Oettinger-Chef lästert über Presse „Heute wird mehr abgeschrieben als recherchiert“

Mit scharfen Worten zog einer der Geschäftsführer der Oettinger-Brauerei im Firmenblog über die Presse her. Michael Mayer schrieb, dass den Medien nicht zu trauen sei. Nun relativierte er seine Worte.
Update: 15.01.2015 - 15:46 Uhr 19 Kommentare
Die Oettinger-Brauerei macht ausnahmsweise nicht mit Bier, sondern mit der Meinungsäußerung ihres Chefs auf sich aufmerksam. Quelle: dpa - picture-alliance

Die Oettinger-Brauerei macht ausnahmsweise nicht mit Bier, sondern mit der Meinungsäußerung ihres Chefs auf sich aufmerksam.

(Foto: dpa - picture-alliance)

DüsseldorfKritik an der Presse ist in diesen Tagen nichts Ungewöhnliches. Das sieht anders aus, wenn sie von einem der Geschäftsführer der Oettinger-Brauerei kommt: Im Firmenblog „Chefsache“ zieht Michael Mayer in scharfen Worten über die deutsche Presselandschaft her: „Spätestens seit Forest Gump [sic] ist mir klar, dass man der medialen Berichterstattung nicht mehr trauen kann“, schreibt Mayer. Inzwischen hat er diese Worte deutlich entschärft.

Sein Beitrag und seine Skepsis basieren demnach auf der Lektüre eines Buches, das die Medienlandschaft auseinander nimmt. Dieses enthülle „erschreckende Einsichten, manches hat man ja schon vermutet, aber dass es bereits in diesem Ausmaß stattfindet, hat mich sehr nachdenklich gemacht“. Der Titel wird zwar nicht genannt, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bestätigte Mayer aber die Vermutung, dass es sich um Udo Ulfkottes „Gekaufte Journalisten“ handelt.

Für einen Firmenchef überraschend ist, wie weit Mayer in seiner Wortwahl geht und wie pauschal er urteilt. So schreibt er unter anderem: „Heutzutage wird ja sowieso mehr abgeschrieben als recherchiert und wenn ein Artikel interessant erscheint, taucht er mehr oder weniger wortgleich bei den anderen auf.“ Es werde immer schwieriger, sich zuverlässig über bestimmte Sachverhalte zu informieren, so Mayer. Er traue sich nicht mehr, ein Urteil über Themen wie Pegida oder die Ukraine abzugeben, „was [sic] auf fundierter und wahrheitsgetreuer Information beruht, da ich diese nicht habe“.

Mit seiner Pauschalisierung über die Presse erinnert er an die Pegida-Anhänger, die auf ihren Märschen gerne das Wort „Lügenpresse“, ein denunzierender Begriff für nicht linientreue Medien aus dem Dritten Reich, skandieren. Zwar bedient sich der Chef der Oettinger-Brauerei nicht diesem Begriff.

Am Donnerstag distanzierte sich Mayer in einem zusätzlichen Beitrag trotzdem deutlich von der Bewegung: „Die Oettinger Brauerei unterstützt in keinster Weise die Pegida-Bewegung: Vielmehr legen wir größten Wert auf Respekt voreinander, Sachlichkeit und Dialog“, schreibt Mayer auf der Webseite. „Dazu bekennen wir uns und ich persönlich in besonderem Maße uneingeschränkt.“ Auf dem Kurznachrichtendienst machte er dies ebenfalls noch einmal deutlich:

Auch die Medienkritik relativiert der Geschäftsführer: „Selbstverständlich stehen wir ebenso uneingeschränkt zu Meinungs- und Medienfreiheit.“ Ohne jeden Zweifel würden die Medien mit ihrer Berichterstattung zur Meinungspluralität beitragen und so „einen unverzichtbaren Beitrag“ leisten – gerade auch „zu kontroversen Diskussionen in der Gesellschaft“.

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19 Kommentare zu "Oettinger-Chef lästert über Presse: „Heute wird mehr abgeschrieben als recherchiert“"

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  • Der Mann hat völlig recht. Was ich in meiner Lokalzeitung unter Wirtschaft und Politik lese, habe ich am Tag zuvor fast identisch schon im Internet gelesen.

    Lediglich der Bericht vom lokalen Schützenfest ist echte, selbst recherchierte Information.

  • Ich sage hier nur: Freiheit für alle! Der Journalist darf und kann sorglos schreiben, wenn er die Qualität des Bieres handwerklich als 'schlecht' empfindet. Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt und muss zulässig sein. Ansonsten gilt: "Der Aufschrei ist dort am Größen, wo der Stachel am tiefsten sitzt."

  • Spätestens seit Paris gibt es auch Lügen TV.
    Die Polit Mischpoke traut sich nicht mehr unters Volk. Haben die Hosen u. Röcke gestrichen voll.
    Einfach nur armselige übersatte Figuren. Deutsche wehrt euch!!

  • "Er traue sich nicht mehr, ein Urteil über Themen wie Pegida oder die Ukraine abzugeben ..."

    Wenig später traut er sich aber doch: "Ich lehne #Pegida in jeglicher Form ab."

    Wer hat ihm da eine Pistole an den Kopf gehalten?

  • Herr Oettinger hat wohl richtig beobachtet, was diese Medienlandschaft mit ihrer Berichterstattung betrifft. Nur eine handvoll Zeitungen hat eigene Texte u. interessante, wichtige Berichte. Gleiches kann man im TV beobachten, Texte, Bilder, mehrere Wochen alte Bildberichte tauchen bei den unterschiedlichsten Sendern auf. Dieses Geschehen ist seit 3 Jahren zu beobachten.

  • Gut geschrieben! ;-)

  • So, werte Autorin. Ich darf noch einmal aus Ihrem Artikel zitieren:
    „Spätestens seit Forest Gump [sic] ist mir klar, dass man der medialen Berichterstattung nicht mehr trauen kann“, schreibt Mayer." Großartige Leistung, dass Sie bemerkt haben, bei 'Forest' fehlt ein 'r'. Sie geben das mit einem 'sic' kund. Verwenden Sie fürderhin bitte 'sic!' mit Ausrufezeichen. Überdies ist es äußerst bedenklich, den Brauereichef durch 'sic' als Rechtschreibtrottel enttarnen zu wollen. Wie es um Ihre Kenntnisse bestellt ist, ist offensichtlich. Liest Ihre Erzeugnisse beim Handelsblatt niemand gegen? Wurde eine derartige Kompetenz bereits abgebaut?

  • Sie formulieren es ja noch wohlwollend sarkastisch, in der Journaillie machen die sich ja maximal lächerlich, aber wenn diese PISA-Generation sich beispielsweise in unseren Gerichtssäälen bestimmend breitgemacht hat, wird mir angst und bang für unsere Gesellschaft.

  • Sehr geehrte Frau Lisa Hegemann

    Als Autorin dieses Berichts sind Sie Journalistin, vermute ich mal.

    Mit Ihren offensichtlich defizitären Geschichts-kenntnissenbestätigen Sie ein weiters Mal die berechtigte Kritik an der heutigigen Journalie.

    Lügenpresse, historische Verwendung:
    - 1.WK, gegenüber engl./franz. Kriegspropaganda
    - WeimarRep, 'jüdisch-marxistische LP' JGoeb Berliner
    Aggitation im 'Isidor'-Zeitalter
    und heute
    - Weichspüler-Demagogie (fehlendes Format und Substanz)
    einer verzichtbaren Yupi-Journalie

    Es ist mitnichten ein ursächlicher 3.Reich Terminus!

  • Noch etwas: Ein Satz, der mit "Zwar" beginnt, sollte fortgeführt werden. Mit 'aber' oder 'sondern' zum Beispiel. Immerhin ist mit solchen Hervorbringungen die These des obwaltenden Abschreibens widerlegt. Wortwahl und Satzkonstruktion zeugen von einem frischen und eigenwilligen Blick auf sprachliche Regeln.

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