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Niki-Nachfolgegesellschaft Der Verkauf von Laudamotion an Ryanair ist Niki Laudas größter Coup

Mit der Übernahme durch Ryanair sichert Niki Lauda den Betrieb der früheren Air-Berlin-Tochter Niki. Doch nicht alle werden begeistert sein.
20.03.2018 Update: 20.03.2018 - 11:03 Uhr 7 Kommentare
Ryanair: Der Verkauf von Laudamotion ist Niki Laudas größter Coup Quelle: dpa
Niki Lauda

Der Luftfahrtunternehmer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda vor einem Testflug nach Düsseldorf in einem Flugzeug der Laudamotion. Künftig fliegt auch der Billigflieger Ryanair mit.

(Foto: dpa)

Frankfurt, London Niki Lauda, früherer Formel-1-Rennfahrer, hat seinem Ruf mal wieder alle Ehre gemacht und für eine handfeste Überraschung gesorgt: In geheimen Verhandlungen hat er den britischen Billigflieger Ryanair als Aktionär ins Boot geholt. Der Vereinbarung zwischen Ryanair und Lauda zufolge wird die irische Gesellschaft zunächst einen Anteil von 24,9 Prozent an Laudamotion übernehmen.

Dieser Anteil soll dann „so schnell wie möglich“ auf 75 Prozent erhöht werden – dafür sei aber die Erlaubnis der europäischen Wettbewerbsbehörden erforderlich, heißt es in Dublin. Der frühere Rennfahrer Lauda soll Chairman der Gesellschaft werden und „die Umsetzung seiner Strategie eines erfolgreichen, österreichischen Billigfliegers“ begleiten. 

„O‘Leary und ich sind uns schnell einig geworden“, verkündete der Luftfahrtunternehmer an Bord seines Premierenfluges. Der 69-Jährige kündigte an, die Flotte mit Hilfe von Ryanair auf 30 Jets innerhalb von zwei Jahren aufstocken zu wollen. „Man muss eine kritische Größe erreichen“, sagte Lauda zur Begründung. „Mit der Ryanair bekomme ich einen Turbo“, sagte Lauda. „Ich bin darüber sehr froh.“

Ryanair werde Laudamotion finanziell unterstützen und für den Sommer sechs Flugzeuge über eine sogenannte „Wet-Lease“-Vereinbarung zur Verfügung stellen, damit Laudamotion seine Pläne umsetzen könne.

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    Die Transaktion, mit der wohl keiner in der Branche gerechnet hatte, passt gleichwohl ins Bild. Denn Lauda sichert damit den noch immer wackeligen Flugbetrieb und minimiert sein persönliches Risiko. Zunächst war der Verkauf von Niki an Lufthansa aus kartellrechtlichen Gründen gescheitert. Dann scheiterte auch der Verkauf an die britisch-spanische IAG, weil das Insolvenzverfahren von Deutschland nach Österreich verlegt wurde. 

    Niki Lauda hat sich zwar nach einer abenteuerlichen Entwicklung die wesentlichen Vermögenswerte der früheren Niki, die von ihm einst gegründet wurde, gesichert. Doch der Neustart des Flugbetriebs von Laudamotion am 25. März, also in wenigen Tagen, stand auf tönernen Füßen. Laudamotion konnte zunächst nur mit sechs Jets starten.

    „Niki kommt zurück zu Niki“ – Und wie geht es weiter?

    Zur Niki-Flotte gehören nun elf Flugzeuge, drei Eurowings-Jets und sechs Flugzeuge von der Ryanair, um die Slots der früheren Niki abzufliegen. Die Vorgänger-Airline hatte vor ihrer Pleite 60.000 genehmigte Start- und Landerechte, sogenannte Slots.

    „Mit der Ryanair komme ich auf perspektivisch auf 20 Jets und kann so meine 40.000 Slots abfliegen“, sagte Lauda in Düsseldorf. „Wettbewerb belebt die Sinne.“ Auf unrentable Strecken der Niki habe er freiwillig verzichtet.

    Deren Kapazität hat Lauda weitgehend über eine Partnerschaft mit der zu Thomas Cook gehörenden Ferienfluggesellschaft Condor vermarktet. Die versicherte auf Anfrage, dass sich an dieser Partnerschaft nichts ändere. „Wir begrüßen den positiven Einfluss, den Ryanairs Anteil auf die wachsende Laudamotion haben wird.“ Am Standort Düsseldorf werden fünf Laudamotion-Flugzeuge stationiert sein.

    Doch für das geplante Wachstum auf 21 Jets im Sommer braucht Lauda die Unterstützung eines weiteren Partners. Das sollte eigentlich Eurowings sein, die Lufthansa-Tochter. Der zuständige Lufthansa-Konzernvorstand Thorsten Dirks befindet sich seit Wochen in Gesprächen mit Lauda, weil er ebenfalls Kapazitäten für das weitere Wachstum sichern möchte. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte noch letzte Woche vom Zugriff auf bis zu zehn Flugzeuge gesprochen. 

    Welche Airlines es mit Ryanair aufnehmen könnten
    Platz 10: Flybe
    1 von 10

    Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt informiert im „Low Cost Monitor“ zweimal jährlich über die aktuellen Entwicklungen im Billig-Segment der Flugbranche. Das ist insofern wichtig, als die Billigflieger inzwischen monatlich Hunderttausende, manche sogar eine siebenstellige Anzahl an Passagieren befördern. So bot die britische Fluggesellschaft Flybe allein im vergangenen Juli 315.113 Sitze an. Im Vergleich mit den sonstigen Angeboten in Europa reicht das aber gerade so für Rang 10.

    Quelle: DLR Low Cost Monitor 2/2017

    (Foto: Wikipedia)
    Platz 9: Aer Lingus
    2 von 10

    Die Airline mit dem Kleeblatt ist die nationale Fluglinie Irlands und ist heute eine Tochtergesellschaft der International Airlines Group. Die Geschichte der Air Lingus reicht zurück bis ins Jahr 1936. Damals nahmen die irischen Unternehmer Sean O'Madhaigh und Thomas J. Flynn rund 100.000 Pfund Sterling in die Hand und gründete die „Aer Lingus Teoranta“. Der Flugbetrieb wurde mit einer de Havilland Dragon aufgenommen, die Platz für sechs Personen bot. 81 Jahre später stellen die Iren innerhalb eines Monats ein Sitzplatzkontingent von 328.946.

    (Foto: Reuters)
    Platz 8: Jet2
    3 von 10

    Erst seit 2003 sind Flieger der britischen Jet2 im Luftverkehr zu erspähen. Flugziele der Airline sind außerhalb der britischen Insel hauptsächlich Urlaubsdestinationen im Mittelmeer sowie einige europäische Städte. In Deutschland werden die Düsseldorf, München und Berlin angeflogen. Im Juli 2017 konnte die junge Airline ein Kontingent von 345.414 Sitze anbieten.

    (Foto: Wikipedia)
    Platz 7: Transavia/Transavia France
    4 von 10

    Die Transavia ist ein Billigflieger, der 1966 von einem Belgier und einem Schotten in den Niederlanden gegründet wurde. Die KLM Royal Dutch Airlines erwarb 1991 rund 80 Prozent der Anteile an der Fluglinie. Zwölf Jahre später erfolgte die vollständige Übernahme. Nur ein Jahr später kam dann allerdings der Zusammenschluss von KLM und Air France, weshalb Transavia heute eine Tochtergesellschaft der Air France-KLM ist. Im Jahr 2007 wurde mit der Transavia France eine weitere Tochter gegründet, die sich vom niederländischen Flieger aufgrund derselben Bemalung kaum unterscheiden lässt. Zusammengenommen kommen die beiden Töchter im vergangenen Juli auf 359.149 Sitze.

    (Foto: Wikipedia)
    Platz 6: Wizz Air
    5 von 10

    Die einzige osteuropäische Fluglinie in diesem Ranking hat ihren Sitz in Ungarn. Erst seit 2004 unterwegs, ist der Billigflieger mit derzeit 28 Basen die bedeutendste Billigfluggesellschaft in Mittel- und Osteuropa. Das gesetzte Ziel, wie Ryan vor allem Flughäfen in der Nähe von europäischen Großstädten anzufliegen, ging voll auf. Im Juli 2017 lag die Kapazität bei 661.080 Passagieren.

    (Foto: Reuters)
    Platz 5: Eurowings/Germanwings
    6 von 10

    Im Jahr 1993 entstand die „Eurowings Luftverkehrs AG“ ursprünglich aus dem Zusammenschluss der Nürnberger Flugdienst (NFD) und der Reise- und Industrieflug (RFG). Der Dortmunder Unternehmer Albrecht Knauf hielt zunächst 98,2 Prozent der Anteile. Im Frühjahr 2001 stieg die Lufthansa zunächst mit einem Anteil von 24,9 Prozent ein. Zehn Jahre später erfolgte die komplette Übernahme. Seit 2002 firmiert ein Billigflieger der damaligen Eurowings AG unter dem Namen Germanwings. Dieser wurde schon 2009 vollständig an die Kranich-Airline verkauft. Heute sind die beiden Wings-Flieger weiter eng miteinander verknüpft und kamen im vergangenen Juli zusammen 662.473 Sitzplätze.

    (Foto: dpa)
    Platz 4: Norwegian Air
    7 von 10

    Auch in Skandinavien findet sich mit der Norwegian ein erfolgreicher Billigflieger. Im Jahr 1993 als norwegischer Regionalflieger gestartet, wurde die Gesellschaft neun Jahre später auf das Billigflug-Konzept umstrukturiert und hat seither das europäische Geschäft kontinuierlich ausgebaut. Vor drei Jahren wurde in Irland die Tochtergesellschaft Norwegian Air International gegründet. Durch die Standortwahl bekam die Linie Verkehrsrechte der EU, wodurch man Zugriff auf das Open-Skies-Abkommen erhielt, was wiederum die Durchführung von Flügen in die USA ermöglicht. Der Schritt war auch aufgrund eines Rekrutierungsbüros in Singapur, um thailändisches Bordpersonal anzuwerben, nicht unumstritten. Das Konzept der Norweger geht dennoch auf: Im Juli konnten sie ein Kontingent von 775.828 Sitzplätzen stellen.

    (Foto: Reuters)

    Gleichzeitig muss Lufthansa Lauda nach Vorgabe der EU-Kartellwächter Flugzeuge überlassen, die man sich von Niki im vergangenen Jahr im Vorgriff auf die dann gescheiterte Übernahme gesichert hatte. Ob diese Gespräche nach dem Ryanair-Einstieg fortgesetzt werden, ist unklar. Bei Lufthansa wollte man sich zunächst nicht äußern.

    Es ist aber schwer vorstellbar, dass sich Eurowings Kapazitäten bei einer Airline sichert, die zum Reich des Erzrivalen zählt. Ryanair-Chef Michael O'Leary jedenfalls konnte sich einen Seitenhieb auf die Konkurrenz nicht verkneifen. Laudamotion werde nun noch schneller wachsen und so versuchen, ein Wettbewerber zu werden, „in einem Markt, den Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften in Österreich und der Schweiz mit ihren hohen Ticketpreisen beherrschen“.

    Auch in der Belegschaft der früheren Niki dürfte die überraschende Wende auf ein geteiltes Echo stoßen. Nicht nur müssen sich die Mitarbeiter nun innerhalb weniger Wochen erneut auf einen neuen Besitzer einstellen. Auch kommt mit Ryanair ein Mehrheitsaktionär in das Unternehmen, dessen Arbeitsbedingungen umstritten sind.

    Ähnlich wie auch Lauda arbeitet Ryanair zum Teil mit einer Anstellung etwa des fliegenden Personals über Leiharbeitsfirmen. Dabei hat Lauda gerade erst Gespräche mit den Belegschaftsvertretern über einen sogenannten Kollektivvertrag gestartet, also einen Tarifvertrag mit klaren Regeln. Der Einstieg von Ryanair dürfte die Unsicherheit nun erneut steigern.

    Die Kosten für die Übernahme von bis zu 75 Prozent durch Ryanair belaufen sich nach Einschätzung der irischen Fluggesellschaft auf weniger als 50 Millionen Euro. Die gleiche Summe will Ryanair noch einmal für Anlaufkosten im ersten Jahr und operative Kosten beisteuern. Im dritten Jahr soll das Unternehmen dann schwarze Zahlen schreiben. Lauda hat nach eigenen Aussagen rund 50 Millionen Euro investiert. 

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    7 Kommentare zu "Niki-Nachfolgegesellschaft: Der Verkauf von Laudamotion an Ryanair ist Niki Laudas größter Coup"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Rasant und mit vollem Risiko gelandet. Herr Lauda hat wieder einmal bewiesen, dass ihm zum „Gewinnen“ jedes Mittel recht ist. Er hat gezockt und sich selbst gerettet. Und das auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Die Rolle von Ryanair? Wer sollte da auf unlautere Gedanken kommen? Ryanair, ist im Umgang mit Personal schon legendär. Welche ethischen Ansprüche stellt Mercedes an seinen Markenbotschafter?

    • Ja da hat der Nikki den richtigen Riecher gehabt. Retter gemimt, Schnäppchenpreis und jetzt persönliches Risiko rausnehmen.
      Fragt sich, ob der Kontakt zu Ryanair wirklich erst jetzt afgebaut wurde oder nicht schon länger bestand. Das wird wie immer niemand erfahren.

    • Wie hat doch Niki über Lufthansa übelst geschimpft!
      Dabei ging es ihm nur um seinen eigenen Vorteil!
      Niki und O´Leari machen gemeinsame Sache: Qualität billig wie bei Ryanair, Bezahlung schlecht wie bei Ryaneir!

      Die Mitarbeiter sind verraten und verkauft!

      Die EU-Behörden und auch die Politiker in Österreich machen keine gute Figur - nicht nur die deutschen!

    • Eine nette Wende im AirBerlin-Wirtschaftskrimi, aber letztlich für LH völlig irrelevant. Was will man denn bei 95% Marktanteil innerdeutsch (und weit über 50% in Österr. & Schweiz & Benelux über div. Untermarken wie AUA und Swiss) noch groß erreichen? Die merken die paar Konkurrenz-Verbindungen nach Mallorca von div. österr. Provinzflughäfen und evtl. Düsseldorf doch gar nicht.
      Und dass hier wie dort unintelligente Politiker immer noch Geld des Steuerzahlers versenken, ist nun wirklich nix Neues.
      Seltsam nur, dass alle mit einem privaten De-facto-Monopol glücklich und zufrieden sind und gegen diesen "Deal" aufschreien und anschreiben wenn ein kleiner Fisch einen Miniplayer übernimmt.....

    • Ja der Kredit vom Wirtschaftsministerium von 200 Mio wurde nur unter der Prämisse gegeben, wenn dieser zu 100 Prozent zurückgezahlt wird- offensichtlich haben wieder einige hochbezahlte Staatssekretäre ihre Aufgaben nicht erfüllt wenn dieser Kredit nun doch nicht an die Steurzahler zurückfliesst- in normalen Unternehmen würden diese Personen fristlos gekündigt und ggfls Strafanzeige gestellt.
      Unseren Beamten passiert wie immer nichts.
      Das gleiche hat Gerhard Schröder bereits beim konkursreifen Bauunternehmen Holzmann getan- auch dort wurden illegal duch sein Verschulden 200 Mio Euro Steuergelder versenkt- ich schlage daher auch hier eine Verhaftung wegen Veruntreuung vor.

    • Die Verlierer sind die Mitarbeiter, die sich an Ryaneir Verhalten gewöhnen müssen - und Niki hat sich ja mit dem O`Laery gut verstanden - bekommt ein Haufen Geld. Die Belegschaft wurde verkauft.
      Das ist kein gutes Omen für einen Neustart!

    • Die Bundesregierung und der deutsche Steuerzahler verlieren wegen des Hilfskredits von 150 Mio und ausstehenden Steuern 200 Mio Euro, den Betrag, den Lufthansa gezahlt hätte.
      Die EU hat die Übernahme verhindert, Niki kam mit 20 Mio zum Zug.
      Der Skandal ist perfekt:
      Während Lufthansa 200 Mio bot, kommt jetzt Ryanair durch die Hintertür mit 20 Mio zum Zug. Natürlich wird Niki eine Spesenrechnung präsentieren - Kleingeld für Ryanair - dem stärksten Wettbewerber von Lufthansa!
      Was sagt die EU?

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