Nicolas Berggruen „Ich war als Geschäftsmann zu weich“

Nicolas Berggruen gilt in der Branche als Phantom, denn der Karstadt-Investor gibt nur selten Interviews. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ zieht er nun eine kritische Zwischenbilanz nach der Übernahme.
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Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen: „Der Kapitalismus hat große Mängel, vor allem in Amerika.“ Quelle: dpa

Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen: „Der Kapitalismus hat große Mängel, vor allem in Amerika.“

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Hamburg, München, DüsseldorfKarstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hat dreieinhalb Jahre nach der Übernahme des Karstadt-Konzerns eine kritische Zwischenbilanz gezogen. „Ich war nicht klar genug und als Geschäftsmann zu weich“, sagte Berggruen der „Süddeutschen Zeitung“. „Ein normaler Investor hätte sich ganz anders benommen, viel härter, er hätte einen Teil der Läden geschlossen oder verkauft.“ Warum er den Mitarbeitern zunächst trotzdem ihre Jobs garantierte, bevor er einige von ihnen wenig später doch entlassen musste? „Mir war das moralisch wichtig. Ich wollte die Häuser und Mitarbeiter von Karstadt zusammenhalten.“ Und: „Ich war überzeugt, dass wir Zeit für die Sanierung haben.“

Im Rückblick grämt er sich, dass er damals nicht von Anfang an Klartext geredet habe. Berggruen: „Ich hätte sagen sollen: Okay, ich habe Karstadt gekauft, aber damit ist noch nichts gerettet. Es ist nicht sicher, ob der Turnaround zu schaffen ist. Es geht nur mit maximalen Anstrengungen.“ Er sei überrascht gewesen, dass das Thema Karstadt in Deutschland derart die Öffentlichkeit bewegt. „Ich hatte gedacht: Das ist ein Unternehmen, dem es nicht gut geht – und ich werde mein Bestes versuchen. Dann musste ich schmerzhaft lernen, dass es diese Kultur der Risikobereitschaft nicht gibt. Wenn etwas nicht sofort klappt, wird man sehr schnell bestraft.“

Berggruen, dessen Vermögen von vom Forbes Magazine zuletzt auf zwei Milliarden Dollar geschätzt wurde, forderte von den Gewerkschaften wenige Tage vor Gesprächen über einen neuen Tarifvertrag Unterstützung. Die sind gar nicht gut auf ihn zu sprechen. Den im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Berggruen eine sogenannte „Tarifpause“ angekündigt und damit für Unmut gesorgt. „Eigentlich müssten wir bei Karstadt sagen: Der Feind ist nicht drinnen, sondern da draußen - die Konkurrenz, das Internet“, sagte Berggruen. Stattdessen aber gebe es einen „internen Konflikt“. „Mitten im Turnaround hilft das nicht“, so Berggruen. Damit der Warenhauskonzern eine Chance habe zu überleben, müssten alle im Unternehmen mithelfen.

In dem noch laufenden Tarifstreit will die Gewerkschaft neben einer Rückkehr von Karstadt in die Tarifbindung auch eine Beschäftigungs- und Standortsicherung durchsetzen. Berggruen hatte den angeschlagenen Karstadt-Konzern im Juni 2010 für einen Euro übernommen. Inzwischen hat er Teile des Konzerns weiter veräußert. Dabei sagt er selbst in dem Interview über sich: „Ich bin ein langfristiger Investor und halte diese Unternehmen oft 10, 15 Jahre oder mehr.“ Sein großes Vorbild? Warren Buffett. Berggruen: „Ich investiere ein wenig wie er in Unternehmen, die einen starken Cashflow haben und bei denen die Branchen meist nichts miteinander zu tun haben.“

Aufspaltung schreitet voran. „Ich bin weiter da und kämpfe“
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4 Kommentare zu "Nicolas Berggruen: „Ich war als Geschäftsmann zu weich“"

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  • Für wie dumm hält Herr Berggruen die Leser?

    Er hatte nie ein Interesse T-Shirts zu verkaufen. Schon seit geraumer Zeit, seit es nur wenige Anlageformen neben den Aktien gibt, haben Reiche erkannt, dass man mit Geschäftsimmobilien gut Geld verdienen kann. So auch Berggruen und seine Kumpanen.

    Ziel des Deals war es von Anfang an nicht an den Unternehmensgewinnen, sondern an den Mietzahlungen und sonstigen "Kosten" zu verdienen. Die 300 Mill. sind gut angelegt. Direkt nach dem Verkauf der 75% wurden die Mieten erhöht. Jetzt werden vom Umsatz erst einmal die Vermieter (Berggruen und Kompanen) bedient. Wen interessiert denn noch Unternehmensgewinn, wenn man schon an den Kosten verdient?

    Erinnert sehr an die Bauherrenmodelle der 80ziger Jahre.

    Heuschrecke ist noch zu harmlos ausgedrückt. "Schmarotzer" kommt dem Wirken näher.

  • 1 Euro investiert; die Mitarbeiter die Kostenüberwälzung auf den Konzern vermittels Lohnverzicht finanzieren lassen; Immobilien an Investorgesellschaft veräußert; zulegende Mieten an diese bewilligt; sich an der Investorengesellschaft beteiligt...
    Zu weich?

  • Blender Berggruen:

    1 € in Karstadt investiert und dann über 10 000 000 € für "Marketing, Beratung, Lizenzen" auf die Cayman Islands verschoben.

  • Sehr guter Artikel, der endlich einmal einen neuen Blick wirft der vielen Linkenfremd sein dürfe. Warum nur hat das drei Jahre gedauert Es wa doc jedem Insider und vielen Laien klar, dass Karstadt kaum zu retten ist.
    Dennoch haben die Medientrottel aller Sender und Blätter Berggrün gehypt und ihn hinterher todgschrieben.
    Wurde deshalb wirklich eine Zeitung mehr verkauft?
    Was das seriös? wol kaum!
    Man gewinnt den Eindruck, dass die Medienen mit ihren Studieenabbrechern am wenigsten Komepetenz in diesem Land haben, aber eben drum glauben alles besser wissen.

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