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Online-Mode So will Zalando künftig noch schneller liefern

Zalando baut die Kooperation mit Einzelhändlern massiv aus. So soll es möglich werden, die Ware spätestens am Tag nach der Bestellung auszuliefern.
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Die Kooperation mit dem stationären Handel soll helfen, die Ware schneller auszuliefern. Quelle: Reuters
Zalando-Geschäft in Berlin

Die Kooperation mit dem stationären Handel soll helfen, die Ware schneller auszuliefern.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfChristbaumkugeln, Weihnachtsgebäck und große Fernseher für 399 Euro: Im Einzelhandel hat der Countdown für das wichtige Weihnachtsgeschäft begonnen. Experten befürchten, dass es im Onlinegeschäft zu Lieferengpässen kommen könnte – wie im vergangenen Jahr. Deshalb arbeiten die Onlinehändler mit Hochdruck daran, die Lieferzeiten zu verbessern und den Lieferweg zum Kunden zu verkürzen.

„Wir bauen unsere Kooperation mit dem stationären Handel massiv aus“, kündigte Carsten Keller, VP Direct to Consumer von Zalando, im Gespräch mit dem Handelsblatt an. „Wir werden bis Ende des Jahres über 600 stationäre Läden an unsere Plattform anbinden“, sagte Keller. Damit verdreifacht das Berliner Online-Modehaus nahezu die Zahl der Läden, mit denen es kooperiert.

Zalando will die Bestände seiner Handelspartner vor Ort nutzen, um seine Kunden schneller zu bedienen. Denn deren Ansprüche an Onlineplattformen von Amazon bis Zalando wachsen. Sie haben immer weniger Geduld zu warten, bis das bestellte Produkt bei ihnen ankommt.

Mehr Umsatz in den Läden

Zalando, Deutschlands größter Mode-Onlinehändler, will deshalb die Wartezeit auf die bestellte Bluse oder den Wintermantel verkürzen. „Unser Ziel ist es, in Zukunft die Lieferung am selben oder am nächsten Tag flächendeckend in Deutschland anzubieten“, sagte Keller. Das ist ein anspruchsvolles Ziel.

Denn zurzeit können nur Kunden, die in großen deutschen Städten wie Hamburg, Köln oder München wohnen, vom schnellen Lieferdienst des digitalen Kaufhauses profitieren. Und die durchschnittliche Lieferzeit bei Zalando beträgt momentan zwischen zwei und maximal vier Tage. „Perspektivisch wollen wir diese unter anderem durch ‚connected retail‘ weiter verkürzen“, verspricht Keller.

Bei seinem Modell „connected retail“ geht es darum, die Einzelhändler mit Läden vor Ort als Lieferant für Kunden in der Region zu nutzen. Wenn zum Beispiel ein paar Schuhe in der gewünschten Größe bei einem Laden in der Nähe des Kunden vorrätig ist, soll der den Auftrag für Zalando übernehmen und die Ware an den Kunden liefern.

Um kleine Einzelhändler nicht mit Technik und Kosten zu überfordern, können sie eine App der Softwarefirma Gaxsys nutzen. Dort sehen sie die Bestellungen der Onlinekunden. Wenn sie das entsprechende Teil in ihrem Laden vorrätig haben, können sie selbst entscheiden, ob sie den Auftrag ausführen. Dann übergeben sie die verpackte Ware an DHL oder einen lokalen Kurier, der für Zalando arbeitet.

Dabei gehört der Umsatz dem jeweiligen Händler vor Ort. Zalando kassiert für die Vermittlung des Geschäfts eine Kommission. Stationäre Händler, die heute bereits mit dem System arbeiten, „erzielen 20 bis 30 Prozent mehr Umsatz“, versichert Keller. Die Einzelhändler können so Ware verkaufen, die sonst möglicherweise zum Ladenhüter würde.

Die App ist für Keller nur der Anfang der Kooperation mit dem Handel. So arbeitet Zalando mit Marken wie Esprit und Tommy Hilfiger noch enger zusammen. Sie haben ihre Lagerbestände mit denen von Zalando verbunden. So kann der Online‧händler sehen, wer welches bestellte Kleidungsstück gerade vorrätig hat.

Aber die Zusammenarbeit birgt für den Einzelhändler auch Risiken. „Es besteht bei Kooperationen mit Plattformen wie Zalando immer die Gefahr, dass sich die Händler zu sehr davon abhängig machen“, merkt Lars Hofacker, Experte für E-Commerce vom Handelsforschungsinstitut EHI in Köln, an. „Wichtig ist, dass die Händler dabei ihre Kernkompetenz nicht vernachlässigen: Besonders bei kleineren Händlern ist das häufig die Beratung in ihrem Laden vor Ort.“

Vor allem bleibt zunächst außer dem zusätzlichen Umsatz beim klassischen Händler wenig hängen. In der Branche wurde anfangs kritisiert, dass die Kooperationspartner nicht mehr seien als die lokalen Packstationen für Zalando. Denn die Kunden des Onlinehändlers erfahren nicht, dass ein lokaler Händler das Paket gepackt hat.

H&M liefert zu spät

Doch Keller hält den Kritikern entgegen, dass die heutige Kooperation nur der Anfang einer langfristigen Strategie sei. „In der zweiten Hälfte kommenden Jahres wollen wir mit den stationären Händlern Dienste wie Click & Collect oder Return to Store anbieten“, sagte der Zalando-Manager.

Das heißt: Die Kunden können dann den online bestellten Rock oder den Pullover im Laden vor Ort abholen oder ihn, falls er ihnen nicht gefällt, auch dort zurückgeben. Das könnte den Händlern neue Kunden bescheren, die sonst nie den Laden betreten hätten.

Bei deutschen Händlern soll es nicht bleiben. „Wir führen ‚connected retail‘ im ersten Quartal des nächsten Jahres in den Niederlanden ein“, kündigte Keller an. Und er sieht die Chance, seine Strategie auf noch mehr Länder auszudehnen. Er verweist darauf, dass es rund 500.000 Modeläden in Europa gibt, die sich als Partner anbieten.

Denn die Ansprüche der Onlinekunden steigen. „Was immer wichtiger wird, ist, dass Verbraucher sich auf den angegebenen Lieferzeitpunkt verlassen können“, beobachtet Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel e. V. (bevh).

Und das ist nicht einfach. So kämpft beispielsweise der schwedische Textilriese H&M damit, die wachsenden Onlinebestellungen in der versprochenen Zeit zu liefern. Statt der üblichen Frist von drei bis fünf Kalendertagen musste der schwedische Konzern vor ein paar Wochen einräumen, „dass es in letzter Zeit zu verlängerten Auslieferungszeiträumen“ gekommen sei. Das beginnende Weihnachtsgeschäft dürfte die Probleme verschärfen.

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