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Online-Gigant Alibaba erzielt neuen Verkaufsrekord beim Singles‘ Day

Am Tag der hohen Rabatte sind bei der Handelsplattform teilweise mehr als 500.000 Bestellungen eingegangen – pro Sekunde. Das reicht zu einem neuen Rekord.
Update: 11.11.2019 - 18:20 Uhr Kommentieren
Weniger als zwei Minuten nach Beginn des Shopping-Tages hatten Kunden Waren im Wert von einer Milliarde Dollar bestellt. Quelle: Bloomberg
Umsatz von Alibaba auf einer Leinwand

Weniger als zwei Minuten nach Beginn des Shopping-Tages hatten Kunden Waren im Wert von einer Milliarde Dollar bestellt.

(Foto: Bloomberg)

Hangzhou Innerhalb weniger Minuten stellt Viya Huang eine Klimaanlage, eine Bettdecke und eine Gesichtsbürste vor. „Ihr müsst jetzt zuschlagen oder dieses Schnäppchen ist weg“, warnt sie. Ihr gegenüber steht ein Computer-Bildschirm, auf dem ein Video von ihr mit den Produkten läuft. Viya ist eine Art Teleshopping-Moderatorin. Aber statt im Fernsehen präsentiert sie die zu verkaufende Ware ihren zehn Millionen Followern per Video über die Livestreaming-Plattform des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba

Diese Vermarktungsmethode nimmt einen immer größeren Stellenwert am weltweit umsatzstärksten Tag im Online-Einzelhandel ein, dem sogenannten „Singles' Day“ am 11. November. Auch an diesem Montag konnte Alibaba einen neuen Verkaufsrekord aufstellen: Insgesamt verkaufte der Onlinehändler während des 24-stündigen Shopping-Marathons Waren im Wert von 268 Milliarden Yuan, also umgerechnet 34,71 Milliarden Euro.

Bereits weniger als zwei Minuten nach Beginn der Online-Schnäppchenjagd hatten Kunden Produkte im Gesamtwert von einer Milliarde Dollar bestellt. Wer besonders beliebte Sonderangebote ergattern wollte, musste innerhalb von Sekunden nach Mitternacht den Kauf tätigen. Es gab bis zu 544.000 Bestellungen pro Sekunde, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

„Wir haben auch heute großartige Resultate erzielt“, sagt Chris Tung, Leiter der Marketing-Abteilung von Alibaba, dem Handelsblatt. Trotz eines Wirtschaftswachstums von durchschnittlich 6,2 Prozent in den ersten drei Quartalen in China sei der Einzelhandel mit 8,2 Prozent robust geblieben.

„Der Online-Einzelhandel ist sogar um 19 Prozent gewachsen und Alibaba liegt über diesem Durchschnitt“, sagt Tung. Allein im dritten Quartal konnte das Unternehmen 40 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum erzielen. Analysten hatten Alibaba im Vorfeld Verkäufe im Wert von 37 Milliarden Dollar vorhergesagt. Beobachter waren jedoch wegen der Konjunkturschwäche in China von einem langsameren Wachstum als in den Vorjahren ausgegangen.

Ein Grund für den diesjährigen Zuwachs sind Millionen Menschen, die im vergangenen Jahr noch nicht in den alljährlichen Kaufrausch verfallen waren. Schätzungsweise eine halbe Milliarde Käufer nahmen am diesjährigen „Singles' Day“ weltweit teil. Natürlich reize viele Konsumenten die Schnäppchenjagd, sagt Tung. „Aber dieses Jahr konnten wir auch viele Nutzer dadurch anziehen, dass wir rund eine Million neue Produkte von bekannten und unbekannten Marken ins Angebot genommen haben.“

Diese würden ihre Ware immer genauer auf die verschiedenen Zielgruppen zuschneiden. So betreibt die Kosmetikgruppe L’Oreal neben einem digitalen Flagship-Laden auch noch einen speziellen Store für Männer und biete Kunden aus Städten und Regionen mit einem niedrigeren Durchschnittseinkommen preiswertere Produkte an.

Außerdem, so sagt Tung, habe man den Unterhaltungsaspekt verstärkt. Auch dieses Jahr läutete Alibaba wie gewohnt den „Singles' Day“ am Vorabend mit einer großen TV-Gala ein, auf der unter anderem die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift als Stargast auftrat.

„Singles' Day“ lässt „Black Friday“ und „Cyber Monday“ hinter sich

Aber auch die 4000 Livestream-Hosts wie Viya sorgen sowohl für einen Umsatzanstieg als auch für Unterhaltung, indem sie im direkten Austausch mit Millionen von Zuschauern über neue Produkte informieren und ihre Fragen zeitnah beantworten. Allein mithilfe dieser Methode konnte Alibaba im vergangenen Jahr Waren im Wert von 15,1 Milliarden Dollar verkaufen.

Umweltorganisationen wie Greenpeace warnten am Montag jedoch vor den schädlichen Konsequenzen des Online-Handels und den damit verbundenen Auslieferungen. Die Unternehmen verbrauchten bereits im vergangenen Jahr 9,4 Millionen Tonnen Verpackungsmaterial, schätzt Greenpeace. Sollte die chinesische Regierung keine Maßnahmen gegen den exzessiven Verbrauch von Plastik ergreifen, könnte sich diese Zahl bis 2025 auf 41,3 Millionen Tonnen vervierfachen.

Vergleichbar mit dem „Black Friday“ und „Cyber Monday“, den umsatzträchtigsten Tagen in den USA, hat das chinesische Einkaufs-Event das amerikanische Vorbild längst weit hinter sich gelassen. Mittlerweile werben auch in Deutschland Händler am „Singles' Day“ mit Preisnachlässen.

Viele Kunden in China warten auf den „Singles' Day“ und schieben geplante Großanschaffungen wie Elektronikartikel bis dahin auf. Auch im vergangenen Jahr bescherte der Tag den Onlinehändlern Verkaufsrekorde.

Der 11.11. galt in China unter Studenten ursprünglich als eine Art Anti-Valentinstag für Alleinstehende, weil das Datum nur aus Einsen besteht. 2009 begann dann Alibaba, seinen Kunden an dem Tag für 24 Stunden hohe Preisnachlässe zu gewähren. Zahlreiche Konkurrenten folgten dem Beispiel, wodurch der jährliche „Singles' Day“ zur großen Rabattschlacht wurde.

Zu der Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass Alibaba eine weitere Notierung in Hongkong Mitte November anstrebe, um weitere 15 Milliarden Dollar einzusammeln, sagte Tung nur: „Ich äußere mich nicht zu Gerüchten.“ Eigentlich, so heißt es seit Monaten, habe das Unternehmen bereits diesen Sommer einen zweiten Börsengang in der Sonderwirtschaftszone vornehmen wollen. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA sowie die anhaltenden Proteste in Hongkong hätten jedoch immer wieder zu Terminaufschüben geführt.

Mit Material von Reuters und dpa 

Mehr: Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, der Autoabsatz stürzt ab. Doch die Verbraucher scheint das kaum zu kümmern. Die Konsumlust am Singles' Day ist ungebrochen.

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