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Northern Rail Deutsche Bahn verliert wichtigen Auftrag in Nordengland

Rückschlag für die Deutsche Bahn: Die von der Bahn-Tochter Arriva betriebene Gesellschaft Northern Rail hat ihre Lizenz in Großbritannien verloren.
29.01.2020 Update: 29.01.2020 - 17:02 Uhr 3 Kommentare
Eigentlich wäre die Lizenz erst in fünf Jahren ausgelaufen. Quelle: CAMERA PRESS/Brian Stark
Northern Rail

Eigentlich wäre die Lizenz erst in fünf Jahren ausgelaufen.

(Foto: CAMERA PRESS/Brian Stark)

London, Berlin Am Tag der Verkündung war die Deutsche Bahn weitgehend sprachlos. Die Entscheidung der britischen Regierung, den Northern-Rail-Vertrag zu kündigen werde „respektiert“. Jetzt gelte es, den Übergang reibungslos zu organisieren. Welche bilanziellen Folgen das für die Auslandstochter Arriva oder gar für den deutschen Bahnkonzern selbst haben könnte, dazu wollte die Bahn keine Stellung nehmen.

Dabei zeichnete sich schon seit Monaten ab, das der 2015 abgeschlossene Superauftrag über zehn Milliarden Euro krachend scheitern würde. Der Streit um die richtige Bewertung von Northern Rail beziehungsweise von Arriva war auch einer der Gründe für den unglücklichen Abgang des kurzzeitigen Finanzchefs der Bahn, Alexander Doll. Und für den gescheiterten Versuch, Arriva für drei bis vier Milliarden Euro an Investoren zu verkaufen.

Ob der von Bahnchef Richard Lutz nun verkündete Börsengang Arrivas im Sommer zustande kommt, steht nach Ansicht von Experten in den Sternen. Es könnten weitere Abschreibungen in zwei oder gar dreistelliger Millionenhöhe fällig werden. Schon im Vorjahr waren Drohverlustrückstellungen über 204 Millionen Euro gebucht worden.

Kunden der nordenglischen Gesellschaft Northern sind seit Jahren unzufrieden. Auf dem Netz, das unter anderem die Städte Manchester und Liverpool verbindet, kommt es immer wieder zu Verspätungen, es fallen Züge aus oder sie sind hoffnungslos überfüllt. Nun hat die britische Regierung eingegriffen: Sie zieht zum 1. März die Lizenz der Betreibergesellschaft Arriva Rail North ein, die staatliche Auffanggesellschaft übernimmt den Betrieb. Eigentlich wäre die Lizenz erst in fünf Jahren ausgelaufen.

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    In Kreisen der Deutschen Bahn heißt es, der Vertrag habe nur Verluste eingefahren. Man sei froh, dass es nun einen klaren Schlussstrich gebe. Auf Seiten der Gewerkschaft wurde die Entscheidung begrüßt. Das sei „längst überfällig“ gewesen, erklärte die Generalsekretärin der TUC, Frances O’Grady. Sie forderte, weitere Bahnstrecken zu verstaatlichen. „Die Privatisierung war eine Katastrophe für die Bahnkunden, den Steuerzahler und die Angestellten“.

    Entscheidung kommt nicht ganz überraschend

    In Großbritannien wurde der Bahnverkehr in den 1990er-Jahren unter dem konservativen Premierminister John Major privatisiert, die staatliche Gesellschaft British Rail aufgespalten: Das Streckennetz, die Züge und andere Teile der Infrastruktur übernahmen verschiedene Firmen und für den Betrieb der Strecken gab es Franchise-Verträge.

    Transport-Experte Thomas Haines-Doran, Professor an der Universität Leeds, führt die Probleme der Northern auf eine Reihe von Faktoren zurück: die mangelnde Koordination bei der Einführung neuer und der Überarbeitung vorhandener Fahrzeuge, Probleme bei der Elektrifizierung und beim Bau neuer Bahnstrecken. „Verschiedene Aufgaben werden von einer Reihe öffentlicher und privatrechtlicher Anbieter durchgeführt”, sagte Hainer-Doran. „Die Privatisierung der Bahn hat zu einer Fragmentierung geführt, die in einem organisatorischen Chaos endete“.

    Dass Arriva nun die Lizenz verliert, kommt nicht ganz unerwartet. Der britische Transportminister Grant Shapps hatte die Probleme der britischen Bahnen zu einer Priorität in seiner Amtsführung erklärt. Und es ist nicht das erste Mal, dass die britische Regierung durchgreift. Im Sommer 2018 wurde die Lizenz der Virgin Trains East Coast kassiert. Die Verbindungen – größtenteils von London nach Schottland – werden nun unter dem Namen LNER unter staatlicher Führung angeboten.

    Eine generelle Verstaatlichung der Bahn lehnt die britische Regierung zwar ab. Aber Premier Boris Johnson hatte im Wahlprogramm angekündigt, das Franchise-System zu überarbeiten und die Unternehmen stärker zur Verantwortung zu ziehen. Johnson blickt vor allem auf die Probleme in Nordengland – schließlich gewann er die Wahlen im Dezember auch deswegen, weil er den Nordengländern, die traditionell Labour wählen, Veränderungen versprochen hatte.

    Mehr: Deutsche-Bahn-Finanzchef Alexander Doll muss gehen, weil der Verkauf der Bahn-Tochter Arriva platzte. Doch der Fall holt nun auch Konzernchef Richard Lutz ein.

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    3 Kommentare zu "Northern Rail: Deutsche Bahn verliert wichtigen Auftrag in Nordengland"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Kunden der nordenglischen Gesellschaft Northern sind seit Jahren unzufrieden. Auf dem Netz, das unter anderem die Städte Manchester und Liverpool verbindet, kommt es immer wieder zu Verspätungen, es fallen Züge aus oder sie sind hoffnungslos überfüllt."
      Warum kann man eigentlich der Bahn in Deutschland mit dieser Begründung keine Strecken entziehen??

    • Nachtrag zu meinem ersten Kommentar:

      Hatte Herr Lutz nicht von der "Ertragsperle Arrival" gesprochen, die bis zu 4Mrd Euro in die Kassen spülen soll? Wenn es jetzt eine Mrd wird, dann kann er sich noch glücklich schätzen als ehemaliger Finanzvorstand.

    • 1. Was bedeutet dies für den geplanten IPO und den Unternehmenswert, wenn das wichtigste Geschäft von Arriva mit Schimpf und Schande von der Insel gejagt wird?

      2. Wer trägt dafür im Vorstand die Verantwortung und wie ist in diesem Zusammenhang der Abgang/Rauswurf von CFO Doll zu sehen?

      3. Das kostet mehr als eine Milliarde. Wer trägt dafür die politische und unternehmerische Verantwortung und wird in die Pflicht genommen?



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