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Online-Handel In der Coronakrise steigt die Zahl der gefälschten Produkte – mit gefährlichen Folgen

Nach aktuellen Zahlen der EU ist fast jeder zehnte Käufer schon Opfer von Plagiaten geworden. Gefälscht werden immer öfter sogar Medikamente.
08.06.2021 - 09:00 Uhr Kommentieren
Gefälschte Pharmazeutika im Wert von vier Milliarden Euro wurden weltweit im vergangenen Jahr gehandelt. Quelle: Max Brugger für Handelsblatt
Gefälschte Medikamente

Gefälschte Pharmazeutika im Wert von vier Milliarden Euro wurden weltweit im vergangenen Jahr gehandelt.

(Foto: Max Brugger für Handelsblatt)

Düsseldorf Es war ein großer Schlag gegen die Fälschermafia in Ungarn: In einer konzertierten Aktion im März beschlagnahmten die ungarische Nationalpolizei und die norwegische Polizei mit Unterstützung von Europol mehr als neun Millionen gefälschte Beruhigungstabletten.

In einem unterirdischen Labor hatten die Kriminellen nachgemachte Clonazepam-Tabletten hergestellt, ein Medikament, das beispielsweise bei Panikstörungen oder Krampfanfällen verschrieben wird. Etwa 250 Kilo und 300 Liter verschiedener Grundstoffe wurden vor Ort gefunden. Die gefälschten Pillen waren von den Originalen so gut wie nicht zu unterscheiden.

Der Fall zeigt, dass Produktfälschungen nicht nur Luxusgüter betreffen. Sie sind überall im Umlauf, wo Kriminelle Profite machen können. „Es ist wichtig zu verstehen: Produktfälschungen sind kein Kavaliersdelikt, hier handelt es sich um organisierte Kriminalität“, sagt Alexandra Poch, Expertin für Recht beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (Euipo). Und das ist nicht nur ein Verlust für die Markenhersteller. Es ist nicht selten sogar lebensgefährlich für die Verbraucher.

Das Problem ist allgegenwärtig: Aktuelle Zahlen der Euipo zeigen, dass fast jeder zehnte Europäer bereits Opfer von Produktfälschern geworden ist. Und ein Drittel aller Kunden hat sich schon gefragt, ob ein gekauftes Produkt wirklich ein Original war.

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    Die Corona-Pandemie hat das Problem verschärft

    Die Zweifel sind berechtigt, denn die Euipo schätzt ihren Untersuchungen zufolge, dass 6,8 Prozent aller Einfuhren in die EU im Gesamtwert von 121 Milliarden Euro Fälschungen sind. Dazu kommen noch die Fälschungen, die innerhalb der EU hergestellt werden. Kopiert wird im Grunde alles – vom Turnschuh über die Motorsäge bis hin zu Pestiziden.

    Während der Covid-19-Pandemie hat sich das Problem der Produktfälschungen nach Einschätzung der Euipo sogar verschärft. Kriminelle nutzen unsichere Menschen in Bezug auf neue Behandlungen und Impfstoffe aus und fluten den Markt mit gefälschten Arzneimitteln, Medizinprodukten und Schutzausrüstung. Die EU-Behörde schätzt, dass im vergangenen Jahr weltweit gefälschte Pharmazeutika im Wert von vier Milliarden Euro gehandelt wurden.

    Produziert werden sie in der Regel in Indien und China. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Singapur und Hongkong werden meist als Transit für die Produktfälschungen genutzt. Und zwar im großen Stil: Nach Erkenntnissen der Fahnder werden häufig ganze Containerladungen mit Fälschungen ins Land gebracht.

    Außerdem haben durch die Lockdowns infolge der Pandemie viele Menschen erstmals online eingekauft. Damit steigt der Anteil von Käufern, die mit E-Commerce noch nicht vertraut sind – und deshalb leichter auf Fälschungen hereinfallen. Das haben die Kriminellen ausgenutzt.

    Amazon vernichtet Millionen von gefälschten Produkten

    Deutlich zeigte sich das beispielsweise im Geschäft rund um das Weihnachtsfest. So konnte Europol in einer europaweiten Aktion zwischen dem 19. Oktober 2020 und dem 31. Januar 2021 fast fünf Millionen gefälschte Spielzeugartikel mit einem geschätzten Gesamtwert von über 16 Millionen Euro beschlagnahmen.

    Verkauft werden sollte diese Ware größtenteils online, in der Regel über große Plattformen. Auch Social Media und Messengerdienste werden immer öfter für den Vertrieb genutzt.

    Häufig werden auch Plagiate von Turnschuhen festgestellt. Quelle: dpa
    Reebok-Fälschungen

    Häufig werden auch Plagiate von Turnschuhen festgestellt.

    (Foto: dpa)

    Für die Onlinemarktplätze ist es nicht einfach, diese Masse an gefälschten Produkten zuverlässig zu erkennen. Allein Amazon hat im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Fälschungen aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Vor zwei Jahren hat Amazon auch in Deutschland sein „Project Zero“ gestartet, bei dem Markenhersteller gefälschte Produkte selber von der Plattform entfernen können.

    Um gegen das Problem grundsätzlich vorzugehen, versucht Amazon auch, Betrügern die Anmeldung auf der Plattform so schwer wie möglich zu machen. So muss die Anmeldung eines Händler-Accounts mehrstufig verifiziert werden, unter anderem durch die Rücksendung einer Postkarte oder mit einem Live-Video. Im Jahr 2020 haben laut Amazon sechs Millionen Versuche, einen Händler-Account zu registrieren, den Prozess der Verifizierung nicht bestanden. Im Jahr zuvor waren es erst 2,5 Millionen.

    Nach Angaben von Amazon hat es so nur bei weniger als 0,01 Prozent der verkauften Produkte Beschwerden über mögliche Fälschungen gegeben. Angesichts der Euipo-Zahlen deutet das auch darauf hin, dass der größte Teil der Plagiate so überzeugend wirkte, dass der Betrug gar nicht erst erkannt wurde.

    Zehntausende von Arbeitsplätzen gehen verloren

    Die Erfahrungen von Europol bestätigen das: Beim Schlag gegen die Spielzeugfälscher beispielsweise zeigte sich, dass die Produktfälschungen meist fast exakte Kopien der echten Artikel waren und auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden sind. Die gefälschten Spielzeuge waren jedoch nicht den gesetzlich vorgeschriebenen strengen Sicherheitstests unterzogen worden und wiesen keine Warnhinweise oder Ratschläge auf der Verpackung auf. In fast allen Fällen stellten die beschlagnahmten Spielzeuge ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für Kinder dar.

    Euipo-Expertin Poch fordert deshalb insbesondere eine engere Kooperation zwischen Markeninhabern, Händlern und Plattformen, um Fälschungen zu identifizieren, noch bevor diese angeboten werden können. „Das ist der Schlüssel, um die gefälschten Produkte zu entdecken“, erklärt sie. Wichtig sei auch, die Verkäufer so zu schulen, dass sie Fälschungen besser erkennen.

    Auch die Käufer können mithelfen, den Fälschern das Handwerk zu legen, indem sie jeden Betrug den Behörden melden, damit diese den Weg zu den Produzenten nachvollziehen können. Generell hilft eine Sensibilität vor dem Kauf. „Wenn ein Preis zu gut ist, um wahr zu sein, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch um eine Fälschung“, sagt Euipo-Expertin Poch. Auch sollte der Kunde auf Onlinemarktplätzen genau prüfen, wer der tatsächliche Verkäufer ist. Oft entlarvt ein Blick ins Impressum des Händlers schon die Betrüger.

    Leidtragende der Produktfälschungen sind häufig gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Jedes vierte KMU in Europa gibt an, von Verletzungen seiner Rechte des geistigen Eigentums betroffen zu sein. Das gefährdet sogar Jobs: Allein in der Arzneimittelbranche verursacht die Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums nach Berechnungen der Euipo einen direkten Verlust von 37.700 Arbeitsplätzen.

    Mehr: Das sind die zehn dreistesten Produktfälschungen des Jahres

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