Obstbauer Edeka und Metzger Rewe Handelsketten machen immer mehr selbst

Edeka, Rewe und Co. beschränken sich längst nicht mehr nur darauf, Ware zu verkaufen. Sie produzieren mittlerweile immer öfter selbst. Das bringt nicht nur zusätzliche Einnahmen. Eine Großer spielt allerdings nicht mit.
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Die eigene Produktion von Lebensmitteln soll von bisherigen Handelsmarken-Lieferanten unabhängiger machen. Quelle: dpa
Edeka

Die eigene Produktion von Lebensmitteln soll von bisherigen Handelsmarken-Lieferanten unabhängiger machen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Edeka geht unter die Obstbauern, Lidl produziert Eiscreme, Rewe backt sein eigenes Brot: Immer häufiger beschränken sich die großen deutschen Lebensmittelhändler nicht mehr darauf, die Produkte Anderer zu verkaufen - sie werden selbst zum Produzenten. Vorreiter ist dabei Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka.

Die Kette aus Hamburg verfügt inzwischen über 17 eigene Fleischwerke, 16 Backbetriebe, eine Weinkellerei und eine Fruchtsaftproduktion. Erst im vergangenen Sommer kaufte Edeka auch noch eine Obstplantage in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Fläche von 200 Hektar hinzu. „Damit reduzieren wir die Abhängigkeit von der Industrie, erhöhen unsere Flexibilität und sichern die langfristige Warenversorgung unserer Kaufleute ab“, begründet das Unternehmen diese Strategie.

Bei diesen Händlern kauft die Welt ein
Platz 92: Otto
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Die Otto Group ist auf Rang 92 der kleinste deutsche Händler in der Rangliste der 250 größten Handelsunternehmen. Im Jahr 2015 hatte der Konzern einen Einzelhandelsumsatz von 10,6 Milliarden Dollar erzielt. Die 250 Händler in der nun veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte kamen zusammen auf einen Umsatz von 4,3 Billionen Dollar.

Quelle: Deloitte Global Powers of Retailing 2017

Platz 22: Rewe
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Auf dem 22 Rang steht Rewe mit einem Einzelhandelsumsatz von 43,6 Milliarden Dollar. Die Supermarktkette besitzt Filialen in insgesamt elf Ländern.

Platz 18: Edeka
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Obwohl die Supermarktkette nur in Deutschland vertreten ist, schneidet das Unternehmen besser ab als Rivale Rewe. Edeka landet im aktuellen Ranking mit einem Einzelhandelsumsatz von 52,5 Milliarden Dollar auf dem 18 Platz.

Platz 13: Metro AG
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Der Handelskonzern hat Filialen in 31 Ländern und erzielte im Einzelhandel einen Umsatz von 68 Milliarden Dollar. Für die Top Ten reicht das aber nicht mehr. Das deutsche Unternehmen fiel von Rang acht auf Rang 13 zurück. Schuld daran waren der Verkauf von Kaufhof und der Rückzug aus dem Großhandelsgeschäft in mehreren Ländern.

Platz 10: Amazon
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Obwohl die US-amerikanische Firma eigentlich ein Internetunternehmen ohne Verkaufsläden ist, schafft sie es in die Top Ten. Amazon ist mit einem Umsatz von 79,3 Milliarden Dollar die Nummer zehn der größten Einzelhändler der Welt.

Platz 9: Tesco
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Englands größte Supermarktkette ist der größte Verlierer in den Top Ten. Mit einem Einzelhandelsumsatz von 81 Milliarden Dollar landet sie gerade noch auf Platz 9. Im Jahr 2015 ist der Umsatz um fast 13 Prozent abgestürzt. Das Unternehmen ist in insgesamt zehn Ländern vertreten.

Platz 8: Aldi
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Nur wenn man ihren Umsatz zusammenzählt, erreichen Aldi Süd und Aldi Norddie Top Ten der größten Einzelhändler der Welt. Doch sie schaffen ein Kunststück, das kein anderer Händler zustande bringt: Sie erwirtschaften zwei Drittel ihres geschätzten Umsatzes von 82,2 Milliarden Dollar im Ausland. In 17 Ländern sind sie aktiv.

Doch ist Edeka damit nicht allein. Konkurrent Rewe hat ebenfalls vier eigene Produktionsstätten für Fleisch- und Wurstwaren und erzielt damit einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro. Die eigene Bäckerei liefert weitere 172 Millionen Euro an Erlösen. Abgerundet wir das Made-by-Rewe-Sortiment durch eine Blumenerde-Produktion im niedersächsischen Warenholz.

Die eigene Herstellung erlaube eine schnellere Reaktion auf Veränderungen im Markt, heißt es bei Rewe. Außerdem biete sie Vorteile in der Wertschöpfung. Zu deutsch: Sie bringt am Ende mehr Gewinn als der bloße Weiterverkauf von zugelieferten Produkten anderer Hersteller.

Auch die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) produziert selbst Mineralwasser und Erfrischungsgetränke, Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren, Schokolade und Trockenfrüchte. Erst vor kurzem nahm die Unternehmensgruppe außerdem eine eigene Eiscreme-Fabrik in Betrieb.

Das ist Aldis neuer Look
Regionaler Touch
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Der neugebaute Testmarkt von Aldi Nord im nördlichen Ruhrgebiet hat 1200 Quadratmeter Fläche – 500 mehr als sein Vorgänger. Er soll Vorbild für alle neuen Filialen werden.

Erweitertes Angebot
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Zahlreiche neue Produkte finden die Kunden künftig bei Aldi Nord. So auch ein größeres Sortiment an Snacks und fertig zubereiteten Salaten.

Mehr Information
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Videobildschirme informieren über die Angebote auf der Aktionsfläche. Große Hinweise auf die Bereiche erleichtern das Zurechtfinden im Laden.

Neue Ware
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Ein Extra-Regal präsentiert Neuzugänge im Sortiment. Rund 2500 verschiedene Produkte führt ein Aldi-Nord-Markt im Schnitt, wenn man alle Varianten mitrechnet.

Heiße Getränke
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Im Eingangsbereich des Marktes können Kunden sich verschiede Kaffeezubereitungen aus dem Automaten ziehen. Die Bohnen dafür hat Aldi natürlich selbst geröstet.

Freie Hände
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Im Testmarkt haben alle Einkaufswagen einen Halter für den Kaffeebecher - damit nichts den Kunden vom Einkaufen abhält.

Brot und Brötchen
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Auch das Sortiment an Backwaren wurde noch einmal um 13 Sorten aufgestockt. Alles wird in den Öfen hinter dem Regal frisch gebacken - oder zumindest aufgebacken.

Lidl wolle sich damit „unabhängiger machen von bisherigen Handelsmarken-Lieferanten“, schreibt das Fachblatt „Lebensmittel Zeitung“. Einzig Aldi zeigt sich bislang zurückhaltend. Zwar betreibt Aldi Süd seit Jahrzehnten zwei Röstereien, um die Kunden günstig mit Kaffee versorgen zu können. Doch das war es dann auch. Und Aldi Nord verzichtet sogar ganz auf eigene Produktionsbetriebe.

Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist der Trend zur eigenen Herstellung gut nachvollziehbar. „Die eigenen Produktionsbetriebe steigern die Gewinne der Lebensmittelhändler. Denn Edeka, Rewe und Co. können dadurch auch noch den Anteil vom Gewinn kassieren, der sonst an die Hersteller geht“, erklärt er.

Und noch ein anderer Aspekt dürfte wichtig sein, ist Marco Atzberger vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI überzeugt: „Mit dem direkten Zugriff auf eigene Produktionskapazitäten sichern sich die Handelsketten ihre Lieferfähigkeit, auch wenn es in der Branche einmal zu Engpässen kommt.“

Für den Verbraucher ist es allerdings meist schwer, die von den Lebensmittelhändlern selbst hergestellten Produkte vom „normalen“ Angebot zu unterscheiden. Denn die Händler verstecken sich gern hinter anderen Namen. So firmiert die Rewe-Fleischproduktion unter „Qualitätsmetzgerei Wilhelm Brandenburg“, das Rewe-Brot kommt aus der „Glocken Bäckerei“. Der Edeka-Fruchtsaft wird unter dem Markennamen Sonnländer verkauft, und die Kellerei des Lebensmittelhändlers heißt nicht etwa Edeka-, sondern Rheinberg-Kellerei.

In Zukunft könnten die eigenen Metzgereien, Bäckereien und Kaffeeröstereien für die Handelsketten noch wertvoller werden, glaubt Fassnacht. „Durch den Online-Handel könnte die Bedeutung der eigenen Produktionsstätten und der darin produzierten Eigenmarken für die Lebensmittelhändler sogar noch wachsen“, meint er. „Denn die Eigenmarken bieten nicht nur höhere Gewinnmargen, sondern ermöglichen es auch, Preisvergleichen im Internet zu entgehen.“

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  • dpa
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