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FILE PHOTO: The logo of Amazon is pictured inside the company's office in Bengaluru, India, April 20, 2018. REUTERS/Abhishek N. Chinnappa/File Photo

(Foto: Reuters)

Online-Händler Amazon will in den USA offenbar zwei neue Konzernzentralen bauen statt einer

Die Ansiedlung eines neuen Amazon-Hauptquartiers könnte eine skurrile Wendung nehmen. Statt eines großen Standorts könnte es zwei kleinere geben.
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San FranciscoBis Ende des Jahres will sich Amazon für den Standort eines zweiten Hauptquartiers in Nordamerika entscheiden. So jedenfalls der Plan, wie er aus der bestehenden Zentrale in Seattle kommuniziert wird. Gut fünf Milliarden Dollar an Investitionen und 50.000 Arbeitsplätze soll der glückliche Gewinner der Stadtentwicklungs-Lotterie bekommen, verteilt über 20 Jahre.

Insgesamt reichten schätzungsweise 200 Städte ihre Bewerbung ein, seit einem Jahr reisen Amazon-Vertreter in Rathäuser in den ganzen USA. Dort prüfen sie die Bedingungen vor Ort und klopfen ab, wie viel die Stadtväter bereit sind an Fördermitteln und Subventionen lockerzumachen. Nun konzentriert sich die Suche laut Amazon noch auf 20 Städte. Das Ergebnis wird vor Jahresende erwartet.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ (WSJ) ist es im Führungskreis um Amazon-Chef Jeff Bezos dabei zu einem Umdenken gekommen. Angeblich, so das WSJ unter Berufung auf Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien, wird es jetzt zu einer Aufspaltung des Projekts kommen. Es soll zwei neue Standorte geben, sozusagen 2a und 2b, beide mit je der Hälfte der geplanten Arbeitsplätze. Amazon wollte den Bericht nicht kommentieren.

Laut Quellen gibt es dafür mehrere Gründe. So sei es durch die geografische Verteilung einfacher, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Außerdem seien die potenziellen negativen Auswirkungen auf die Gemeinden geringer.

Erst kürzlich gab Google seine Pläne für eine Niederlassung in Berlin-Kreuzberg auf, nachdem es massive Proteste gegeben hatte. Kräftige Mietsteigerungen, Verdrängung der Alteingesessenen und heftige Immobilienspekulationen im Gefolge der zahlreichen gutbezahlten Neuankömmlinge wurden befürchtet.

Auch die Ansiedlung von Amazon wird in erster Line ein Riesengeschäft für Immobilienentwickler, Makler und Bauunternehmen. Die Hauptlast werden die Steuerzahler tragen, die die zahlreichen Vergünstigungen und Voraussetzungen wie Infrastruktur finanzieren müssen, die der Online-Riese verlangt.

Im Gegenzug hoffen die Städte auf Tausende neue Arbeitsplätze und Steuerzahler sowie eine prosperierende lokale Wirtschaft. Große Verwerfungen können auf den lokalen Wohnungs- und Immobilienmarkt zukommen, was frühere Entwicklungen nicht nur bei Amazon in Seattle, sondern auch bei Techkonzernen wie Google und Facebook im Silicon Valley gezeigt haben.

Anfängliche Euphorie ist verflogen

Seattle selbst hatte erst kürzlich zu spüren bekommen, was es bedeutet, einem übermächtigen Konzern gegenüberzustehen. Eine geplante Steuer auf Großunternehmen, die Gelder für den Bau von Wohnungen für finanzschwache Familien aufbringen sollte, wurde auf Drängen Amazons und der Androhung eines Baustopps bei einem Bürokomplex im Zentrum der Stadt wieder verworfen.

Amazon hatte mitgeteilt, seine „Wachstumspläne in Seattle infrage zu stellen“. Paul Allen, der kürzlich verstorbene Mitgründer von Microsoft und Philanthrop, spendete daraufhin seiner Heimatstadt ostentativ 30 Millionen Dollar für den Bau eines Wohnblocks für Obdachlose und Einkommensschwache.

In die anfängliche Euphorie in vielen US-Städten über die möglichen positiven Auswirkungen einer solch riesigen Unternehmens-Ansiedelung wie der von Amazon hatten sich im Laufe der nun gut vierzehn Monate Laufzeit der Ausschreibung auch immer mehr Bedenken gemischt.

Als negative Beispiele für unternehmerische Monokultur gelten Detroit oder Philadelphia, wo der Untergang der Branchen Auto und Stahl zu dramatischen Problemen führte. Detroit hatte die bislang größte Pleite einer US-Stadt hingelegt, weil es nicht gelungen war, neue Industrien in die Ruinen der großen stillgelegten Autowerke zu locken.

Das könnte auch zu der Entscheidung beigetragen haben, statt eines Hauptquartiers nun zwei zu bauen. Dort würden nach Informationen des WSJ je gut 25.000 Mitarbeiter angesiedelt und die entsprechende Infrastruktur erhalten.

Gewächshaus oder Arbeitsplatz? Das ist Amazons futuristische Zentrale

Doch ganz so einfach wäre ein solches Splitting nicht. Die Rechnung für den Steuerzahler ändert sich nämlich auch entsprechend, da Autobahnanbindungen oder der öffentliche Nahverkehr müssen ohnehin ausgebaut werden, denen nur noch die Hälfe der möglichen Steuereinnahmen und deutlich weniger Nutzung gegenübersteht.

Derzeit wird laut WSJ die Stadt Crystal City in North Virginia als Favorit gehandelt, nur einen Steinwurf entfernt von der Hauptstadt Washington D.C., wo Bezos bereits die „Washington Post“ besitzt. Bei Buchmachern hoch gehandelt wird auch Dallas in Texas. Nicht nur wegen des Klimas und der wirtschaftsfreundlichen Regierung sowie einer moderaten Besteuerung, sondern weil insgesamt die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu anderen US-Großstädten moderat sind.

Das „Wall Street Journal“ hat daneben noch Long Island City im New Yorker Stadtteil Queens als potenzielles Ziel ausgemacht. Ein Viertel, von dem aus man über den East River einen herrlichen Blick auf Manhattan genießt.

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