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Oliver Lackmann Tuifly-Chef: „Es droht ein Imageschaden mit Folgen für die Nachfrage“

Der Chef der deutschen Ferienfluggesellschaft macht klare Aussagen. Oliver Lackmann prognostiziert langfristige Schäden durch die Engpässe in der Luftfahrt.
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Der Chef der deutschen Ferienfluggesellschaft Tuifly prognostiziert langfristige Schäden durch die Engpässe in der Luftfahrt. Quelle: Unternehmen
Tuifly-Chef Oliver Lackmann

Der Chef der deutschen Ferienfluggesellschaft Tuifly prognostiziert langfristige Schäden durch die Engpässe in der Luftfahrt.

(Foto: Unternehmen)

Frankfurt In den ersten deutschen Bundesländern haben die Sommerferien begonnen. Ende der Woche startet auch das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen in den kollektiven Urlaub. Noch ist es nicht zu einem Flugchaos wie im vergangenen Jahr gekommen. Doch Tuifly-Chef Oliver Lackmann gibt noch keine Entwarnung.

Herr Lackmann, die ersten Ferientage sind vorbei. Wie ist der Flugsommer bisher gelaufen?
Besser als im vergangenen Jahr. Aber die Lage bleibt herausfordernd. Es gibt nach wie vor viele Themen, die nicht gelöst sind.

Aber die Branche hat doch mit der Politik ein gewaltiges Maßnahmenpaket geschnürt…
…das stimmt. Und die Fluggesellschaften sind hier auch sehr stark in Vorleistung gegangen, um das System Luftverkehr überhaupt betriebsfähig zu halten. Aber wir erwarten eben auch von unseren Systempartnern und der Politik, dass sie ihre Maßnahmen umsetzen.

Das geschieht nicht?
Doch, aber es geht alles sehr langsam. Die personellen Engpässe in der Flugsicherung wurden ja oft genug beschrieben. Die werden sich auch erst ab 2022/2023 beheben lassen, weil die Ausbildung von Lotsen so lange dauert. Auch bei Themen wie etwa neue Technologien bei den Sicherheitskontrollen könnte es durchaus schneller gehen. Diese Probleme spüren wir täglich. Verspätungen, die hier verursacht werden, haben dann häufig Folgen an anderer Stelle, so dass sich Probleme schnell potenzieren.

Können Sie das mit einem Beispiel erklären?
Wenn aufgrund von Engpässen bei der Flugsicherung oder Verzögerungen bei der Abfertigung verspätet starten, bekommen wir an einigen Flughäfen etwa in Griechenland oder auch Ägypten Probleme. Dort fehlen Stellplätze, also verzögert sich dort die Abfertigung weiter, weil wir warten müssen. Das ist nur ein Beispiel.

Wie oft mussten Sie denn schon ihre aufgestockte Flugzeugreserve nutzen?
Das ist im Grunde genommen täglich der Fall.

Also ist die Reserve fast ständig aufgebraucht?
Nicht zwangsläufig. Wenn absehbar ist, dass ein Reservejet am kommenden Tag benötigt wird, stocken wir den Puffer wieder auf, in dem wir kurzfristig ein zusätzliches Flugzeug anmieten.

Was kostet Tuifly das?
Da gehen wir nicht in die Details. Ein gemietetes Flugzeug in der Kategorie 737 oder A320 kostet samt Crew 3000 bis 3500 Euro pro Stunde. Das kann sich schnell summieren. Natürlich wollen wir damit gewährleisten, dass unsere Kunden pünktlich in den Urlaub und zurück fliegen.

Wenn die Engpässe am Himmel und am Boden noch länger dauern, besteht nicht die Gefahr, dass das Image des Luftverkehrs wegen der mangelhaften Zuverlässigkeit leidet und sich die Kunden abwenden?
Ja, diese Gefahr besteht durchaus. Es droht ein Imageschaden, der letztlich auch Folgen für die Nachfrage haben könnte.

Zumal parallel eine heftige Debatte über die Folgen des Luftverkehrs für das Klima läuft…
… das ist richtig. Angesichts der weiter wachsenden internationalen Nachfrage beim Luftverkehr ist in der Tat auch der Ansatz, wie das Fliegen nachhaltig gestaltet werden kann, eine wichtige Zukunftsfrage. Luftverkehr ist gegenwärtig für 2,8 Prozent der globalen und für 0,3 Prozent der innerdeutschen CO2-Emissionen verantwortlich. Daher ist die Frage berechtigt, wie Luftverkehr nachhaltig organisiert werden kann - zusätzliche Steuern sind dafür aber kein geeignetes Instrument.

Spüren Sie denn bei den Kunden ein wachsendes Umweltbewusstsein? Wird zum Beispiel häufiger eine Kompensation für den gebuchten Flug dazugekauft?
Im Moment ist die Nachfrage noch verhalten, aber wir werden uns hier in Zukunft noch stärker engagieren. Was wir schon jetzt merken: Tuifly schneidet beim Thema Ökoeffizienz regelmäßig sehr gut ab. Wir fliegen sehr effizient, dadurch reduzieren wir die Klimabelastung pro Fluggast. Dies wird mittlerweile durchaus stärker wahrgenommen.

Herr Lackmann, vielen Dank für das Interview,

Mehr: Wie verlässlich und pünktlich sind Flüge und Züge in diesem Sommer? In den nächsten Wochen geht es darum, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

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