Ofo, Mobike, Obike Leihrad-Anbieter liefern sich einen harten Kampf um Deutschlands Straßen

In Deutschlands Städten wächst der Konkurrenzkampf zwischen Leihrad-Unternehmen. Selbst internationale Riesen müssen sich mittlerweile zurückziehen.
  • Digbijay Mishra
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Tausende Räder sind mittlerweile in deutschen Städten unterwegs. Quelle: Reuters
Anbieter von Leihfahrrädern boomen

Tausende Räder sind mittlerweile in deutschen Städten unterwegs.

(Foto: Reuters)

BerlinKaran Sarin hat vor kurzem das Transportmittel zur Arbeit gewechselt. Der 37-jährige Unternehmensgründer eines Start-ups für Wasserfilter ist vor rund zehn Monaten von Indien nach Berlin gezogen. Zunächst hatte er Bus und Bahn genommen, um ins Büro zu kommen, jetzt fährt er mit Leihfahrrädern. „In Berlin sind jetzt viel mehr Leihfahrräder auf den Straßen verfügbar, die Zahl hat extrem zugenommen“, sagt Sarin.

In der Hauptstadt boomt das Geschäft mit den Zweirädern auf Zeit. Innerhalb von sechs Monaten ist ihre Zahl laut Schätzungen von Branchenexperten auf 25.000 angewachsen, Ende 2017 gab es erst 10.000 in der Stadt.

Doch nicht nur in Berlin sind immer mehr Räder auf den Straßen. In München kommen bereits 2,25 Leihfahrräder auf 1000 Einwohner, in Frankfurt sind es 2,02, in Köln 1,72, wie eine Statistik der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt. Der Konkurrenzkampf ist hart. Allein in der deutschen Hauptstadt sind unter anderem Ofo, Mobike, Obike, Limebike, Call-A-Bike und NextBike aktiv.

Der Verdrängungswettbewerb ist in vollem Gange: Erst vor wenigen Tagen teilte Ofo über die Nachrichtenagentur dpa mit, dass sich das Unternehmen in den kommenden Wochen nach einer kurzen Testphase wieder aus dem deutschen Markt zurückziehen werde. Ofo hatte laut eigenen Angaben 5000 Fahrräder allein in Berlin auf den Straßen.

Sein chinesischer Konkurrent Mobike hat sogar noch eine größere Flotte. Das Unternehmen sagt von sich, derzeit der größte Anbieter in der Hauptstadt zu sein. Das Wachstum ist enorm: Erst im November war Mobike in Deutschland gestartet, mit zunächst 700 Fahrrädern. Laut Einschätzung von Branchenexperten gehören Ofo und Mobike bislang zu den größten Anbietern in Deutschland.

Der Rückzug von Ofo kommt überraschend und zeigt, wie schwierig der Markt selbst für gut finanzierte Unternehmen ist – das Unternehmen war vom chinesischen Tech-Riesen Alibaba mit üppigen Finanzierungen ausgestattet worden, Mobike wird vom chinesischen Internetkonzern Tencent finanziert.

Erst vor kurzem hatte Maxim Romain, Europachef von Ofo, dem Handelsblatt gesagt, dass der deutsche Markt das Potenzial habe, auf das zehnfache seiner jetzigen Größe zu wachsen. Das Unternehmen wollte laut eigenen Angaben in allen großen deutschen Städten vertreten sein, man sei bereits in Gesprächen dazu, hieß es. Eine Anfrage des Handelsblatts via E-Mail über die Gründe des Rückzugs blieb unbeantwortet, die Mailadresse der Sprecherin des Unternehmens ist bereits abgeschaltet. Auch in anderen Märkten will sich das Unternehmen zurückziehen, etwa in Indien.

Eines der ersten Testfelder für Leihfahrräder war China. Inzwischen kontrollieren Ofo und Mobike zusammen 90 Prozent des chinesischen Marktes. Die Verdrängungswucht der Unternehmen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt war enorm: Laut dem Marktforscher IDC China konkurrierten bis vor zwei Jahren noch 60 Start-ups mit Ofo und Mobike in diesem Feld. Ein wahnsinniger Wettlauf, schnell zu expandieren um Marktanteile zu gewinnen, resultierte in großen finanziellen Verlusten für viele der Konkurrenten. Sie mussten entweder ganz aufgeben oder ihre Firma verkaufen.

Eine der größten Herausforderungen sind die hohen Ausgaben für den Betrieb der Flotte. Jüngst musste das Unternehmen Obike in Singapur Insolvenz anmelden. Firmengründer Shi Yi räumte im Gespräch mit dem Handelsblatt ein, dass das Unternehmen zu schnell gewachsen sei und die Kosten unterschätzt habe. Das Geschäft in Deutschland soll aber weiter betrieben werden. 

Ofo wollte zuletzt versuchen, seine Kosten durch sogenanntes Geo-Fencing einzudämmen, was übersetzt etwa so viel wie geografischer Zaun heißt. Ab Ende des Sommers sollten Nutzer mehr zahlen, wenn sie Ofo-Fahrräder außerhalb von belebten Teilen der Stadt abstellen. Kunden, die die Fahrräder von diesen Orten wieder zurückbringen, sollten mit niedrigeren Preisen belohnt werden. Das Unternehmen hoffte, so seine Kosten für den Transport der Fahrräder in belebte Stadtteile zu senken. 

Ofos Konkurrent Mobike beschäftigt ein Service-Team, das die Fahrradflotte des Unternehmens Tag und Nacht überprüft. „Wir haben nichts davon, wenn die Fahrräder ungenutzt auf der Straße stehen“, sagt ein Unternehmenssprecher. Fahrräder, die an Stellen abgestellt sind, wo sie nicht gebraucht werden, werden umgeparkt. 

Mobike nutzt zudem ein umfassendes internes Bewertungssystem namens „Mobike Score System“, mit dem es unterschiedliche Preise für seine Kunden bestimmt. Negativ gewertet wird etwa, wenn das Fahrrad in einem nicht öffentlich zugänglichen Ort geparkt wird, wie einem Keller oder einem abgeschlossenen Innenhof.

Zehn smarte Lösungen für den Biker-Alltag
Lauter als ein Presslufthammer
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Alles steht und fällt aber zunächst mit der Sicherheit. Das gut 140 Euro teure und 90 Zentimeter lange Faltschloss Bordo Alarm 6000A von Abus ist beispielsweise mit Bewegungssensoren gerüstet, die erkennen, ob sich jemand am Rad oder Schloss zu schaffen macht. Ist dies der Fall, lösen die Sensoren für 15 Sekunden einen 100 Dezibel lauten Alarmton aus.

Kleines Datenwunder
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Mit einer ganzen Serie von intelligenten Fahrradcomputern ist die Firma Bryton angetreten. Bereits das rund 55 Euro teure Einstiegsmodell Rider one beeindruckt mit vielen Datenfunktionen und smarten Lösungen. So muss man dank GPS-Empfänger keine Sensoren mehr am Rad installieren oder eine Radgröße eingeben. Der nur 52 Gramm leichte Rider one funktioniert, sobald er mit der mitgelieferten Halterung am Lenker montiert wurde. Noch deutlich mehr Funktionen und größere Displays bieten die Modelle Rider 10, 310 und 530, die 60, 100 oder 180 Euro kosten.

Fest montiert und doch mobil
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Beleuchtungsspezialist Busch & Müller bietet mit dem Akku-Scheinwerfer Eyro eine interessante Alternative zu den klassisch am Lenker befestigten Batterieleuchten. Der mindestens fünf Stunden Betriebsdauer garantierende Eyro-Strahler wird nämlich wie eine Dynamoleuchte fest an der Gabel montiert. Allerdings ist nur die Halterung verschraubt, während sich die Einheit aus per USB-Kabel aufladbarem Akku und LED-Strahler mit einem Handgriff rein- beziehungsweise rausclippen lässt.

Für den Tragekomfort zu Fuß
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Fahrradtaschen sind praktisch, solange sie am Gepäckträger montiert sind. Werden die Taschen abgenommen und zum Beispiel über die Schulter gehängt, beeinträchtigen oftmals die Halterungen an der Innenseite den Tragekomfort. Deshalb hat Ortlieb mit dem Quick-Lock 3.1 ein Trägersystem entwickelt, bei dem die wesentlichen Halterungskomponenten am Fahrrad bleiben. Ein entsprechender Gepäckträger ist der rund 80 Euro teure Rack 3 vom gleichen Hersteller.

Das Gepäck immer im Blick
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Eine andere innovative Gepäcklösung kommt von „Fahrer Berlin“ in Form des „Front Racks“. Dieser ist für die Montage am Steuerrohr gedacht. Zunächst bietet das Unternehmen diese Lösung für das Klapprad Brompton an, im Laufe des Jahres sollen aber Varianten für alle anderen Räder folgen.

Bequem und sicher
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Mit dem E-Zone hat Selle Royal einen Sattel speziell für den Einsatz an Pedelecs entwickelt. Der rund 90 Euro teure Sitz mit futuristischem Design soll laut Hersteller durch die spezielle Form ein Verlagern der Fahrposition nach hinten verhindern. Zudem bietet der Sitz einen in die Stütze eingebauten Griff, der speziell auf die hohen Gewichte von E-Bikes ausgelegt wurde und ein bequemeres sowie sicheres Tragen des Rads erlauben soll.

Kabelschonung inklusive
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Ebenfalls explizit auf Pedelecs abgestimmt hat der Radpflegespezialist Tunap Sports seinen E-Bike-Reiniger. Das rund 17 Euro teure Spray soll schonend zu Dichtungen und Kabeln sowie unterschiedlichen Oberflächen sein, was helfen würde, elektrotechnische Bauteile unter anderem vor Korrosion zu schützen.

Laut Angaben von Mobike auf seiner Homepage zählen auch „rücksichtsloses Fahren“ und „Missachtung von Straßenverkehrsregeln“ zu den Punkten, die den Preis beeinflussen können. Fraglich ist allerdings, wie solche Verstöße überhaupt von Mobike registriert werden könnten, insbesondere vor dem Hintergrund der strengen Datenschutzregeln in Deutschland. 

Das Unternehmen will mit dem Punktesystem auch das Chaos vermeiden, dass Radverleiher bereits in anderen Städten verursacht hatten. In manchen deutschen Städten gab es bereits Ärger, weil Leihfahrräder massenweisen achtlos abgestellt wurden und Gehwege oder Einfahrten blockierten. 

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