Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Niklas Östberg Der Chef von Delivery Hero bricht mit der Etikette des Dax

Der Dax-Neuling bietet keine Dividende, dafür reichlich Verluste – und die Hoffnung auf eine große Zukunft. Für Index-Traditionalisten eine Provokation.
13.08.2020 - 15:15 Uhr 2 Kommentare
Allüren sind dem Delivery-Hero-Chef fremd. Quelle: Andreas Pein/laif
Niklas Östberg

Allüren sind dem Delivery-Hero-Chef fremd.

(Foto: Andreas Pein/laif)

Hamburg Das Scheitern ist Niklas Östberg über die Jahre seiner Unternehmerkarriere häufig prophezeit worden, der Aufstieg in den deutschen Börsenleitindex Dax eher selten. Das liegt nicht nur daran, dass dem gebürtigen Schweden die Allüren einiger der Dax-Manager fremd sind. Ein Interview mit ihm ist kein Staatsakt mit einem Hofstaat aus Referenten, sondern ein rasch verabredetes Treffen – entweder in einem kleinen Konferenzraum in der Berliner Zentrale oder per Zoom-Konferenz aus seinem Privathaus in Zürich.

Dennoch ist Östberg für manchen konservativen Dax-Anleger eine Provokation: Anders als die meisten seiner künftigen Mitstreiter verkörpert der 40-Jährige nicht die Wirtschaftswunder-Vergangenheit, sondern die Hoffnung auf die Zukunft. Während die deutschen Autohersteller und Chemikanten die Meriten vergangener Jahrzehnte in Dividendenzahlungen umsetzen, produziert Östberg bislang nur eines verlässlich: Verluste.

648 Millionen Euro operatives Minus waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr – bei 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Auf jeden eingenommenen Euro kommen somit etwa 50 Cent Verlust. Das Unternehmen mit dem etwas albernen Namen Delivery Hero zieht nach den Regeln der Deutschen Börse in den Dax ein, obwohl einige Stimmen warnen, auf den Reinfall Wirecard müsse ein grundsolider Wert folgen.

Für den Wirtschaftsingenieur ist das kein Grund, in Sack und Asche zu laufen – im Gegenteil. Östberg vergleicht Delivery Hero lieber mit dem Weltkonzern Amazon. Dessen Gründer Jeff Bezos nahm lange Verluste in Kauf, um den Markt schließlich zu dominieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Die Logik ist klar: Mit einer steigenden Zahl von Bestellungen sinkt der prozentuale Anteil der Ausgaben für Werbung und andere Fixkosten. Wenn wir es schaffen, mehr Kunden zu gewinnen, können wir relativ schnell Gewinne schreiben“, sagt Östberg. Er hat dafür ein eingängiges Bild gefunden: Gern erzählt er, dass er Teil der Jugend-Nationalmannschaft Schwedens im Skilanglauf war.

    Der Weg zum Gewinn ist für ihn ebenfalls ein Langlauf. Das Kalkül ist: Das Geschäft mit den Essenslieferungen aus dem Restaurant macht erst dann Profit, wenn sich das Werbegeld auszahlt. Wachstum ist daher vorerst wichtiger.

    Östberg geht dabei unsentimental vor: Die Länder, in denen Delivery Hero aktiv ist, behandelt er wie ein Portfoliomanager. Das Heimatgeschäft in Deutschland hat er vor knapp zwei Jahren an den Konkurrenten Takeaway.com verkauft, um eine teure Werbeschlacht zu verhindern. Zuletzt hat er Kanada geschlossen, dafür in Korea zugekauft, versucht zudem den Start in Japan. Aus dem riesigen chinesischen Markt hat er sich schon vor Jahren zurückgezogen – zu erdrückend war die Konkurrenz von milliardenschweren Konzernen.

    Harter Wettbewerb

    Hier holt ihn die Wintersport-Vergangenheit ein. Ein Grund für seinen Ausstieg aus dem Leistungssport, so berichtete er in einem Interview, war die Enttäuschung über den unfairen Wettbewerb durch gedopte Sportler. Bei Delivery Hero sieht er sich ähnlichem Wettbewerb ausgesetzt.

    „Wir konkurrieren etwa mit Uber, das mehr als zehn Milliarden Dollar Risikokapital eingesammelt hat. Unser asiatischer Konkurrent Grab ist mit neun Milliarden Dollar finanziert. Dazu kommt Rappi, ein Softbank-Unternehmen. Die drei können fast unbegrenzt Geld verbrennen“, klagt er. Wegen des harten Wettbewerbs will er sich daher nicht mehr auf ein konkretes Datum für Gewinne festlegen lassen.

    Trotz der Herausforderungen holt sich Östberg wenig Verstärkung. Für einen Dax-Konzern ungewöhnlich: Der Vorstand besteht nur aus zwei Männern, neben Östberg noch aus Finanzchef Emmanuel Thomassin, der Delivery Hero schon in der Anfangszeit begleitet hat. Aufsichtsratschef ist der ehemalige Scout24-Chef Martin Enderle – im Vergleich zu anderen Dax-Aufsichtsräten ein eher unbekannterer Name.

    Als Sparringspartner für Östberg galt zunächst vor allem Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer, der allerdings seine Beteiligung inzwischen weitgehend verkauft hat. Sichtbar bleibt jedoch bei Östberg eine Idee, die Samwer vehement vertritt: Auch Östberg besetzt vor allem diejenigen Märkte etwa in Asien und Südamerika, die die US-Konzerne eher vernachlässigen.

    Privat dagegen lebt Östberg mit seiner Familie in Zürich. Das ermöglicht ihm, Arbeit und Privates stärker zu trennen. Vor der Coronakrise konnte er die Berlin-Tage so fast komplett der Firma widmen. Die Stunden im Flugzeug sind durch die Krise – wie bei so vielem Managern – deutlich weniger geworden. Bei vielen Landesgesellschaften hat er seit Monaten nicht vorbeigeschaut.

    Einen Kontrollverlust fürchtet er nicht – im Gegenteil: „Dadurch, dass wir fast alle von verschiedenen Orten in Videokonferenzen zusammenkommen, fühlen wir uns stärker wie ein großes Team. Wir sitzen virtuell alle im selben Raum.“

    Mehr: Delivery-Hero-Chef: „Ich glaube nicht, dass die Anleger Parallelen zu Wirecard ziehen.“

    Startseite
    Mehr zu: Niklas Östberg - Der Chef von Delivery Hero bricht mit der Etikette des Dax
    2 Kommentare zu "Niklas Östberg: Der Chef von Delivery Hero bricht mit der Etikette des Dax"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Erinnert mich an Uber und ähnliche Massenansammlungen prekär Beschäftigter. Wünsche keinerlei Zukunft.

    • Tolle "story" - das Ganze erinnert mich an den "Neuen Markt" der Neunziger-Jahre! -
      Der DAX als Fels in der Brandung der deutschen Aktienkultur? - Da kommen mir
      schon Zweifel auf und ich wundere mich nicht, daß die Deutschen "Aktienmuffel"
      sind.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%