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New York, Nothern Virginia Mehr Arbeitsplätze, höhere Mieten – Was Amazons Expansion für die neuen Standorte bedeutet

Der größte Onlinehändler der Welt gönnt sich gleich zwei neue Zentralen. Das dürfte das Stadtbild der neuen Standorte verändern – selbst in New York.
13.11.2018 Update: 14.11.2018 - 03:21 Uhr Kommentieren
Die Glaskuppelbauten vor der Amazon-Zentrale, genannt The Spheres, sind sphärische Wintergärten, die den Mitarbeitern als Lounge und Arbeitsplatz dienen. Quelle: AP
Amazon-Headquarter in Seattle

Die Glaskuppelbauten vor der Amazon-Zentrale, genannt The Spheres, sind sphärische Wintergärten, die den Mitarbeitern als Lounge und Arbeitsplatz dienen.

(Foto: AP)

Washington, San Francisco Die Fassade von „Day 1“ reckt sich im trüben Nieselregen in den Himmel über Seattle. Im Hauptgebäude von Amazon in der Innenstadt fahren mit künstlicher Intelligenz gesteuerte Fahrstühle bis in die 37. Etage. Die Zentrale mit dem bauchigen Gewächshaus „The Spheres“ im Vorgarten steht in einer Sichtachse mit der „Space Needle“, seit der Weltausstellung von 1962 Wahrzeichen der Stadt.

Diese optische Konkurrenz repräsentiert dem Machtanspruch von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Das Billionen-Unternehmen ist längst zum neuen Wahrzeichen der Westküstenmetropole geworden. Amazon beansprucht über 1,1 Millionen Quadratmeter Bürofläche in mehr als 40 Gebäuden und beschäftigt 45.000 Mitarbeiter. Dem Online-Riesen genügt nun selbst das nicht mehr.

Amazon hat jetzt neue Standorte für die zwei neuen Hauptzentralen ausgewählt: Long Island City im New Yorker Stadtteil Queens und National Landing in Arlington in Northern Virginia, im Ballungsraum Washington. An Seattle zeigt sich, was auf die neuen Standorte zukommt.

Die neuen Firmenzentralen versprechen goldene Zeiten für die auserwählten Regionen. Insgesamt fünf Milliarden US-Dollar will Amazon binnen zehn Jahren investieren, anvisiert sind 25.000 Arbeitsplätze pro Stadt. Darüber hinaus will Amazon ein Schulungs- und Kompetenzzentrum für Mitarbeiter in Nashville mit 5000 neuen Arbeitsplätzen errichten. Das rechnet sich auch für den Konzern: In New York stellt sich Amazon zugleich auf Subventionen von über 1,5 Milliarden Dollar ein, vor allem durch Steuervergünstigungen - in Arlington sind es nach Rechnung des Konzerns 573 Millionen Dollar.

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Standort erkennen

    „Es war unvermeidlich, dass Amazon seine Präsenz vergrößern und Arbeitsplätze außerhalb von Seattle ansiedeln muss“, urteilt Simon Stevenson, Director des Runstad Center for Real Estate Studies an der University of Washington. Auch Tech-Firmen wie Apple, Alphabet, oder Facebook eröffneten neue Standorte außerhalb Kaliforniens.

    Amazon-Gründer Jeff Bezos will die hippen Großstädter des Big Apple anziehen und im politischen Washington mitmischen. Schon den bisherigen Standort in der City wählte Amazon mit Bedacht. „Wir haben uns bewusst dafür entscheiden, in die Mitte von Seattle zu ziehen“, erklärt John Schoettler, Amazons Vice President Real Estate dem Handelsblatt.

    Amazon rückt ins Zentrum, mitten ins Leben der Menschen. Die neuen Büros in New York entstehen im rasant in die Höhe wachsenden Viertel Long Island City. Das liegt im Stadtteil Queens – direkt am East River mit Blick auf das Uno-Gebäude gegenüber. Die U-Bahn braucht nur fünf Minuten zum anderen Ufer, bis Manhattan.

    Seit einigen Jahren wachsen hier Hochhäuser mit Luxuswohnungen in den Himmel und die Gegend, die einst hässliche Hafengebäude und Lagerhallen beheimatete, wird langsam angesagt. Auch Google, Facebook und der Musikstreaming-Dienst Spotify haben New York für sich entdeckt und ihre Dependancen ausgebaut. Mittlerweile arbeiten im Big Apple mehr Leute in der Technologie-Branche als in der Finanzwelt.

    Anders als in Seattle wird Amazon in der Metropole New York die Stadt zwar nicht dominieren. In dem Viertel Long Island aber wird der Internet-Gigant das ohnehin überlastete U-Bahn-System auf eine weitere Probe stellen. Vor allem einkommensschwächere Bewohner fürchten zudem, dass Amazon sie aus ihren alten, oft noch mietpreisgebundenen Wohnungen verdrängen könnte.

    Kritisch über den Einzug des E-Commerce-Giganten äußert sich deshalb auch die Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez, seit den Zwischenwahlen jüngstes Mitglied im US-Kongress: „Amazon ist ein Milliarden-Unternehmen. Die Idee, dass es Hunderte Millionen Dollar in Form von Steuernachlässen in einer Zeit erhält, in der unsere U-Bahnen zusammenbrechen und unsere Viertel MEHR und nicht weniger Investitionen brauchen, ist extrem beunruhigend für die Bewohner hier“, schreibt sie auf Twitter.

    In Seattle stiegen die Büromieten laut Matthew Gardner, Chefökonom der Windermere Real Estate, seit 2007 um 43 Prozent in der Lake Union Market Area, in der Amazon residiert. Die Wohnraummiete im unmittelbaren Gebiet um den Amazons Campus herum stieg um mehr als 70 Prozent.

    „Ich würde nicht sagen, das dies Amazon allein verursacht hat. Dennoch, der Einfluss war sehr bedeutsam“, sagt Gardner. New York und Arlington müsse klar sein, „dass die Präsenz von Amazon Miet- und Wohnraumpreise ebenso in die Höhe treibt, wie die Grundsteuer“.

    Der Ballungsraum um Washington wiederum war lange Gegenstand von Spekulationen: Die drei aneinander angrenzenden Gebiete Northern Virginia, das Montgomery County in Maryland und die US-Hauptstadt hatten sich separat auf Amazons Ausschreibung beworben. Allesamt landeten in der engeren Auswahl, was die Wahrscheinlichkeit erhöhte, dass einer im Trio das Rennen machen würde.

    Bürger in Washington rechnen mit steigenden Immobilienpreisen

    Mit der Entscheidung streicht Bezos mehrere Vorteile ein. Nicht ganz eine halbe Stunde braucht man von Arlington aus ins Regierungsviertel und ins Lobbyisten-Mekka auf der K Street in Washington. Amazon hat seine Lobbyarbeit in den vergangenen Jahren extrem aufgestockt. 2014 eröffnete der Konzern sein Washingtoner Büro für Regierungsangelegenheiten auf der K Street, es wird seit 2015 geleitet von Jay Carney, ehemaliger Pressesprecher unter Barack Obama.

    Bezos will die Politik zu seinen Gunsten beeinflussen, bei wichtigen Themen wie Drohnenfliegerei, Cloud Computing und Lebensmittel-Lieferdiensten. Aber es steht auch wegen kartellrechtlicher Bedenken unter Druck.

    Die Trump-Regierung erwägt „sehr ernsthaft“ Kartellverfahren gegen Amazon, Google und Facebook einzuleiten. Ein großer lokaler Arbeitsplatzschaffender in der D.C.-Region könnte möglicherweise weniger von der Justizbehörde angeklagt werden.

    Offenbar sprach am Ende jedoch zu viel dagegen, die Firmenzentrale direkt nach Washington zu verlegen. Die Hauptstadt hatte kein zusammenhängendes Areal im Angebot, über das Amazon hätte frei verfügen können. Bezos hätte seine neue Firmenzentrale auf mehrere Mini-Standorte aufteilen müssen. Und jeder, der einmal zur Stoßzeit versucht hat, in Washington von A nach B zu kommen, weiß, dass man unnötige Wege lieber bleiben lässt. Die Hauptstadt ist zudem vollgepackt mit Regierungsmitarbeitern und Diplomaten, Wohnraum ist knapp und teuer.

    Ein angenehmer Nebeneffekt für Bezos ist die geringe Distanz zu seinem Zweitwohnsitz. 2016 kaufte Bezos das frühere Textilmuseum im Washingtoner Promi-Viertel Kalorama für 23 Millionen US-Dollar. Er ließ es in eine Villa mit elf Schlafzimmern plus Ballsaal umfunktionieren, in seiner Nachbarschaft wohnen die Obamas und die Kushners. Bezos, der auch die „Washington Post“ besitzt, pendelt zwischen Seattle und der Hauptstadt.

    Manche Bürger blicken mit Sorge auf die Entscheidung. „Jeff Bezos hat den Einzelhandel zerstört“, sagt die Washingtonerin Dolores Foscherari. „Wenn der Konzern in unsere Nähe zieht, werden nur Entwickler, Grundstücksbesitzer und Unternehmer davon profitieren“, schimpft sie. „Der Rest von uns wird verrückt“. Ähnlich sieht das Ron McDevitt, Arzt in Rente aus Nord-Virginia. „Land prices will soar and bulldozers will roar“, reimt er auf Facebook, frei übersetzt: „Die Grundstückspreise werden steigen, Bulldozer werden heulen“. Ganz unberechtigt sind die Bedenken nicht.

    Der Ballungsraum Washington wächst auch ohne Amazon stetig, allein im vergangenen Jahr kamen 65.000 neue Bürger dazu. Die Verkehrsadern sind verstopft, die Miet- und Kaufpreise steigen, die Region ist sozial extrem gespalten: heruntergekommene Viertel mit hoher Armutsquote reihen sich an Geschäftsmeilen und Luxus-Immobilien.

    Von möglichen „Wachstumsschmerzen“, spricht der Stadtplanungsexperte Joseph Parilla von der Denkfabrik Brookings. „Amazon dürfte überwiegend Menschen außerhalb des lokalen Arbeitsmarktes einstellen“, sagt er – hochqualifizierte Neuzugänge, die extra für den Job in die Metropolregion ziehen.

    „Währenddessen haben die Bewohner mit den Folgen zu kämpfen, in Form höherer Immobilienpreise, Lebenskosten und Verkehrsstaus“. Parilla plädiert dafür, dass ein Teil der von Amazon erzielten Steuereinnahmen „explizit für einen Fonds vorgesehen wird, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und auszubauen„.

    Aber auch positive Effekte sind absehbar. Brookings-Expertin Martha Ross geht davon aus, dass die Ansiedlung die Wirtschaftskraft einer Region „stärkt und diversifiziert, die sich zu lange auf Regierungsbeamte und dazugehörige Branchen konzentriert hat.“

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