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Neues Konzept Messe, Konferenz, Happening – so soll die IAA in München aussehen

Nichts bleibt wie in Frankfurt: Für den Neustart der Automesse will München die Bevölkerung enger einbinden. Doch Konflikte sind absehbar.
01.07.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren
Alles neu an der Isar. An diesem Mittwoch haben die Messemacher das neue Konzept vorgestellt. Quelle: dpa
Die IAA zieht auf das Münchner Messegelände

Alles neu an der Isar. An diesem Mittwoch haben die Messemacher das neue Konzept vorgestellt.

(Foto: dpa)

München Spinnweben an den Fahrradständern, die Parkdecks verwaist, Totenstille in den Hallen: Wegen des Coronavirus ist die Messe München seit Monaten wie leer gefegt. Wenn die großen Pläne aufgehen, wird sich das am 7. September kommenden Jahres komplett ändern. Dann werden Tausende Besucher das weitläufige Gelände bevölkern, denn es wird der erste Tag der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) sein.

Europas größte Automobilschau zieht vom Main an die Isar, und nichts soll so bleiben, wie es war. An diesem Mittwoch haben die Veranstalter ihr Konzept in München vorgestellt. Die IAA werde „Messe, Konferenz und Happening“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

Kern der Neuausrichtung ist die Ausstellung auf dem Messegelände im Osten von München. Hier werden sich Autohersteller und Zulieferer präsentieren. Aber nicht mehr im Wettstreit gewaltiger Stände. Auftritte auf 10.000 Quadratmetern wie früher in Frankfurt werde es nicht geben, betonte Müller. Vielmehr würden die Marken „die letzten technologischen Ideen“ präsentieren. Die ganze Modellpalette zu zeigen sei nicht geplant. Parallel dazu würden Konferenzen und Diskussionsrunden angeboten.

Die gut zehn Kilometer ins Zentrum will die Messegesellschaft mit einer sogenannten „Blue Lane“ überwinden. Auf der dürfen nur Fahrzeuge unterwegs sein, die mit mindestens zwei Personen besetzt sind und keine oder nur wenige Schadstoffe ausstoßen. „Das soll keine VIP-Lane werden“, unterstrich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) – sondern ein Schaufenster für modernste Fortbewegungsmittel. Allerdings wohl nur für welche mit Motor, denn die Route wird vermutlich über die Autobahn führen.

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Standort erkennen

    Dritter Bestandteil der neuen IAA sind zentrale Plätze in der Innenstadt, die Ausrichter nennen sie „Open Space“. Hier soll die Bevölkerung „Mobilitätslösungen real erfahren“, so Müller. Dazu gehörten neben Autos auch E-Bikes, E-Scooter und natürlich der öffentliche Nahverkehr. Vielleicht sind sogar Flugtaxis zu sehen.

    Die IAA zieht um, weil die Schau in Frankfurt mit den Jahren immer weniger Besucher anzog. Zuletzt zogen sich auch zunehmend die Aussteller zurück. Darüber hinaus sorgten Proteste für schlechte Stimmung unter Industrievertretern und Gästen.

    Der VDA hat daraus die Konsequenzen gezogen und nach einem neuen Standort gesucht. München setzte sich unter anderem gegen Berlin durch. Mit dem Umzug schrumpft die IAA nicht nur auf der Fläche, sie zieht sich auch nicht mehr so lange hin. Statt knapp zwei Wochen dauert die Messe im kommenden Jahr nur noch sechs Tage. Demonstrationen wie in Frankfurt fürchten die Ausrichter nicht. Unterschiedliche Meinungen seien willkommen, erläuterte Müller.

    Der Autosalon in Genf fällt aus

    Es ist nicht selbstverständlich, dass die IAA nach dem Flop in Frankfurt einen Neustart erlebt. Der Autosalon in Genf beispielsweise wird im kommenden Jahr nicht stattfinden. Schon 2020 war die Veranstaltung wegen Corona ausgefallen. Die Absage des Events begründeten die Ausrichter Anfang dieser Woche damit, dass viele Automarken derzeit sparen müssten.

    VDA-Funktionärin Müller ist trotzdem überzeugt, dass die Hersteller und Zulieferer in München dabei sein werden – auch die aus dem Ausland. Standort und Konzept seien im Verband einstimmig gutgeheißen worden, betonte die Managerin. Der IAA verstehe sich jetzt als „Impulsgeber für Mobilitätslösungen“, doch „die IAA ist auch eine Autoshow“, betonte Müller.

    Der Freistaat Bayern und die Stadt München sind froh, dass sie die neuartige Messe ausrichten dürfen. „Die Zeit ist günstig, disruptiver heranzugehen“, unterstrich Ministerpräsident Markus Söder bei der Präsentation des Konzepts. Geplant sei ein regelrechter „Relaunch“ einer Ausstellung, die zuletzt nicht mehr erfolgreich gewesen sei.

    Und trotz aller Kritik an Autos: „Ohne das Auto gibt es keinen vergleichbaren Wohlstand in Deutschland“, so der CSU-Politiker. Söder beschrieb die neue IAA als „Festival und Denkfabrik“. Mit 15 Millionen Euro fördert das Land das Konzept.

    Für die Stadt könnte die Messe ein Neubeginn sein. Nicht nur das Oktoberfest musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, auch die meisten Messen fielen aus. Eine harte Zeit also für das Gastgewerbe der Millionenstadt. Oberbürgermeister Reiter hofft daher nächstes Jahr zur IAA auf „einen ganz deutlichen Schub für Hotellerie und Gastronomie“.

    Wenngleich völlig unklar ist, wie viele Besucher die angesichts der Pandemie am Ende besuchen. Die Münchener Messe hätte „das modernste Konzept“, um mit der Bedrohung durch Corona umzugehen, betonte VDA-Präsidentin Müller.

    Arbeitsplätze in Gefahr

    Schon in diesem Herbst will die Messe München wieder starten. Die Immobilienmesse Expo Real im Oktober soll den Neuanfang machen – mit breiteren Gängen und einer speziellen Handy-App. Die informiert bei einem Corona-Fall Kontaktpersonen anonym. „Das Risiko bei einem Messebesuch darf nicht größer sein als beim Einkaufen im Supermarkt“, sagte zuletzt Messechef Klaus Dittrich.

    Allein in München hängen 16.400 Arbeitsplätze indirekt von der Messe ab. Das Messegeschäft sei ein „unglaublicher Hebel, um die Wirtschaft zu beleben“, so Dittrich.

    Bisher hat der Ausfall der Messen mehr als zwölf Milliarden Euro Schaden in der deutschen Wirtschaft angerichtet, errechnete jüngst der Verband der deutschen Messewirtschaft, Auma. Die gesamtwirtschaftlichen Produktionseffekte erreichen sonst laut Ifo-Institut 28 Milliarden Euro im Jahr. Dem Staat sind durch die Coronakrise damit fast zwei Milliarden von 4,5 Milliarden Euro Steuern entgangen. 100.000 von 231.000 Stellen, die Messen direkt und indirekt schaffen, sind akut bedroht.

    Die IAA findet mindestens zweimal in München statt, 2021 und 2023. Für 2025 sieht der Vertrag von Messe und VDA eine Option vor. Ob die Münchener auf die Idee anspringen? Das dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob die geplante „Blue Lane“ nicht für noch mehr Staus als sonst schon sorgt. Denn auf der Autobahn 94 direkt neben dem Messegelände ist im morgendlichen Berufsverkehr schon heute kaum ein Durchkommen. Elektroautos auf einer eigenen Spur dürften da kaum für Begeisterung sorgen, und sei es nur für eine Woche.

    Mehr: IAA Nutzfahrzeuge muss wegen Corona-Einschränkungen ausfallen

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