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Online-Händler Amazon bleibt hinter Erwartungen zurück – Aktie rutscht ins Minus

Der Konzern nimmt hohe Kosten in Kauf, um Waren schneller liefern zu können. Dadurch fällt der Profit geringer aus als erwartet.
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Der Online-Händler hat mit Verlusten zu kämpfen. Quelle: AFP
Amazon

Der Online-Händler hat mit Verlusten zu kämpfen.

(Foto: AFP)

San Francisco Gleich drei Tech-Konzerne haben am Donnerstag Zahlen vorgelegt – doch nur Amazon enttäuschte beim Gewinn. Während der Google-Mutterkonzern Alphabet seinen Nettogewinn fast verdreifachte und Intel ebenfalls die Erwartungen der Analysten sowie sein Vorjahresergebnis übertraf, konnte Amazon-Chef Jeff Bezos für das zweite Quartal 2019 nur einen marginalen Anstieg des Nettoergebnisses von 2,5 Milliarden Dollar aus dem Vorjahr auf nun 2,6 Milliarden Dollar verkünden.

Mit 5,22 Dollar je Aktie verfehlte das Unternehmen die Markterwartungen. Analysten hatten zuvor im Schnitt mit 5,29 Dollar gerechnet.

Ein Grund: Der Konzern stellte das System für Warenlieferungen an Amazon-Prime-Kunden um, was hohe Kosten verursacht hat. Die Kunden sollen ihre Waren im Idealfall einen Tag nach der Bestellung erhalten – nach Zahlung einer Extra-Gebühr sogar noch am selben Tag. Das sind nicht die einzigen Probleme: Im internationalen Handel steigen die Verluste, und auch Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) bekommt mehr Konkurrenz.

Obwohl AWS noch immer unangefochtener Marktführer im Cloud-Computing ist, holen die Verfolger auf. So steht der Umsatzsteigerung von 36 Prozent bei AWS ein Anstieg von 64 Prozent bei der Microsoft Cloud-Plattform Azure gegenüber. Seit mehreren Quartalen wächst die Nummer zwei auf dem Markt schneller als Amazons Cloud-Tochter.

Und auch Google verkündete am Donnerstag, dass mit der Cloud mittlerweile acht Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr erwirtschaftet werden. Das ist zwar lediglich ein Viertel des AWS-Jahresumsatzes. Doch vor zwei Jahren spielte Google noch keine bedeutende Rolle beim Cloud-Computing.

AWS ist für Jeff Bezos besonders wichtig: Denn obwohl in diesem Geschäftsfeld nur zwölf Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet werden, konnte die Cloud-Plattform 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen und einen operativen Gewinn von 2,12 Milliarden Dollar erzielen – das entspricht fast 70 Prozent des operativen Konzernergebnisses von 3,1 Milliarden Dollar.

Gesundes Wachstum zeigte auch der freie Cashflow, der im Jahresvergleich von zehn auf nun 25 Milliarden Dollar anzog. Freier Cashflow kann zum Beispiel für Dividendenzahlungen, Expansion oder die Schuldenreduzierung herangezogen werden.

Insgesamt lag der Amazon-Konzernumsatz zum Ende des zweiten Quartals im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 63,4 Milliarden Dollar 20 Prozent im Plus. Das internationale Geschäft wuchs dabei um zwölf Prozent, doch das Wachstum war teuer erkauft.

Der operative Verlust erreichte 601 Millionen Dollar – nach einem Minus von 494 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Das Geschäft in Nordamerika legte um 20 Prozent zu, aber auch dort belasteten die hohen Ausgaben für die Umstellung auf schnellere Lieferketten. Der operative Ertrag sank um 15 Prozent. „Es gibt im Moment Wachstumsschmerzen, aber damit hat Amazon Erfahrung“, erklärt Analyst Ron Josey von JMP Securities gegenüber Bloomberg.

Regulierung bleibt ein Risiko

Der Ausblick auf das laufende Quartal ließ aus Sicht der Aktionäre zu wünschen übrig. Die Nettoumsätze werden auf 66 bis 70 Milliarden Dollar prognostiziert. Das wäre ein Plus von 17 bis 24 Prozent, verglichen mit dem Vorjahr. Die Gewinnerosion soll dagegen weiter anhalten. Der operative Gewinn soll zwischen 2,1 und 3,1 Milliarden Dollar liegen. Im Vorjahr lag der Gewinn mit 3,7 Milliarden Dollar noch deutlich höher. Die Amazon-Aktie lag nachbörslich bis zu 1,5 Prozent tiefer.

Trotz der enttäuschenden Zahlen im zweiten Quartal glauben US-Analysten aber nicht an ein Ende des Wachstums. „Wir erwarten, dass Amazon in der zweiten Jahreshälfte wieder zu hohen Wachstumsraten zurückkehren wird“, urteilen die Analysten von JP Morgan. „Amazon bleibt eine Wachstumsgeschichte“, heißt es weiter. Die Analysten von Jeffries gehen weiter davon aus, dass Gewinn und Umsatz weiter stark wachsen werden, vor allem durch das lukrative Cloud-Geschäft und Werbung.

Andere warnen vor den Folgen zu starken Wachstums. „Politische Regulierung ist aktuell das größte Risiko für die Tech-Riesen, auch für Amazon“, sagt Analyst Tom Forte von DA Davidson & Co. Denn die Macht des Onlinehändlers ruft auch die US-Politik auf den Plan. Rufe nach einer Zerschlagung der Internetriesen werden lauter.

Neben Google und Facebook ist auch Amazon in die Schusslinie von US-Finanzminister Steven Mnuchin geraten, der erklärt hat, Amazon habe „den Einzelhandel zerstört“ und den Wettbewerb eingeschränkt.

Das Justizministerium hatte am Dienstag eine breit angelegte Untersuchung der großen Technologieunternehmen angekündigt. Die Wettbewerbshüter wollen prüfen, ob Online-Plattformen mit ihrer Marktmacht den Wettbewerb behindern, Innovationen verhindern oder Verbraucher geschädigt haben könnten. Er freue sich schon darauf, die Empfehlungen des Justizministers an den US-Präsidenten zu hören, sagte Finanzminister Mnuchin.

Mehr: Das US-Justizministerium leitet kartellrechtliche Untersuchungen gegen die Technologieriesen ein. Demokraten fordern bereits deren Zerschlagung.

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  • Amazon hat auch hinsichtlich des Kundenservices erheblich an Qualität eingebüßt.

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