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Oatly IPO Vom Start-up zum Börsengang: Oatly wagt den Sprung aufs Parkett

Der Hafermilch-Hersteller will an der Wall Street Geld einsammeln – und künftig noch schneller expandieren. Der Zeitpunkt könnte aber besser sein.
19.05.2021 - 18:18 Uhr Kommentieren
Die Firma selbst existiert schon seit über zwanzig Jahren.
Oatly

Die Firma selbst existiert schon seit über zwanzig Jahren.

Stockholm, New York, Düsseldorf Prominente Unterstützung hat Hafermilch-Hersteller Oatly schon länger: TV-Talkerin Oprah Winfrey hat investiert, genauso wie Rapper Jay Z und der frühere Starbucks-CEO Howard Schultz. Nun will sich das schwedische Unternehmen aber Geld von einer breiten Masse an Investoren holen. Am Donnerstag geht Oatly in New York an die Börse.

Das Geld braucht Chef Toni Petersson für seine geplante Expansion – und die eigenen Ansprüche, dabei nachhaltig zu bleiben. „Um die Klimaziele zu erreichen und die Treibhausgase um 50 Prozent bis 2030 zu senken, müssen wir große Anstrengungen unternehmen“, hatte Petersson schon Anfang des Jahres im Gespräch mit dem Handelsblatt betont: „Das erfordert Investitionen, große Investitionen.“ Das Streben nach Nachhaltigkeit steht deshalb auch ausdrücklich im Börsenprospekt.

Vor allem will der Hafermilch-Hersteller, der sich bis heute immer wieder mit der traditionellen Milchindustrie anlegt und mit kecken Anzeigen die Branche provoziert, aber auch im Massenmarkt eine Vorreiterrolle spielen.

Der Zeitpunkt für den Gang aufs Parkett hätte allerdings besser sein können. Noch zum Jahresanfang waren Börsengänge bei den Anlegern beliebt. Nun hat sich die Stimmung etwas abgekühlt. Sorgen über steigende Inflation haben die Märkte in den vergangenen Wochen nervös gemacht. Aktien von Coinbase und Honest Company, die ebenfalls im Mai an die Börse gingen, sind mittlerweile unter ihre Startkurse gefallen. Das könnte auch Oatly treffen.

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    Insgesamt jedoch sind die Schweden auf Wachstumskurs. Der Umsatz hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, auf 420 Millionen Dollar. Oatly gibt es mittlerweile bei Walmart genauso zu kaufen wie bei Starbucks oder vielen Lidl-Läden. Das Unternehmen ist in 20 Ländern aktiv, gerade in Asien ist die Nachfrage hoch. Das Wachstum liegt bei 450 Prozent im Jahr. Dennoch meldete Oatly im vergangenen Jahr einen Verlust von 60 Millionen Dollar, weil es in neue Fabriken, Marketing und neue Produkte investierte – wie das bei schnell wachsenden Unternehmen üblich ist.

    Interesse der Investoren an Oatly-Aktie ist groß

    Hoffnung auf eine rentable Zukunft kann sich Petersson dennoch machen. Denn die Oatly-Drinks sind in. Egal, ob es die Barista Hafermilch, die Vanillesoße auf Haferbasis oder der Haferjoghurt ist – Oatly ist nicht nur bei Vegetariern und Veganern beliebt. Auch Umweltschützer haben die Milchersatzprodukte aus Hafer entdeckt, denn sie sind deutlich klimafreundlicher als Kuhmilch.

    „Der Klimawandel ist eine unserer größten Herausforderungen“, sagt Petersson und rechnet vor, dass allein die Entscheidung für Hafermilch und gegen Kuhmilch die negativen Auswirkungen auf das Klima „um 75 Prozent reduzieren“ würde.

    Grafik

    Angefangen hat die Geschichte von Oatly bereits 1994. Damals entdeckte der schwedische Chemiker Rikard Öste von der Universität in Lund eine Möglichkeit, mithilfe eines Enzyms aus Hafer eine milchähnliche Flüssigkeit herzustellen.

    Zusammen mit seinem Bruder Björn gründete er das Unternehmen Ceba Foods AB, das einige Jahre später in Oatly umbenannt wurde. Der 72-Jährige ahnte damals noch nicht, dass seine Entdeckung Jahre später Großinvestoren auf den Plan rufen würde. Er hält noch immer einen kleineren Anteil an dem Unternehmen.

    Das Interesse der Profiinvestoren ist groß. Oatly will gut 1,7 Milliarden Dollar durch den Börsengang einsammeln. Die Preisspanne der Oatly-Aktie liegt bei 15 bis 17 Dollar. Am Mittwoch wurden bereits erste Aktien für 17 Dollar ausgegeben. Damit wäre das Unternehmen bis zu zehn Milliarden Dollar wert. Das Analysehaus Hedgeye glaubt, dass Oatly zu einer international bekannten Marke wie Chipotle oder Under Armor werden könnte. Oatly muss sich jedoch auch gegen starke Konkurrenz behaupten.

    Milch aus Erbsen, Hafer und Soja: Markt ist hart umkämpft

    Pflanzenmilch aus Soja, Erbsen, Mandeln, Cashew, Hanf oder Hafer ist ein Zukunftsmarkt, der hart umkämpft ist. Der mit Abstand weltgrößte Anbieter pflanzlicher Milchprodukte ist Danone. Die Franzosen kauften 2017 das US-Unternehmen White Wave mit seit Jahrzehnten etablierten Marken wie Alpro und Provamel für rund 12,5 Milliarden Dollar. Damals machte White Wave bereits 4,2 Milliarden Dollar Umsatz – zehnmal so viel wie Oatly heute. Und Danone will sein Geschäft mit pflanzlichen Produkten bis 2025 von zwei auf fünf Milliarden Euro steigern.

    Auch der weltgrößte Konsumgüterhersteller Nestlé steigt nun mit der Erbsenmilch „Wunda“ in den vielversprechenden Markt ein. Großmolkereien weltweit bieten längst diverse pflanzliche Milchalternativen an. Ernsthafte Konkurrenz für Pflanzenmilch könnte eines Tages zudem durch naturidentische Milch aus dem Labor erwachsen. Sie hat den Vorteil, dass sie wie echte Kuhmilch schmeckt. Start-ups wie New Culture, Perfect Day oder Turtle Tree Labs züchten das Milcheiweiß Casein durch Fermentation bereits nach. Die Produktion ist jedoch noch lange nicht massenmarktfähig.

    Schon heute ist Pflanzenmilch ein Milliardenmarkt, der deutlich größer ist als der für veganes Fleisch. Laut Marktforscher Euromonitor hatte Pflanzenmilch 2020 bereits einen Anteil im globalen Einzelhandel von rund neun Prozent (ohne Sojamilch aus China). Bis 2025 soll der Anteil auf elf Prozent steigen. Insgesamt wurden 2020 weltweit Milchprodukte von Joghurt bis Eis für 592 Milliarden Dollar umgesetzt, davon stammten 18 Milliarden Dollar von Milchprodukten aus Pflanzen.

    Mehr: Die pflanzliche Revolution rettet unseren Planeten, schreibt unsere Autorin Katrin Terpitz

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