Nivea-Hersteller Beiersdorf-Aktionäre kritisieren „popelige“ Dividende

Beiersdorf will sein Geld zusammenhalten, um einen großen Zukauf stemmen zu können. Die Aktionäre überzeugt das nicht: Sie fordern vom Dax-Konzern jetzt eine klar höhere Ausschüttung.
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Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich: Die Aktionäre loben seine Strategie – und kritisieren die niedrige Dividende. Quelle: Reuters

Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich: Die Aktionäre loben seine Strategie – und kritisieren die niedrige Dividende.

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HamburgErst bei der Fragerunde kamen Emotionen auf. „Ich bin heute hier, weil ich sehr verärgert bin“, rief ein Kleinaktionär am Gründonnerstag bei der Hauptversammlung des Nivea-Herstellers Beiersdorf ins Mikrofon. Die Dividende sei „popelig“. Beiersdorf habe eine der niedrigsten Ausschüttungsquoten im Aktienindex Dax, kritisierte der 70-jährige Berliner.

Mit seiner Kritik an den 70 Cent Dividende stand er nicht allein. Tilo Freiherr von Kap-Herr von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bemängelte, es würden nur 32 Prozent des Gewinns ausgeschüttet, obwohl in der Bilanz mehr als 2,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante lägen. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung der Institutionellen Privatanleger (VIP) forderte, eine steigende Dividende müsse bald in Aussicht gestellt werden. „Aber das ist ein Luxusproblem“, sagte er.

Nivea - seit 100 Jahren die Lizenz zum Gelddrucken
Hauptversammlung Beiersdorf AG
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Die Creme Nivea ist der Verkaufsschlager des Hamburger Konzerns Beiersdorf. Pro Jahr werden 123 Millionen Dosen mit 12.500 Tonnen Nivea-Creme gefüllt und in 200 Ländern verkauft.

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Auch im Ausland gehört Nivea seit Jahrzehnten zum Alltag der Menschen. Bereits 1914 verkaufte Beiersdorf (im Bild: der Hamburger Firmensitz) Nivea in 35 Ländern. Das führt dazu, dass Nivea heute in vielen Teilen der Erde als landestypische Marke und nicht als Importprodukt aus Deutschland wahrgenommen wird.

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Damals war das Markenzeichen der neuen Creme eine gelb und grün gestaltete Dose mit Jugendstilelementen.

Vorschau: Hauptversammlung Beiersdorf AG
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Doch bald ändert sich die Mode. Beiersdorf setzt auf ein zeitloses Design, füllt die Creme ab 1925 in eine blaue Dose – und bleibt bis heute dabei. Um die Zusammensetzung der „Sonderfarbe Niveablau“ macht der Konzern ein eben so großes Geheimnis wie um das genaue Rezept der Creme.

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Fest steht nur: Alles begann mit einer Erfindung des Chemikers Isaac Lifschütz: Für medizinische Zwecke entwickelte er eine neue Salbengrundlage. Er fand einen Weg, mit Hilfe eines Emulgators Wasser und Öl zu einer stabilen Creme zu verbinden. Er nannte ihn Eucerit, Grundlage war Fett aus Schafswolle. Der Apotheker Oscar Troplowitz (im Bild) kaufte ihm das Patent ab.

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Troplowitz hatte einige Jahre zuvor von Paul C. Beiersdorf (im Bild) dessen „Laboratorium dermatotherapeutischer Präparate“ übernommen.

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Das Sortiment bestand damals aus medizinischen Pflastern. Troplowitz erweiterte es um den Lippenpflegestift Labello.

Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath griff die Kritik auf – und machte klar, dass Beiersdorf nach Größe strebt. „Wir müssen investieren und organisch wachsen, und das kostet Geld“, sagte er. Er hoffe, dass es eines Tages die Gelegenheit gebe, einen größeren Zukauf zu tätigen. Dafür müsse Beiersdorf seinen hohen Kapitalbestand in der Bilanz halten – und das große Paket von fast zehn Prozent eigenen Aktien. „Wir haben viel nachzuholen“, sagte Pöllath. Beiersdorf müsse in internationales Wachstum investieren. Der Konzern ist deutlich kleiner als große Wettbewerber wie L’Oréal und Procter & Gamble.

„Wir würden gern unsere Liquidität behalten, um bereit zu sein, falls eine attraktive Kaufgelegenheit auf den markt kommt“, unterstrich auch Finanzchef Ulrich Schmidt. „Wir glauben, dass die Ausschüttungsquote angemessen ist und im Durchschnitt des Dax liegt.“ Tatsächlich liegt die Quote auf dem Niveau des Konkurrenten Henkel.

Für seine Strategie erntete Vorstandschef Stefan Heidenreich Lob. „Die Gesellschaft hat ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich“, sagte Kap-Herr. „Dazu kann man dem Vorstand nur gratulieren, und wir Aktionäre können zufrieden sein.“

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