zwei schwachen Monaten im März und April hatten die Mittel für die Finanzierung der Winterkollektion nicht mehr ausgereicht. Das Amtsgericht Düsseldorf hatte Anfang September das Insolvenzverfahren eröffnet. Ohne einen neuen Investor hätte der Geschäftsbetrieb nach Einschätzung des Insolvenzverwalters nur noch bis Weihnachten fortgeführt werden können.

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